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Comic-Besprechung - Ogregod 2: Ohne Zukunft

Geschichten:
Ogregod, volume 2
Szenario:
Alejandro Jodorowsky
Zeichner: Zoran Janjetov




Story:
Was würde man am liebsten auf eine einsame Insel mitnehmen? Acht verzogene Kinder aus „gutem“ Hause, die alle Nase lang vergessen, dass du ihnen immer wieder das Leben rettest? Wohl eher nicht. Der Vierfüssler Zeland kann sich allerdings nicht aussuchen, was er mitnimmt. Er ist mit dieser selbstsüchtigen und unbelehrbaren Bande bruchgelandet und muss jetzt als ihr Haus- und Hofsklave ihre Launen ertragen. Da wünscht man sich doch gleich nach Hause, wo gerade die eigene Familie eine Revolution vom Zaun bricht und das brutale Militärregime auch ohne die Galaxie des Ogregod mächtig ins Wanken gerät.


Meinung:
Es ist kein Abenteuerspielplatz auf dem sich die Abkömmlinge der angesehenen Familien des Militärregimes befinden. Nicht bloß ihr eigenes Schicksal hängt von ihren Taten ab, sondern das ihrer ganzen Galaxie, selbst wenn ihnen dies nicht bewusst sein sollte.

Im ersten Band war der Vierfüssler Zeland der Hauptbegleiter des Lesers. Durch ihn lernte man die fremdartige Welt in Ogregod kennen und wurde sich der Unterdrückung durch das Militärregime mehr als bewusst. So startet auch Band 2, weicht dann aber rasch von dieser Perspektive ab und nimmt einen höheren Beobachtungsposten ein.

Die eigentlichen Hauptfiguren treten dadurch – vermutlich teils unabsichtlich – erheblich in den Hintergrund. Während auf ihrer Heimatwelt Revolten ausbrechen, und eine Wandlung von innen heraus alles auf den Kopf stellt, zwingt den Jugendlichen lediglich die Außenwelt Veränderungen auf, sie selbst gehen dagegen charakterlich immer wieder auf Los (ohne dabei 2000 Euro einziehen). Das ist beim Lesen nicht bloß verwunderlich, sondern nahezu ärgerlich, wenn sie, entgegen immer wieder erneuerter Beteuerungen, gegenüber Zeland immer wieder in ihre alten Rollen verfallen. Gewollt? Bei einem Autoren wie Jodorowsky möchte man schon reflexhaft JA sagen. Allerdings kippt damit einiges an Dramaturgie in Ogregod und man fragt sich schon, ob das im Sinne des Comics ist.

Hinzu kommt, dass Jodorowsky die Figuren im Sinne eines Holzschnittes entwirft und ihnen mit scheinbar unüberlegten Schlägen recht grobe Charakterkonturen verpasst. Erwise fällt ins Wasser – Niphan rettet sie – große Liebe, Zungenkuss. Fehlt bloß noch, dass Erwise sagt: Ups, jetzt bin ich schwanger. Manchmal hängt einem Jodorowskys metaphysisches und transzendentales Geblubber ja schon zu den Ohren heraus. Kaum lässt er es weg, vermisst man bei ihm allerdings eine gewisse Tiefe. Oder es hat sich diesmal einfach nicht der AHA-Effekt eingestellt und die postmoderne Dekonstruktion atypischer Gesellschafts-Utopien aufgrund sich destabilisierender politischer Beziehungsgeflechte im Sub-Genre der Science Fiction ist total an einem vorbei gegangen. So what?

Stünden wenigstens verständliche Motivationen hinter den Charakteren. Aber während man den Aufstand auf der Heimatwelt mit jeder Pore nachfühlen kann, obwohl man die Figuren gerade so kennt, wundert man sich immer wieder aufs Neue über Zeland anscheinend maßlose Geduld. „Ich rette euer Leben und ihr seit zu blöd es zu merken und zu undankbar es anzuerkennen. Dann leckts mi doch am Orsch. Geh ich halt mit meinem Leucht-Sudoku-Zauber alleine weiter und schaue zu, wie euch die Riesenschildkröte frisst.“ Einzig vernünftige Reaktion in dieser Lage. Ich öle doch nicht auch noch den Stock der mich schlägt.

Wie es ausschaut, wird die Geschichte in Ogregod auch bald abgewickelt. Jedenfalls fühlt es sich stark nach Ende an, obwohl ja irgendwie bisher nicht wirklich viel passiert ist. Statt im zweiten Band abzuheben, hat sich die Flughöhe in Ogregod auf Mittelmäßigkeit eingependelt. Überhaupt, wo bleibt der Antrieb, wenn die unterdrückte Welt befreit ist und die Jugendlichen zwar beobachtet, ihre Handlungen aber keinen Einfluss mehr auf das aktuelle Geschehen haben? Jodorowsky bewegt sich hier ohne Not in eine kleine Sackgasse, die er ebenso wie andere Autoren dies auch tun, damit zu lösen versucht, indem er eine neue Bedrohung einführt. Gegen ein diktatorisches Regime und quasi allmächtige Wesen aus einem anderen Universum nimmt sich diese jedoch ziemlich mickrig aus.

Wo bleibt bei all dem aber die Geschichte, die mich packen und mitreißen soll? Welche überhaupt? Revolte auf der einen, Planetenabenteuer auf der anderen Seite würden vermutlich wunderbar separat funktionieren, zusammen rauben sie sich allerdings gegenseitig die Luft zum Atmen. Robinsonade oder Space Opera? Recht unentschlossen von Jodorowsky angelegt. Da Zelands Perspektive als Aufhänger für die Geschichte zur Nebensache wird, gibt es keinen Grund sich mit den nervigen und weiterhin unsympathischen Blagen rumzuärgern. In der Heimat passieren viel spannendere Sachen und dort wurden die Charaktere gerade einmal so grob eingeführt. Und vielleicht eine Ebene höher, was ist die Moral von der Geschicht? Diktaturen sind blöd. Na, das ist ja mal eine ganz neue Sichtweise.

Nichts Halbes, nichts Ganzes. Das Eckige, das einfach nicht ins Runde will. Die Verkreisung des Quadrats. Man kann es also drehen und wenden, wie man will, die nicht unbedingt auf Athletenbeinen gebaute Handlung knickt in Ogregod 2 weiter ein. Ein Ende scheint in Sicht, obwohl doch gerade erst mit dem Erzählen begonnen wurde. Jodorowsky ist ja eigentlich für vielschichtige Geschichten bekannt, hier hält er den Ball aber erstaunlich flach.


Fazit:
Ohne Zukunft ruht sich auf dem Status des letzten Bandes aus. Jedenfalls was die Figurenentwicklung der Jugendlichen angeht. Während auf ihrer Heimatwelt der Bär steppt, kommen sie nicht aus dem Schwung. Und wo die Motivation bei der Geschichte fehlt, fehlt sie auch recht schnell beim Leser. Gerade wenn man in Band 2 das starke Gefühl bekommt, dass die Serie für mehr als einen weiteren dritten Band nicht viel mehr hergibt.


Ogregod 2: Ohne Zukunft - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ogregod 2: Ohne Zukunft

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Egmont Comic Collection

Preis:
€ 13,99

ISBN 13:
978-3-7704-3576-0

56 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Revolution!!!!
Negativ aufgefallen
  • die verdammten Blagen regen einen echt auf
  • das Spannende passiert ganz woanders
  • Figuren, wie Pappkameraden mit Rückstellknopf
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Rezension vom: 09.10.2012
Kategorie: Ogregod
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