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Comic-Besprechung - Thor Paperback 3: Triumph

Geschichten:

US-Thor 600 – 603, US-Thor Giant Size Final

Autor: J. Michael Straczynski, Stan Lee
Zeichner: Marko Djurdjevic, Olivier Coipel, David Aja
Tuscher: Danny Miki, Mark Morales, Allen Martinez, Marko Djurdjevic
Farben: Jelena Kevic-Djurdjevic, Matt Hollingsworth, Laura Martin, Paul Mounts, Christina Strain



Story:
Der Wind trägt es herbei, es flüstert der Schnee. Der verschollene Bor, Vater von Odin und damit Thors Großvater, ist aus seinem eisigen Exil zurückgekehrt. Die Welt auf die er trifft ist nicht mehr diejenige, die er einst verließ. Keine Eisriesen, keine Zwerge, statt dessen Wolkenkratzer und Automobile. Derart verstörend ist die Gegenwart für den einstigen Göttervater, dass er keine andere Wahl sieht, als sich zu verteidigen. Ein wenig unterstützt wird seine paranoide Sicht allerdings durch einen Zauber Lokis. Und dieser weiß genau, wen ein Amok laufender Ase auf den Plan ruft: Thor den Donnergott und derzeitigen Herrscher Asgards. Eine Konfrontation epischen Ausmaßes kündigt sich an.

Nicht die einzige Ränkeschmiede, die der Gott der Lügen ersinnt. Seine Einflüsterungen bringen selbst die Mächtigsten zum Zweifeln. Warum sonst sollten sich die Asen plötzlich dazu entscheiden bei keinem Geringeren Asyl zu suchen, als bei dem Herrscher von Latveria Dr. Doom? Ragnarök mag vorbei sein, die düsteren Zeiten sind es längst nicht.


Meinung:
Finale zeichnen sich dadurch aus, dass etwas zu Ende geht. Manchmal geht aber auch etwas zu Ende, ohne dass es zum Finale kommt. Kein Paradoxon sondern eine schlichte Tatsache im aktuellen Sammelband Thor Paperback 3: Triumph, der die letzten von J. Michael Straczynski geschriebenen Ausgaben enthält. Ein Run, wie man so schön sagt, den der Autor allerdings nicht bis zum Schluss gelaufen ist. Da ist einem die Puste ausgegangen oder besser gesagt, war jemand nicht bereit die nächste am Horizont erscheinende Hürde zu nehmen. Verständlicherweise!

Dabei werden hier starke Handlungsstränge gewoben, die enormes Potential für die Zukunft haben bzw. gehabt hätten. Straczynski nimmt geschickt eigene Szenen wieder auf, um sie folgerichtig aber selten vorhersehbar umzugestalten. Erfuhr man in den letzten Ausgaben, dass der listige Loki einst den Vater von Odin zu einem Leben in Wind und Eis verdammte, was letztlich zur heutigen Gegenwart führte, so nutzt Loki jetzt die Gunst der Stunde, um den ehemaligen Göttervater Bor in die Gegenwart zurückzuholen. Eine Welt, die Bor fremd ist und schon zwangsläufig zu einer Konfrontation mit Thor führen muss, dem aktuellen Herrscher über Asgard. Bor ist allerdings nur der Auftakt für ein Spiel, welches Loki meisterlich in der Hand hat und zu manipulieren versteht. Da sage noch einer mit roher Gewalt sei alles zu erreichen. Loki stellt Asgard auf den Kopf und wird zum Königsmörder, ebenso wie zum –macher ohne auch nur einmal eine Waffe zu schwingen. Der Gott der Lügen war selten so gefährlich, und selten so interessant.

Wie ein Atavismus hängt mittendrin in der Haupthandlung eine von keinem Geringeren als Stan Lee erdachte Geschichte. Warum, wieso, weshalb? Das Jubiläum von Thor wird der Grund gewesen sein. Auf stattliche 600 Ausgaben (Marvel war so „freundlich“ wieder für eine kurze Zeit die Originalnummerierung einzuführen) hatte es die Serie zu diesem Zeitpunkt gebracht, warum sollte nicht also der (Mit-)Schöpfer des Marvel-Universums nicht seinen Teil dazu beisteuern? Unfreiwillig bekommt man dadurch eine kleine Lektion in der historischen Entwicklung des Storytelling in den letzten, sagen wir mal, 40 – 50 Jahren. Ein gewaltiger Graben tut sich hier auf und Nostalgiker werden an der etwas einfacheren Geschichte Nach Asgard für immer ihre echte Freude haben. Wann hat man es das letzte Mal erlebt, dass Thor seinem Vater Odin eine Kündigung für sein Gott- und Heldendasein ins Haus schicken möchte? Dem naiven und altmodischen Charme dieser Episode kann man sich nicht entziehen (auch wenn man eventuell froh ist, dass Stan Lee nicht mehr im Ganzen für Thor oder eine andere Serie bei Marvel zuständig ist).

Nach der kleinen Auflockerung beziehungsweise Bonusschlenker geht es dann erstmal dramatisch weiter, bis die Handlung plötzlich etwas zu sehr beschleunigt. Ab der Mitte ist das Gipfelkreuz erreicht. Ab da geht es zwar nicht steil, aber zumindest doch bergab. Die Zeit drängte offensichtlich und so rafft sich die Geschichte eindeutig zusammen. Als wäre sie mit Vollgas gegen des kommende Event The Siege gekracht. Ein Totalschaden konnte vermieden werden, aber man erkennt eindeutig die Knautschzonen. Es ist auch nicht einfach den Bremsvorgang einzuleiten, wenn die Geschichte gerade in voller Fahrt ist. Thor verbannt, Balder König und den Einflüsterungen Lokis ausgesetzt, die Asen als Flüchtlinge in Latveria aufgenommen, Mjolnir zerbrochen, die verschollene Lady Sif zurückgekehrt und Dr. Doom führt mal wieder nichts Gutes mit dem zwischen ihm und den Göttern getroffenen Arrangement im Schilde.

Jetzt hat man natürlich zwei Möglickeiten. Auf Straczynski meckern, der Angst hatte seinen Handlungsbogen nicht mehr zusammenhalten zu können im kommenden Event. Dem vielleicht auch die professionelle Ausdauer fehlte. Oder es bedauern, wenn derartige Ereignisse die Kreativität aufsaugen, wie ein Schwarzes Loch und alles nach Linie ausrichten. Hier soll die letztere Ansicht weiterverfolgt werden, denn Thor Paperback 3: Triumph zeigt, dass der Autor durchaus die Nebenstränge aus den sich aufbauenden Ereignissen (Dark Reign unter anderem) zu nutzen wusste. Vielleicht nicht im exorbitanten Maßstab, jedoch geschickt genug, um die vertrackte Situation mit Thors zurückgekehrten Großvater auf die Spitze zu treiben. Und auch Captain Americas Tod fand im letzten Band eine schöne, wenn auch vielleicht etwas kitschige, Reminiszenz, die die Bedeutung dieser Entwicklung noch einmal schön hervorhob. Man kann Straczynski also durchaus unterstellen, dass er die kommenden Verwicklungen in der gehörigen Weise in seinen Handlungsfaden hätte mit einbauen können.

Aber – und dies bleibt die Frage als Kreativer – will man wirklich seine Vision von etwas dadurch verwässern lassen, weil ein paar „Architekten“ meinen, es täte gut mal eben Asgard von einer bösen Variante von S.H.I.E.L.D. belagern zu lassen? Ein Asgard wohlgemerkt, für das sich Marvel vor dem Run von Straczynski eigentlich nicht sonderlich interessierte, denn die Auflage von Thor war nicht so überschwänglich um diesen Schritt zu rechtfertigen. Ironie des Schicksals, dass wohl erst dank Straczynski Erfolg bei seiner „Thor-Neuinterpretation“ die Möglichkeit von The Siege auf dem Radar der Verantwortlichen auftauchte. Für einen kurzen Auflagen-Boost wurde eine hervorragende Geschichte mit viel zukünftigem Potential einfach aufgedröselt und die Konsequenz in Kauf genommen, dass ein passender Autor den Hut nahm. Hätte man nicht etwas anderes zum Belagern gefunden?

Den „Scherbenhaufen“ mussten dann andere auflesen. Wobei einerseits der Übergang relativ geordnet war und andererseits der/die Nachfolger (Kieron Gillen) aus den losen Enden einige interessante Entwicklungen herausgekitzelt hat/haben. Wie es mit J. Michael Straczynski gewesen wäre, wird man sich aber immer wieder fragen dürfen. Ein Wehmutstropfen, dem niemals eine Auflösung vergönnt sein wird. Deshalb wird man mal schauen, ob die Thor Paperback-Reihe jetzt insgesamt abgewickelt wird oder Panini zumindest den Handlungsbogen abschließt, der noch bis Thor 9 - Pakt mit dem Teufel lief.

Ein abschließendes Wort zu den beteiligten Zeichnern. Ein wunderbarer Olivier Coipel beweist wieder, wie gut sein Zeichenstil zum Gott des Donners passt, auch wenn die vorherigen Bände seinem Talent mehr Raum ließen. Marko Djurdjevic ist ebenfalls keine schlechte Wahl auch wenn manche seiner sonstigen Zeichnungen auch schon besser aussahen. Vielleicht liegt es an den Tuschern, vielleicht an dem Eindruck Djurdjevic hätte nie genug Platz auf seinen Seiten und nutze den Raum nicht gut aus. Er rückt den Protagonisten zu sehr auf die Pelle. David Aja kommt mit seinen eher schlichter gehaltenen Zeichnungen aus einer ganz anderen Ecke, doch an seiner stimmungsvollen Nutzung von Schwarzflächen erkennt man auch hier geschickte Hände am Werk. Er verleiht seinem Thor ein klassisches aber dennoch modernes Flair, ganz im Dienste der von Stan Lee erdachten Geschichte. Da hätte die Episode auch gerne länger sein können.


Fazit:
Egal wie man zum Autor steht, mit seiner Geschichte um Thor den Donnergott hat er wirklich etwas Besonderes geschaffen. Schade nur, wenn auf den letzten Metern plötzlich die Hast obsiegt, obwohl eigentlich Nachfolger bereit stehen, die den Faden wieder aufnehmen. So wird das feine Erzählgespinst des Beginns zum Ende hin gröber und verliert die feinen Zwischentöne, die die Charaktere erst so richtig hervorhoben und über ihr übliches Schema hinaustrugen. Für gute Unterhaltung ist gesorgt, ein  runder Abschluss sieht allerdings anders aus.


Thor Paperback 3: Triumph - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Thor Paperback 3: Triumph

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 14,95

ISBN 13:
978-3-86201-233-6

156 Seiten

Positiv aufgefallen
  • eine Thor-Serie in unvergleichlicher Form
  • Loki und Dr. Doom als Antagonisten, Herz was willst du mehr
  • Olivier Coipel, auch wenn im letzten Band stärker
  • nostalgische Geschichte von Stan Lee
Negativ aufgefallen
  • Stan Lees Geschichte recht naiv
  • Abschluss wirkt überhastet
  • kein Finale vom "großen Meister"
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Rezension vom: 15.10.2011
Kategorie: Thor
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