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Comic-Besprechung - Trommelfels

Geschichten:

Trommelfels

Autor/Zeichner: Marijpol



Story:

Ein riesiges Fledermauswesen trommelt mit immer erschöpfteren Schlägen auf eine große Trommel. Jedes Mal, wenn es von seinem Tun ablässt, ziehen sich die Wände der Höhle weiter zusammen und drohen das arme Wesen zu zerquetschen. Doch die Schläge werden schwächer und schwächer, bis die Wände wie ein Schraubstock den Körper der zweibeinigen Fledermaus umschließen. In letzter Minute taucht ein zweites derartiges Wesen auf und übernimmt die Aufgabe des ersten, welches tödlich verwundet zur Erde sackt. Mit neuer Kraft dröhnt der Rhythmus und die Höhlenwände schieben sich wieder zurück.

So beginnt eine Geschichte, die bald auch ein älteres Forscherpaar auf die seltsame Kultur der Fledermäuse aufmerksam machen wird. In ihrem Ehrgeiz ihrer erfolglosen Karriere in der Archäologie einen fulminanten Abschluss zu geben, gefährden sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das der jungen Miriam, die sich freiwillig zu einem Experiment in eine isolierte Ausgrabungshöhle begibt. Ihre Isolation währt jedoch nicht lange, denn bald strömen seltsame Fledermauswesen in ihre Behausung.



Meinung:
Marijpol wer? Vielen dürfte die Hamburger Künstlerin noch nicht bekannt sein, die mit Trommelfels ihre erste große Buchveröffentlichung im Comic-Bereich hat. Ganz neu ist sie allerdings nicht auf der Karte der Comic-Landschaft aufgetaucht, sondern strebte bereits einige Ausflüge in diese Region an. Illustre Titel wie „Der Wurstzirkel“, „Transzendentale Polizei“ oder „Generalsecretary Popking“ zeugen nicht nur für erste Schritte in diesem Bereich, sie zeigen auch ansatzweise die Art von Phantasie, die hinter diesen Titeln verborgen ist. Wer jetzt neugierig geworden ist, der kann ja einfach mal auf ihrer Internetseite www.marijpol.com  vorbeischauen. Einen kleinen Auszug aus dem aktuellen Band gibt es sogar oben drauf.

Trotzdem ist so ein Debüt schon etwas Besonderes. Und wenn dann noch der anspruchsvolle Avant-Verlag sich des Werkes annimmt, darf man vermuten, dass man von Marijpol einiges erwarten darf. Bleibt die Frage, ob sie diese Erwartungen erfüllen kann. Eine ungewöhnliche und etwas exzentrische Vorstellungsgabe kann man der Hamburgerin jedenfalls attestieren. Auch wenn der Blick auf ihre Internetseite den Verdacht nahe legt, dass sie sich bei Trommelfels sogar etwas zurückgehalten hat. Symbolträchtig aufgeladen und rätselhaft verschlüsselt sind hauptsächlich die Zwischenbilder, die die Handlung in sporadischer Weise unterbrechen. Sie scheinen immer eine Art Kommentar oder Zusammenfassung zu den vorangegangenen Geschehnissen zu sein, ohne ihre eigentliche Bedeutung für den Leser sofort zu enthüllen.

Nicht dass die Handlung selbst sich so leicht entschlüsseln lassen würde. Die Erzählung weist zwar einen Erzählfaden auf, doch die Schwerpunkte der Geschichte scheinen mit den Interessen der Autorin mal hierin, mal dorthin zu schwanken. Zu Beginn lernt man ein älteres Forscherpaar kennen, welches seine besten Tage anscheinend hinter sich, kaum relevantes entdeckt und letztlich resigniert hat. Gerade die eine Hälfte des Gespanns, der Mann Holger, hat sich bereits in die Verbitterung geflüchtet und will aus Frust eine Forschungsstätte mit dem Presslufthammer bearbeiten. Man merkt den beiden schnell an, sie haben jedweden Lebensinhalt verloren. Da kommt ihnen die letzte Chance, die sie von ihrer Vorgesetzten bekommen, gerade recht. Aber auch dieser Auftrag erweist sich zunächst als fast genauso aussichtslos, wie die vorherigen. Bis sie in ihrem Zelt eine primitive Skulptur finden, die dort irgendjemand in der Nacht platziert hat.

Konsequent bleibt die Geschichte dann allerdings nicht bei diesem Pärchen. Die Handlung beugt sich mehr dem Interesse und der Aufmerksamkeit der Autorin, als den Bedürfnissen des Plot. Vielleicht war aber auch ein stringenter Bezug zu einer Hauptfigur nicht gewollt. Denn ist es Mut bei der Konzeption oder Unaufmerksamkeit bei der Verschiebung des Handlungsfokus, dass die beiden ersten Protagonisten, Holger und Rosemarie, im Laufe der Geschichte immer unsympathischer geraten? Jedenfalls findet plötzlich ein Experiment an der Ausgrabungsstätte statt, dessen Versuchsperson die junge Altenpflegerin Miriam ist. Kommt den beiden Alten gut zupass, um vielleicht Kontakt zu den Schöpfern der seltsamen Puppe zu bekommen, die vermutlich in dem weit verzweigten Höhlensystem unter der Grabungsstelle leben. Schwupps, sind auf einmal die Geschehnisse um das Experiment tonangebend. Miriam wird zum Lockvogel für Holger und Rosemarie, während sie ihre Zeit in einer von der Außenwelt abgeschotteten Höhle verbringt. Nach innen, also zum Höhlensystem, wurde jedoch eine Lücke gelassen.

Durch diese strömen dann auch alsbald merkwürdige Fledermauswesen, mit denen man zu Beginn des Bandes bereits Bekanntschaft machte. Diese Kreaturen und ihre Kultur (von der man lediglich Bruchstücke zu sehen bekommt) sind dann auch fast das Spannendste und Interessanteste des gesamten Comics. Und während man sich zusehends über die Ereignisse und die geheimnisvollen Geschehnisse wundert, verrennt sich die Handlung zusehends in den Motivationen ihrer Charaktere, die teilweise pathologische Züge annehmen. Insbesondere Holger verabschiedet sich immer weiter vom gesunden Menschenverstand und verfolgt seine Aufgabe nahezu manisch, ohne an Konsequenzen für andere zu denken. Die Opfer sind dabei die armen Fledermauswesen, die dadurch immer mehr ihrer üblichen Habitate verlassen müssen.

So richtig zum Punkt will die Geschichte nicht finden und man fragt sich mehr als einmal, was das alles eigentlich soll. Insbesondere als zwischendurch eine fahrende Friseurin auftaucht (Holger scheint auch noch irgendeinen Haarfetisch zu entwickeln), die Holger als Geisel nimmt und droht seine Haare zu schneiden. Soll vielleicht humorig sein, wirkt jedoch absolut deplaziert und wie ein Fremdkörper in der Erzählung. Oder es ist letztlich alles ganz anders und während der Leser mit seinem Verständnis vor verschlossenen Türen steht, lacht sich die Autorin eins und wedelt mit dem alles erklärenden Schlüssel. Sich Gedanken machen ist ja schön und gut, das kann man aber auch über das Wetter. Für eine anregende Lektüre sollte man jedoch nicht die Machart des Comic hinterfragen müssen, sondern die in ihm geäußerten kontroversen oder subversiven Ideen. Das gelingt Marijpol allerdings kaum.

Als ebenso nicht allzu gelungen möchte man die zeichnerische Umsetzung der Geschichte beurteilen. Es ist eine Sache, wenn man einen besonderen Stil hat. Eine andere, wenn man zwischendurch den Eindruck gewinnt, es sei unsauber gearbeitet worden. Der erste Augenschein ist durchaus nicht unsympathisch und erinnert vielleicht den ein oder anderen an eigene erste Gehversuche (das soll jetzt keine unterschwellige Beleidigung gegenüber der Autorin sein) bei der Gestaltung eines Comic. Mit Bleistiften unterschiedlichster Härtegrade entwickelte Marijpol ihre Zeichnungen. Ihre Bilder sind teils sehr unfertig und die Figuren recht einfach und ohne feinere Details gehalten. Zum größten Teil, und hier fängt es auch an schludrig zu wirken, sind die Hilfslinien und Vorzeichnungen zu erkennen, die erst später stärker nachgezeichnet wurden. Sie scheinen keinen weiteren künstlerischen Zweck zu erfüllen und gehören deshalb nie und nimmer in das Endprodukt Comic.

Unfertige Zeichnungen, eigenwillige Geschichte ohne wohldurchdachten Erzählfaden. Nicht gerade gut verdauliche Beigaben für die erste (große) Veröffentlichung. Die eingangs gestellte Frage, ob die Erwartungen erfüllt werden, kann dann auch erst einmal nur mit einem zögerlichen „Jein“ beantwortet werden. Erste Schritte sind aber immer schwer und vielleicht ist Marijpols erzählerisches Talent in den nächsten Veröffentlichungen schon weiterentwickelt. Ihre eigenwillige Phantasie sollte auch im Comic seine Heimat finden können.


Fazit:

Ein eher mäßiges Debüt einer Künstlerin mit unbestreitbar viel (graphischer) Phantasie. Diese äußert sich leider vornehmlich in gelegentlichen Zwischenbildern oder auf ihrer Internetseite. Allein die Bündelung von Ideen in eine konsequente Handlungsstruktur will noch gelernt sein. Etwas mehr Sorgfalt bei den Zeichnungen wäre für das nächste Mal ebenfalls wünschenswert. Marijpol hat jetzt ihren Fuß in die Tür der Comic-Landschaft endgültig gesetzt, sie sollte aber in Zukunft mehr daraus machen.




Trommelfels - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Trommelfels

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 19,95

ISBN 13:
978-3-939080-53-4

112 Seiten

Positiv aufgefallen
  • ungewöhnliche Phantasie der Künstlerin
Negativ aufgefallen
  • Erzählung fehlt die Struktur
  • unfertige, unsaubere Zeichnungen
  • Preis für die Qualität schon recht happig
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
3
(2 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 05.06.2011
Kategorie: One Shot
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