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Comic-Besprechung - Tim und Struppi Farbfaksimile 14: Im Reiche des schwarzen Goldes

Geschichten:

Autor, Zeichner und Colorist: Hergé



Story:

Reporter Tim geht wieder einmal einem mysteriösen Fall nach: aufgrund von schadhaftem Benzin kommt es zu einer Reihe von gefährlichen Explosionen, deren negative Folgen nicht nur die Weltwirtschaft ins Wanken bringen, sondern auch die Angst vor einer weltweiten Kriegssituation schürt.

Schon bald hat unser findiger Held eine erste Spur, die ihn nach Israel führt, mitten hinein in den politischen Konflikt zwischen Juden, Arabern und den britischen Truppen, die aufgrund des Völkerbundmandats dabei helfen, eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ aufzubauen. In Haifa wird Tim zunächst aufgrund eines falschen Verdachts von den Briten verhaftet um dann kurz darauf von Mitgliedern einer zionistischen Untergrundbewegung, die Tim mit einer ihm sehr ähnlich sehenden Führungspersönlichkeit verwechseln, in einer spektakulären Aktion befreit zu werden. Diese werden wiederum von einer Gruppe militanter Araber überfallen, die Tim in die Wüste zu ihrem Anführer verschleppen, dem Scheich Bab El Ehr, einem vehementen Gegner der jüdischen und britischen Besatzungsmächte. Da der junge Reporter für den Scheich nutzlos ist, wird er in der Wüste zurückgelassen.

Doch Tim überlebt mit viel Glück und schafft es sogar die Araber zu verfolgen. Dabei wird er Zeuge, dass einer seiner alten Gegenspieler, Doktor Müller, mit Bab El Ehr kollaboriert und maßgeblich an der Sabotage der großen Öl-Pipelines des erhabenen Emirs Ben Kalisch Ezab beteiligt ist, der wiederum mit den Engländern zusammenarbeitet. Die Anschläge sollen den Emir dazu zwingen, künftig mit dem Verbrecher Bab El Ehr Geschäfte zu machen. Um seine Forderungen endgültig durchzusetzen lässt der Scheich Abdallah, den heranwachsenden, verwöhnten und permanent zu Streichen aufgelegten Sohn des Emirs, entführen.

Tim gelingt es mithilfe seines alten Bekannten, des portugiesischen Händlers Oliveira Da Figueira, und den beiden Polizisten Schulze und Schultze den kleinen Frechdachs in einer spektakulären Verfolgungsaktion aus den Fängen der Bösewichte zu befreien. Dabei entdecken sie, dass Müller für eine „fremde Macht“ arbeitet, die ein chemisches Mittel in Tablettenform entwickelt hat um die Explosionskraft von Öl zu verstärken. Diese Chemikalie sollte im großen Stil verbreitet werden um die Weltmächte zu schwächen und sie im Kriegsfall besiegbar zu machen. 

Meinung:

Im Reiche des schwarzen Goldes wurde ursprünglich in den Jahren 1939-1940 als Schwarz-Weiß-Version in der Zeitschrift Le Petit Vingtième veröffentlicht. Erst 1948-1950 erschien die vorliegende Farbversion, die nun als weitere Perle der Comic-Kunst im Rahmen der Farbfaksimile-Reihe im Carlsen-Verlag erschienen ist. Während bei den meisten anderen Bänden der Reihe der Unterschied zwischen den regulären Alben und der Faksimile-Version nicht so gravierend ist, lohnt sich in diesem Fall der Vergleich, denn Hergé hat die ursprüngliche Version, die noch vor dem 2. Weltkrieg und der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten entstand, mehrfach bearbeitet. Die Veröffentlichung der Schwarz-weiß-Ur-Version wurde 1940 nach der Besetzung Belgiens durch die Deutschen abgebrochen, weil man Probleme mit den deutschen Behörden befürchtete. Im besetzten Frankreich erschienen daraufhin zwei weitere komplette Versionen, aus denen man aber alle Referenzen auf Juden und Araber gestrichen hatte.

Für die jetzt bei Carlsen veröffentlichte Version, die ab 1948 im Tintin-Magazin erschien, hatte Hergé das Abenteuer neu gezeichnet, koloriert und teilweise detailreicher gestaltet. Erweitert wurde das Abenteuer hier auch durch den Auftritt von Kaptain Haddock, der mittlerweile zur beliebten Hauptfigur geworden war und jetzt am Ende spontan auftauchen durfte um Tim deus-ex machina-mäßig aus der Patsche zu helfen. Alle Sequenzen, in denen Israel, die englischen Besatzer und Juden vorkommen, sind hier aber wieder enthalten. Deutlich spiegelt sich in dieser Version eine Stimmung wieder, die auf den drohenden Weltkrieg hinweist. Die politischen Ereignisse, die später zur Gründung des Staates Israels führten, hat Hergé dramaturgisch genutzt und in die Handlung eingebaut. Das ist gerade aus heutiger Sicht bemerkenswert und macht den Vergleich zur späteren, heute allgemein bekannten Fassung sehr spannend.

In dieser erst ab 1972 veröffentlichten neuen Fassung, die Hergé zusammen mit seinem damaligen Assistenten Bob de Moor umgeschrieben hatte, kommt Tim nun nicht mehr in Haifa an, wird nicht mehr von der israelischen Polizei festgenommen, von britischen Militärs verhaftet und auch nicht mehr von einer zionistischen Untergrundorganisation entführt. Er reist stattdessen direkt in den fiktiven arabischen Staat Khemed und bekommt es nur mit den Arabern zu tun. Darüber hinaus wurde das Abenteuer in zahlreichen grafischen Details modernisiert und überarbeitet. Statt einfacher Stoffhosen tragen die Figuren beispielsweise Bluejeans mit Nähten, die technischen Details der Schiffe und Fahrzeuge sind massiv aufpoliert worden und die Hintergründe sind insgesamt detailreicher und aufwändiger gestaltet. Manche Änderungen fallen auch erst beim genauen Hinschauen auf: so hat Tim zum Beispiel an einer Stelle in der neuen Version eine Kapitänsmütze auf, die es bei der vorangegangen Version noch gar nicht gab. Und auch die Farbgebung hat an vielen Stellen eine deutliche Veränderung erfahren. Der Seitenaufbau im ersten Teil des Abenteuers ist teilweise stark verändert worden, während die zweite Hälfte sich nur noch durch den Detailreichtum unterscheidet.

Alles in allem ist Im Reiche des schwarzen Goldes nicht nur aufgrund seiner Veröffentlichungsgeschichte ein interessantes Album. Das Abenteuer bietet Sandstürme, Entführungen, rasante Verfolgungsjagden und den gewohnt schrulligen Humor Hergés. Wenngleich einem die Kaspereien der Herren Schulze und Schultze nur noch in den wenigsten Fällen ein Lachen entlocken können, schießen sie in diesem Abenteuer allerdings den Vogel ab, indem sie bei der Anfahrt auf ein Wüstenstädtchen am Steuer ihres Jeeps einschlafen und der führungslose Wagen mit den schnarchenden Polizisten darin erst über den überfüllten Marktplatz rollt und dann die Wand einer Moschee durchbricht – sehr zum Entsetzen der betenden Moslems. Hier erweist Hergé einmal mehr sein Gespür für den leicht skurrilen Humor, den wir auch aus zahlreichen anderen Tim und Struppi-Abenteuern kennen. In dieser Hinsicht bekannt geworden ist auch das Bild von Schulze und Schultze mit langen türkisfarbenen Bärten und Haaren, aus deren Mündern blaue Seifenblasen aufsteigen. Der Schabernack des verzogenen, kleinen Abdallah, wirkt aus heutiger Perspektive eher etwas langweilig, hat aber dennoch einen gewissen Charme und dürfte gerade bei Kindern gut ankommen. Letztlich dient diese Figur aber auch zur Charakterisierung des leicht debilen Emirs, der seinen Sohn permanent als „kleines Täubchen“ bezeichnet und ihn über die Massen verwöhnt, obwohl er ein wahrer Satansbraten ist, der sogar den Erzbösewicht Müller zur Weißglut treibt und am Ende sogar unbeabsichtigt dessen Festnahme bewirkt. 



Fazit:

Im Reiche des schwarzen Goldes ist ein in zweifacher Hinsicht empfehlenswerter Klassiker: er ist eine wahre Freude für den „Comic-Archäologen“, der sich mit der Veröffentlichungsgeschichte eines Comics auseinandersetzt und gerne deren Entwicklung im Spiegel der Zeit untersucht. Er ist aber auch einfach ein weiteres grafisches Juwel aus der Feder von Hergé, dessen Kauf sich in diesem Fall besonders lohnt, auch wenn man die Standard-Ausgabe bereits besitzt.



Tim und Struppi Farbfaksimile 14: Im Reiche des schwarzen Goldes - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Tim und Struppi Farbfaksimile 14: Im Reiche des schwarzen Goldes

Autor der Besprechung:
Armin Hofmann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 17,90

ISBN 10:
3551738459

ISBN 13:
978-3551738455

64 Seiten

Positiv aufgefallen
  • große inhaltliche und grafische Unterschiede zur bekannten Version
  • Spiegel der Zeit
  • bestechende, klassische Abenteuergeschichte
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
3
(1 Stimme)
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Rezension vom: 08.06.2011
Kategorie: Tim und Struppi
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