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Comic-Besprechung - Marzi Band 2: 1989

Geschichten:

Marzi 2: 1989
Autor
: Marzena Sowa
Zeichner / Colorist: Sylvain Savoia



Story:
So langsam beginnt in Polen das politische Tauwetter und die Bevölkerung traut sich, immer offener gegen das kommunistische Regime vorzugehen. Die Solidarnosc organisiert landesweite Streiks und auch Marzis Vater engagiert sich. Was die Familie in Angst versetzt. Dennoch geht das Leben weiter und Marzi kann einige sehr glückliche Ferien auf dem Lande verbringen.

Meinung:

Schon der erste Teil der Erinnerungen der jungen gebürtigen Polin Marzena Sowa erregte großes Aufsehen und war ein Erfolg. Der zweite Band mit den autobiographischen Erzählungen von Marzena Sowa ist im Grunde aber keine Fortsetzung. Da schon der erste Band keine richtige stringente Dramaturgie besaß, kann man kaum von einer weiteren Verknüpfung der Handlungsfäden reden, welche eine Fortsetzung ausmacht. Eine Weiterführung ist der Band nur insofern, da er chronologisch fortschreitet und nun eben die Zeit des Runden Tisches in Polen beinhaltet und kurz vor dem Fall der Mauer endet. Die ganze Struktur des Bandes verhindert eine durchgehende Dramaturgie. Hier liegen nämlich Erinnerungsgeschichten vor. Sprich: jedes Kapitel beinhaltet eine autobiographische Episode. Und ist somit aufgebaut wie Erinnerungen generell. Man erinnert sich selten an das Große und Ganze, sondern nur an Episoden, an prägende, beispielhafte Szenen, aber nicht an das immer wiederkehrende. So bestehen Erinnerungen häufig aus dem Besonderen, was sie auch selbst so außergewöhnlich macht und den Menschen und seine individuelle Geschichte prägen.

Wobei die individuelle Geschichte nie von der eines Landes zu trennen ist, da man zwangsläufig von der jeweiligen Gesellschaft geprägt wird, die wiederum der Politik und der historischen Entwicklung unterworfen wird. Man kann also nicht dem entfliehen, was gemeinhin als Kind der Zeit umschrieben wird. Natürlich sind Autobiographien von Personen, die aktiv am Ändern der Zeit beteiligt sind, doch spannender, da man Informationen bekommt, die eine andere Sicht auf die Historie entwirft. Aber was dann eine Stärke ist, ist in anderer Hinsicht eine Schwäche. Denn man bekommt von dem Alltagsleben nichts mit und besitzt immer nur eine ungefähre Ahnung davon, wie die „normale“ Bevölkerung lebte. Marzi besitzt hier die Stärke. Natürlich bekommt das kleine Mädchen die Umwälzungen mit, auch wenn sie diese nicht richtig interpretieren kann, sondern eher emotional denn rational darauf reagiert. Was dann aber die Emotionen des Lesers umso mehr anspricht. Und wie sich die Umwälzungen auf den Alltag auswirkten, kommt hier gut zum Vorschein. Im Grunde bringt einem eine solche zwangsläufig sehr persönlich gefärbte Autobiographie die Mentalität der Polen sehr viel näher, als es jede völkerverbindende Veranstaltung hätte leisten können. Da sind nicht nur die Entwicklungen um die Solidarnosc, sondern auch wie das ewige In-der-Schlange-stehen die Menschen veränderte und die permanente Angst vor den Herrschenden, die sich nun langsam auflöst.

Schön ist die naiv anmutende graphische Ebene, indem sie kontinuierlich die kindliche Perspektive annimmt. So sind die Erwachsenen fast immer aus der Untersicht her zu sehen. Schließlich blickt ein Kind schon größenmäßig zu ihnen auf und eine horizontale Blickachse entsteht eigentlich nur, wenn Marzi mit Gleichaltrigen interagiert. Dieser kleine Kniff ist aber sehr geschickt und lässt den Leser nicht nur durch den Off-Kommentar die Perspektive einnehmen. Trotz der außergewöhnlichen Wirksamkeit sind die Bilder aber leider eben nur das: Bilder zu dem Off-Kommentar. So haben sie folglich kaum eine Eigenständigkeit.



Fazit:
Politische und private Szenen wechseln sich ab, wobei immer die Balance gehalten wird und nie die kindliche Perspektive verlassen wird. Das wird nie kindisch, sondern gibt einen informativen und unterhaltsamen Blick in das Alltagsleben und in die Mentalität der Polen während der Wendezeit.



Marzi Band 2: 1989 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Marzi Band 2: 1989

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 24,95

ISBN 10:
3862014681

ISBN 13:
978-3862014682

228 Seiten

Positiv aufgefallen
  • konsequent beibehaltene Perspektive eines Kindes
  • Mischung aus Politik und Privatem
  • Einblick in das Alltagsleben und Mentalität
Negativ aufgefallen
  • Zeichnungen sekundär zu dem Text
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Rezension vom: 10.04.2013
Kategorie: Marzi
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