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"Monster, Mythen, Menschenrechte" - Über die Comicszene in Hongkong, und welche Rolle Regenschirme dabei spielen

Im Zuge einer vom Goetheinstitut finanzierten Wanderausstellung über deutsche Comics hatte Lars von Törne die Gelegenheit, eigene Eindrücke von der Hongkonger Comicszene zu sammeln und hier mit uns zu teilen: Nach langer Zeit unter britischer Verwaltung ging Hongkong vor 20 Jahren an China zurück. Seitdem nimmt die Regierung der Volksrepublik China zunehmend Einfluss auf das politische und kulturelle Leben dort, und davon ist auch die heimische Comicszene betroffen. Dazu muss man wissen, dass Hongkong eine sehr bildmächtige Stadt ist. Vieles wird mit Bildern kommuniziert, zum Beispiel auch im öffentlichen Nahverkehr. Auch im Alltag gibt es viele bildhafte Referenzen und generell kann man von einer sehr comicaffinen Kultur sprechen.

Im Bereich Comics werden außer chinesischen auch westliche Comics verkauft, vor allem aber viel japanische Mangas, und es herrscht eine große japanische Konkurrenz auf dem Markt. Im Mainstream finden sich vor allem Martial Arts Themen, in denen viel mit Speedlines gearbeitet wird und die auf westliche Leser eine gewisse Ähnlichkeit zu den 80er Jahren haben, sehr farbig sind und durch wilde Frisuren der Charaktere auffallen. Auch Science-Fiction und Gangster Stories finden weite Verbreitung… doch abseits vom Mainstream fungieren Comics auch als Widerstands- und Underground-Medium.

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Monster, Mythen, Menschenrechte
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Die volle Bandbreite der Comics in Hongkong ist in der Comix Home Base vertreten, einem großen Gebäude mit Comic-Kultur und -Austausch auf drei Stockwerken. Hier wird auch ein Forum geboten für Comics, die abseits vom Mainstream liegen, und hier kann man viel über die heimische Independentszene erfahren. Vier Künstler aus Hongkong wurden uns ein bisschen näher vorgestellt:

Andy Seto ist ein aktuell sehr bekannter Comickünstler in Hongkong. Er macht vor allem Martial Arts Comics, ist aber auch in anderen Genres recht breit aufgestellt.

Leumas To ist freischaffender Künstler im Grenzbereich zwischen Mainstream-Comics und solchen mit vorsichtig politischen Andeutungen.

Wahyan Au veröffentlicht einen Strip in der Zeitschrift Mingpao Weekly. Sie beschäftigt sich mit sozialen Konflikten wie Billiglohn Hilfsjobs und Konflikte mit der Staatsmacht.

Sam Tse ist der Zeichner von “Hong Kong Infected”. Hier werden multimedial Comic, Video und Animation als klassische Zombiegeschichte mit ganz viel politischer Bedeutung aufgeladen: Hong Kong wird von Monstern angegriffen, die Menschen infizieren, die wiederum andere Menschen angreifen und auffressen und dadurch immer größer werden – dies kann man auch so deuten, sagte der Autor im Gespräch, dass sich dieses Verhalten auch auf die Volksrepublik China beziehen lässt. Die „Terroristen“, das sind eine Gruppe von Menschen, die sich gewaltsam gegen die Invasion wehren, werden durch ihr Verhalten im Lauf der Zeit allerdings zunehmend selbst zu Monstern. So hat man auch kritische Stimmen der Gegenbewegung gegenüber.

Die generelle Situation in Hongkong beschreibt von Törne dahingehend, dass die Volksrepublik China immer mehr Einfluss nimmt, einschränken und einschüchtern will. Kritische Buchhändler etwa verschwinden plötzlich und tauchen nach einiger Zeit wieder auf, ohne darüber zu sprechen was mit ihnen geschehen ist. Viele Comickünstler rechnen mit immer mehr Einschränkungen durch die Politik und gehen davon aus, dass sich die Situation noch weiter verschlimmern wird. Das Internet ist in Hongkong allerdings noch relativ unzensiert, dort gibt es viele Rückmeldung zu den Strips von den Lesern, die mit den Zeichnern von zumindest im Internet veröffentlichten Comics in regem Kontakt stehen.

… und was ist jetzt mit dem Regenschirm? Er taucht in vielen Comics als politisches Symbol gegen die Unterdrückung auf. In Hongkong wird er viel genutzt als genereller Schutz vor Sonne wie Regen, aber bis zu einem gewissen Grad kann man sich damit auch vor Wasserwerfern schützen. So ist der Regenschirm zu einem Symbol für den (teils auch gewaltsamen) Widerstand gegen das politische System geworden. Interessanterweise werden Regenschirme aber nicht pauschal eingesetzt um die Identifikation der Zeichner mit dem Widerstand zu zeigen, sondern der Widerstand selbst wird durchaus auch kritisch betrachtet – eben weil auch nicht jeder mit der Form einverstanden ist, wie der Widerstand ausgeübt wird.

Wir sehen also, es handelt sich um einen spannenden Markt, der in Zukunft vermutlich weiter unter Druck geraten wird. Man kann wohl nur hoffen, dass zumindest in Hongkong die politischen Ströme in Comics nicht so sehr wie im „restlichen“ China unterdrückt werden… oder (ein frommer Wunsch) die Unterdrückung in China aufhört.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.06.2018 - 07:06
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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