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Comic-Besprechung - Love - Der Tiger

Geschichten:
LOVE - Le Tigre
Autor:
Frédéric Brrémaud
Zeichner: Federico Bertolucci

Story:
Eine Lichtung im Wald in der Nähe eines Wasserfalles. Der Tag beginnt und am Rande der Gischt erwacht ein majestätischer Tiger aus seinem Schlaf. Auf der Suche nach Beute durchstreift er den Dschungel und setzt sich an die Fährte eines Tapirs. Die Jagd beginnt und führt den Tiger quer durch den Dschungel, der im manches Mal Deckung bietet, aber auch anderen Raubtieren Gelegenheit gibt auf ihn Jagd zu machen. Währenddessen zeigt auch das Dickicht seine Fülle an Leben und verdeutlicht einmal mehr den Prozess des Werdens und Vergehens. Doch das interessiert den jagenden Tiger wenig, wenn er doch endlich seine Beute in die Fänge bekäme.


Meinung:
Animalisches verspricht das Cover. Rohe Kraft und tierische Anmut, wundervoll in Szene gesetzt von Federico Bertolucci. An dessen Zeichnungen man sich ungestört weiden kann, denn der Comic kommt gänzlich ohne Worte aus und erzählt seine Geschichte nur mit Bildern. Aber was heißt hier „nur“. Auch das ist eine Kunst die gelernt sein will, ebenso die Gabe überhaupt eine solche Geschichte zu schreiben und das auch noch im Tierreich, wo man schon kreativ sein muss, wenn man die üblichen Antropomorphismen vermeiden will. Etwas in den Hintergrund gerät dabei natürlich der Anteil von Frédéric Brrémaud, der vermutlich maßgeblich die Handlung beisteuerte und den man gerade bei dani books begrüßen kann, wo seine Serie Daffodil - Die Vampiragentin erscheint.

Aber zurück zu den Bildern, die diesen Band tragen. Da hat jemand wirklich sein Handwerk gelernt und wer genau hinschaut, wird auch wissen wo. Erst ein Studium bei der „Accademia di Belle Arti di Carrara“, dann Kurse bei der Disney-Akademie in Mailand. Und wer einmal an Disney hängt, der kommt so schnell nicht davon los und so begann auch hier nach Abschluss der Akademie eine weitere Zusammenarbeit. Und jetzt Love - Der Tiger in all seiner Pracht, dem man höchstens vorwerfen kann, dass man dem Zeichner wie bei einigen seiner Kollegen die Zeit bei Disney ansieht, was zwar für höchste Qualität steht, aber anscheinend immer etwas transportiert, was sich erst in der Zusammenarbeit mit dem großen Medienkonzern beim Zeichner entwickelt. So fällt einem auch bei Juanjo Guarnidos Blacksad bei aller Raffinesse seiner Zeichnungen der Touch von Disney auf.

Schlimm? Nein, ganz und gar nicht! Dafür bekommt man schließlich einiges geboten. Der in Aquarellfarben à la Photoshop gehaltene Dschungel wird lebendig. Tiere durchstreifen das Unterholz und vollführen den allgegenwärtigen Tanz des Jagens und Gejagtwerdens. Es wird nicht nur der Weg des Tigers verfolgt, sondern nebenbei das bunte Treiben drum herum in kurzen Abschnitten beleuchtet und so der Dschungel an sich zum Protagonisten des Bandes auserkoren.

Man will beim Lesen zwar nicht gerade „Circle of Life“ von Elton John anstimmen, aber im Kern erlebt man mit Love - Der Tiger genau das. Es beginnt mit dem Tiger, der auf einer Lichtung erwacht und auch gleich sein nächstes Beutetier auserkürt hat. Der Tapir merkt davon zunächst nichts, kann dem heranschleichenden Raubtier jedoch in letzter Sekunde entkommen. So beginnt für den Kronprinz des Dschungels die weitere Suche nach einer Mahlzeit, wobei er den Tapir nicht gänzlich von seinem Speiseplan streicht. Dabei streift der Tiger durch die urtümliche Szenerie und wird so manches Mal selbst zum Objekt des Interesses für andere Carnivoren. Seien es riesige Alligatoren oder hungrige Panther, die wie Schatten der Nacht die Verstecke des vor Leben dampfenden Dschungels nutzen.

Aufgrund des Mangels an Text liest sich Love - Der Tiger sehr flott. Man kommt aber nicht umhin, den Band immer wieder zur Hand zu nehmen und sich die Zeichnungen anzuschauen, um weitere Details in Ihnen zu entdecken. Und es lohnt sich wirklich die subtilen Spiele mit der Farbe zu bewundern oder die geschickte Verwendung von Unschärfen, die einen schon selbst zu einem Beutesucher werden lassen, der durch das Dickicht auf sein nächstes Opfer sinnt. So wird der Leser selbst Teil der üppigen Fauna des Waldes und begibt sich auf die Fährte des Tigers. Eine subtile Dreingabe, die sehr gut zu der Geschichte passt und ein wenig die manchmal fehlende Emotionalität ausgleicht, die einen sonst in eine Geschichte hineinzieht.

Etwa im Juli erscheint dann der nächste Band Love - Der Fuchs, den man sicherlich ebenso getrost und unbesehen seiner Sammlung einverleiben kann, wie dies bei Love - Der Tiger bereits der Fall ist. Nicht von ungefähr erhielt der aktuelle Band den Spezialpreis der Jury des Comic-Festivals in Lucca 2011. Ein  paar mehr Auszeichnungen hätten es für diese Arbeit aber durchaus sein können.

Die abschließenden Seiten zeigen dann einige Skizzen von Bertolucci, wo man nochmals seine Meisterschaft bewundern kann. Es wird auch deutlich, dass er dem ganzen Band durchaus einen noch realistischeren Touch hätte geben können, wenn gewollt. Und auch die in den Skizzen verwendeten echten Wasserfarben haben nochmal eine ganz andere Qualität.


Fazit:
Wer Arbeiten mag, die von hoher Qualität zeugen und versuchen eine Geschichte wirklich nur über Bilder zu erzählen, der sollte zu Love - Der Tiger aus dem Verlag Tokyopop greifen. Die Zeichnungen sind einfach wunderbar gestaltet und lassen einen auch über den gelegentlich fehlenden emotionalen Bezug hinwegsehen. Zum immer wieder anschauen und bewundern.


Love - Der Tiger - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Love - Der Tiger

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Tokyopop GmbH

Preis:
€ 14,95

ISBN 13:
978-3-8420-0795-6

73 Seiten

Positiv aufgefallen
  • wundervoll anzuschauende Zeichungen
  • Geschichte ohne Worte
  • stimmige Umsetzung
Negativ aufgefallen
  • leichter "Disney-Touch"
  • gelegentlich fehlt der emotionale Bezug
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Rezension vom: 16.07.2013
Kategorie: Alben
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