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Edition Moderne präsentiert: Drei Schweizer und ihre Comics
Brigitte Helbling gibt uns anhand von drei Schweizer Comickünstlern einen stellvertretenden Überblick über die eidgenössische Comicszene:

Anna Sommer ist seit 22 Jahren Autorin und Zeichnerin. Aktuell ist ihr Comic „Das Unbekannte“ in der Edition Moderne herausgekommen, welche damit beginnt, dass eine Frau in einer Umkleidekabine eines Klamottenladens einen Säugling findet. Das vielleicht auffälligste Merkmal von Sommers Comics sind die fehlenden Panels. Dies liegt darin, dass sie in ihrer frühen Schaffensphase zunächst keine Ahnung von Comics hatte und zum anderen wortlose Geschichten geschrieben hat, so dass Panelwände nicht notwendig erschienen. In ihrem neuen Buch arbeitet sie nun mit Text, aber dennoch ist es so, dass sie bei der Entstehung eines Comics eher ein Bild im Kopf hat als eine bestimmte Geschichte.

Andreas Kieners aktueller Comic heißt „Odysseus“ und ist seine eigene Interpretation des Stoffes. Kienert hat bereits im Jahr 2012 mit der Arbeit daran begonnen, aber sie lag immer wieder brach. Er wollte gern ein Mockumentary in Form eines Comics machen. Die alten Sagen haben ihn immer fasziniert und er hält sie für eine tolle Grundlage für eigene Geschichten. Die bestehenden Figuren haben oft sehr wenig Charakter, und er findet es super, diese Figuren zu übernehmen und weiter auszuarbeiten.

Zur nachträglichen Finanzierung des fertigen Comics hat er zusammen mit der Edition Moderne ein Crowdfunding gestartet, dessen Erlös jeweils zu gleichen Hälften an ihn und an den Verlag ging. Kiener hat auch noch bei Stiftungen für finanzielle Unterstützung angefragt, aber er hat nur aus der Sparte Kunst Geld bekommen, nicht aus der Literatur-Sparte. Die „Belohnungen“ beim Crowdfunding waren einmal ein vergünstigtes Buch, dann eins mit Widmung, dann eins mit Zeichnung im Buch, sowie eine Originalzeichnung aus dem Buch. 4000 Franken war das Ziel, 6000 wurden tatsächlich erreicht. Dieser Erfolg hängt vermutlich stark vom Engagement seiner Freunde und Verwandten ab.

Kienert hat an der Hochschule Luzern studiert. Im Internet ist er „ein bisschen aktiv“ aber weder ständig noch ausgeprägt. Er berichtet, dass es wenig Kontakt zwischen den französischen, deutschen und italienischen Künstlern und Unis in der Schweiz gibt – außer möglicherweise in Luzern, dort ist die Comicszene recht groß und es gibt es einigen Austausch.

Jan Bachmann schließlich hat an der Hochschule für Film in Berlin studiert. Sein aktueller Comic ist „Mühsam. Anarchist in Anführungsstrichen“ und basiert auf den Tagebüchern von Erich Mühsam, einem Berliner Anarchisten, der im KZ Oranienburg ermordet wurde. Es geht um Betrachtungen von Deutschland in den 1910er-Jahren, die auch heute noch total aktuell sind.

Bachmann ist in seinem Stil schon recht stark beeinflusst von den Sachen, die er für die Filme gelernt hat, wie dramaturgische Fragen, wie man eine Geschichte entwickelt, Tricktechniken, Achsensprung, Anordnung und Bewegung im Dreidimensionalen Raum… Was ihn am Comic mehr fasziniert als am Filmbusiness ist das stärkere Gefühl von Unabhängigkeit als beim Film.

Dieser kurze Abriss soll exemplarisch die Comicszene in der Schweiz beleuchten – bei mehr Interesse lege ich den Filmmitschnitt ans Herz und wünsche viel Vergnügen!



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 08.06.2018 - 13:57
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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