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Comic-Besprechung - Schönes neues Jahr

Geschichten:
Noir
Autor: Baru
Zeichner: Baru
Übersetzer: Uwe Löhmann


Story:
Es ist Sylvester 2016. Die französischen Städte wurden abgeriegelt, eingemauert. Die Menschen der Vorstädte sollen nie wieder in die Innenstädte vordringen und diese zu einem Kriegsgebiet machen. In den Vorstädten herrscht Armut, Benzin, Kondome, einfach alles ist rar geworden, denn die Ressourcen wurden gleichsam in den Städten eingemauert. Die Menschen in den Vorstädten haben keine Arbeit, sind zumeist mit Migrationshintergrund behaftet und versuchen sich gerade einmal so über dem Wasser zu halten. Die Jugend versucht an Sylvester zumindest ein kleines bisschen Spaß zu haben...

Sylvester 2047 hat die Lage nicht verbessert, ganz im Gegenteil. Um an ein paar wenige Ressourcen zu kommen, müssen sich die Jugendlichen durch Tunnel zwängen, um in die Stadt zu kommen. Und dort erwartet sie dann doch nur Gefängnis.

Irland. Der Produzent der „Vogues“ hatte die geniale Idee die Band ihre neueste CD auf heimischem Boden aufnehmen zu lassen. Dumm nur, dass das Aufnahmestudio in Katholikenland liegt und die Band aus Protestanten besteht. Eine unheilvolle Zusammenstellung in Irland. Und dann verliebt sich auch noch eine katholische Irin in den Leadsänger der Band...

Meinung:
War es Ironie des Schicksals, oder simple Vorhersehung. Zu dem Zeitpunkt, zu dem diese Rezension entsteht, hat gerade ein Attentäter in Toulouse etliche Menschen ermordet, hat sich ein heftiges Feuergefecht mit der französischen Spezialeinheit RAID geliefert und wurde dabei erschossen. Und der französische Präsident Sarkozy fordert ein Gesetz, das den regelmäßigen Besuch fundamentalistischer Websites unter Strafe stellt. Das sind sogar noch schrillere Töne, als sie seine Mitbewerberin Marine Le Pen von der rechtsextremen Partei Front National hervor bringt.

Betrachten wir das Szenario, das Baru in diesem Comic beschreibt, so ist das erstaunlicherweise nur wenig entfernt von der Realität und dabei sind seine Geschichten bereits mehr als zehn Jahre alt. Inspiriert wurde Baru durch „Brave New World“ von Aldous Huxley, einer düsteren Zukunftsvision, die wohl so gut wie jeder Schüler schon einmal gelesen haben wird. Und Baru hat eine Geschichte daraus gemacht, die zunächst erschreckend und realistisch wirkt. Was sicher auch daran liegt, dass Frankreich eben nicht das Wunderland in Bezug auf Integration ist. Auch wenn sicher sehr viele Menschen in den Städten des Landes zu sehen sind, die aus den ehemaligen Kolonien des Landes kommen. Aber es kommt immer wieder zu Rassenunruhen in den Vorstädten. Dort, wo die sozialen Brennpunkte liegen.

Das Szenario fasziniert ohne Frage. Doch können es auch die Geschichten, die er daraus gestrickt hat? Das Fazit fällt zwiegespalten aus. Sicherlich ist Baru ein begnadeter Erzähler, der seine Leser in die Geschichten hinein zu ziehen in der Lage ist. Und in der Tat kann man den Band nicht einfach weglegen, will weiterlesen. Das steht auf der positiven Seite. Auf der negativen Seite steht allerdings, dass er zu sehr auf Klischees abzielt und dabei das Potential der Geschichte vermutlich nur zu 20 Prozent ausreizt.

Da sind die Menschen, die innerhalb der Mauern leben. Sie bleiben blass, an einer Stelle einfach nur habgierig. Und ansonsten sieht man fast nur Sicherheitskräfte, die dem Klischee des Nazis sehr nahe kommen. Ähnlich eindimensional geben sich aber auch die Jugendlichen, die letztendlich nur ein wahres Thema kennen: Sex und Kondome. Beide Geschichten drehen sich um dieses Thema. Wie bekomme ich Kondome? Warum sind sie nicht in den Vorstädten zu bekommen? Und wie komme ich dennoch dran? Letztendlich ist das sehr wenig, um Barus Geschichten mit denen von Aldous Huxley auch nur annähernd vergleichen zu können. Insgesamt ist das sehr schade.

Dennoch - und das muss man zur Ehrenrettung Barus einfach einmal sagen - selbst wenn er eindimensional ist, ist Baru immernoch ein deutlich besserer Autor, als so mancher Serienspezialist, der nur sein Programm abspult. Denn letztendlich hat sich Baru auch in dieser Eindimensionalität etwas gedacht. Insgesamt sind die Geschichten eine mehr als überspitzte Sozialkritik und zwar gerichtet an alle Bevölkerungsschichten. Vielleicht war es dafür sogar nötig eindimensional zu bleiben. Das kann an dieser Stelle aber nicht abschließend geklärt werden. Es bleibt wie gesagt ein zwiespältiges Gefühl zurück.

Deutlich aufgewertet hingegen wird der Band durch die Geschichte der Rockband in Irland. Hier spielt Baru das Potential der Vorlage - es handelt sich freilich um Romeo und Julia - voll aus und transportiert diese Geschichte in die Neuzeit. Wären die beiden Geschichten, die in Frankreich spielen ähnlich gut gewesen, hätte hier die Klassiker-Bewertung fallen müssen.

Zeichnerisch gesehen sind Barus Comics sowieso immer eine Augenweide, denn kaum ein anderer Zeichner in Frankreich schafft es mit einem so schönen lockeren Strich die Gefühle seiner Protagonisten derart ergreifend herüber zu bringen. Baru macht einfach Spaß an dieser Stelle.

Die Aufarbeitung der Edition 52 ist einmal mehr lobenswert. Zwei Vorworte, ein sehr schöner Einband und dickes Papier, das gut in der Hand liegt. Sehr fein gemacht.

Fazit:
Baru hätte aus dem vorliegenden Szenario sehr viel mehr machen können, aber die enthaltene Sozialkritik wird durch seine Simplifizierung sehr deutlic. Selbst in dieser Form kann dieser Comic faszinieren und alleine die dritte Kurzgeschichte wiegt den Kauf allemal wieder auf. Reinschauen sollte man also allemal und wenns gefällt zugreifen.

Schönes neues Jahr - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Schönes neues Jahr

Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Verlag:
Edition 52

Preis:
€ 15,00

ISBN 13:
978-3-935229-89-0

144 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Interessantes Szenario
  • Schöne Zeichnungen
  • Sehr gute dritte Geschichte
Negativ aufgefallen
  • Die ersten beiden Geschichten sind zu eindimensional
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 24.03.2012
Kategorie: One Shots
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