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Comic-Besprechung - The Long Tomorrow

Geschichten:
The Long Tomorrow
Autor:
Dan O’Bannon
Zeichner: Moebius

Rock City
Das Universum ist ein Dorf
Rotbart und der Hirnpirat
Das Artefakt
Autor/Zeichner:
Moebius

Anflug auf Centauri
Autor:
Philippe Druillet
Zeichner: Moebius

Variation Nr. 4070 über „das“ Thema
Autor/Zeichner:
Moebius

Story:
Ein Privatdetektiv ermittelt in einer Stadt, die nur aus Straßenschluchten zu bestehen scheint. Ein fremder Planet wird erkundet und die Bekanntschaft mit alten Bekannten gemacht. Die Crew eines Raumschiffs findet sich in einer fremdartigen Festung wieder und ein Raumpilot bricht in einen Albtraum des Hyperraums ein. Ein Ausflug in die Science Fiction mit teils komischem, teils bedeutungsschwangeren Anklang. Es sind aber die Bilderwelten, die die Geschichten erzählen und in unsere Zukunft entführen.


Meinung:
Es beginnt mit dem Blick in den Abgrund einer Stadt. Endlose Straßenschluchten tun sich auf Und mittendrin der Privatdetektiv Pete Club, dem in klassischer Film-Noir Manier ein Auftrag angetragen wird. Nicht von ungefähr kommen einem diese Passagen – zumindest denen, die die Science Fiction nicht verschlafen haben – sehr vertraut vor. Die einleitende Geschichte des Bandes The Long Tomorrow ist ein Überbleibsel aus der Zusammenarbeit zwischen Dan O’Bannon (Alien) und Moebius der geplanten Verfilmung von Dune – Der Wüstenplanet mit Alejandro Jodorowsky. Der Kinofilm sollte scheitern, aber die kurze von Dan O’Bannon erdachte und letztlich von Moebius zeichnerisch ausgeführte Kurzgeschichte der visuelle Geburtshelfer für DEN Klassiker der Science Fiction-Filme werden: Blade Runner. Das sie daneben auch Das fünfte Element maßgeblich beeinflusste, ist da schon fast eine Randnotiz.

Die Geschichte selbst ist für die Verhältnisse von Moebius beinahe schon geradlinig erzählt, was daran liegen mag, dass nicht er selbst für sie verantwortlich war. Vor wilden Ideen schreckt allerdings auch sie nicht zurück, doch es ist eindeutig die graphische Ebene, die einen mit ihrem Reichtum und ihrer Tiefe gänzlich für sich einnimmt. Heute mögen sie so selbstverständlich sein, sind sie doch längst in das kulturelle Gedächtnis gewandert. Für die damalige Zeit jedoch – die Geschichte entstand 1975 – waren dies ganz neue Vorstellungswelten, die viele andere inspirieren sollten. Insbesondere eine Szene erinnert sehr stark an eine Sequenz aus Paolo Eleuteri Serpieris Druuna-Serie und auch bei vielen weiteren würde man sicher fündig werden.

Das Thema Science Fiction setzt sich in The Long Tomorrow unbeirrbar fort. Rock City war eine Auftragsarbeit für Métal Hurlant zum Thema Rockmusik, die Moebius gänzlich ohne text oder Soundeffekte anfertigte. Inhaltlich bewegt sich der Künstler mal wieder auf wenig durchschaubaren Sphären. Günstigerweise wurde The Long Tomorrow, ebenso wie viele andere Bände der neuen Moebius-Collection mit einem ausführlichen Vorwort von Moebius selbst beehrt, was einem den Zugang zu seinen Geschichten etwas erleichtert. Rock City verdeutlicht beispielsweise, wie die Rockmusik ihre eigene Mikrogesellschaft begründet, die schnell zu einem Gefängnis werden kann – manches wird man dem Meister einfach glauben müssen.

Etwas bodenständiger geben sich dann (vielleicht bis auf Rotbart und der Hinrpirat) die folgenden Kurzgeschichten, von denen insbesondere Das Artefakt eine unerwartete und komische Wendung nimmt. Überhaupt sind fast alle der versammelten Geschichten mit einem Augenzwinkern zu nehmen. Mit seinem Stift mag Moebius den Leser in die Welten der Science Fiction entführen, die Handlungen entwickeln sich jedoch zumeist zu Parodien und humorvollen Verneigungen vor dem Genre.

Dass es allerdings auch Ernst geht, zeigt Variation Nr. 4070 über „das“ Thema. Dort verarbeitet Moebius seine Sorgen zum (damals noch aktuelleren Thema) eines Atomkrieges. Auch am Ende aller Zeiten bleibt die Menschheit in ihren Ritualen und ihrer Technokratie gefangen. Für Moebius auf andere Weise ein Erkenntnisgewinn, der sich anscheinend große Gedanken beim Verfassen dieser Geschichte machte, aber keine Reaktion erzeugte. Mehr noch als damals sind Comics Werke der Zerstreuung und Unterhaltung, nicht der ernsthaften Auseinandersetzung mit einem Thema. Ein Umstand, der sich hoffentlich durch die verstärkte Vermarktung „ernsthafter“ Graphic Novels etwas umgekehrt hat. Trotzdem ein düsterer Abschluss des Bandes, der ohnehin etwas ernster ist, als seine Kollegen.

Auffällig ist, dass nicht alles von Moebius stammt, sondern er zum Beispiel Rotbart und der Hirnpirat mit GYR signierte. Die Wandlung von Jean Giraud zu Moebius war bei manchen der Geschichten wohl noch nicht vollständig vollzogen.


Fazit:
The Long Tomorrow hat mit die solideste Geschichtensammlung der Moebius-Collection aufzubieten. Science Fiction in der Tradition alter Meister ist das beherrschende Thema, aus dem Moebius wiederum Szenarien schafft, die selbst Hollywood inspirierten. Dabei schafft er den Spagat zwischen komisch und düster, der ihm nicht immer in so konsequenter Weise gelingt.


The Long Tomorrow - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

The Long Tomorrow

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Cross Cult

Preis:
€ 16,00

ISBN 13:
978-3-86425-127-6

56 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Moebius und die Science Fiction
  • inspirierte sogar Hollywood
  • teils sozialkritisch
  • mal wieder erhellendes Vorwort
Negativ aufgefallen
  • manche Episode eher fehl am Platze
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Rezension vom: 04.02.2013
Kategorie: Die Mbius Collection
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