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Comic-Besprechung - Waputa, die Geierkralle

Geschichten:
Waputa, die Geierkralle
Der große Verrat und weitere Geschichten

Autor und Zeichner: Herbert Reschke

Es gibt Comics, die muss man erst einmal verarbeiten. Genauso verhält es sich mit "Waputa, die Geierkralle" von Herbert Reschke. Mitte der 50iger Jahre erschienen, verursacht die Story beim ersten Lesen viele Fragezeichen. Wie das Covermotiv und der Titel verraten handelt es sich bei Waputa um einen Western-Comic. Dabei wird aber lediglich die Handlung im Cowboy-und-Indianer Stil umgesetzt, die eigentliche Bedeutung des Inhalts fußt hingegen auf den innerdeutschen Konflikt seit Gründung der DDR und BRD. Der Autor verarbeitet mit hohem Satire-Anteil die damaligen Ereignisse und benutzt dabei den wilden Westen, um die Kritik quasi versteckt zu transportieren. Für den Leser von heute sind viele der hier handelnden Personen, auch aufgrund der veränderten Namensgebung, kaum bekannt oder wenigstens kaum wiederzuerkennen. Dadurch wirkt die Handlung zu Beginn ziemlich undurchsichtig. Die Sioux ziehen gegen Conny, den Skunk, in den Krieg, werden von den Kommantschen unterstützt und müssen sich immer wieder gegen die Attacken der Bonnantschen verteidigen. Soweit so gut. Zu mindestens bei letztgenannter Gruppierung ist klar, dass hiermit die bundesdeutschen Politiker in Bonn gemeint sind. Bei den restlichen Konfliktparteien muss hingegen schon mehr überlegt werden. Reschke macht es dem Leser jedoch nicht einfacher, indem er noch zahlreiche damalige Politiker in die Story mit einbezieht. Stellenweise können diese aufgrund markanter Gesichtszüge aber durchaus erkannt werden. Somit stellt Waputa aus heutiger Sicht ein großes "Wer bin ich?"-Spiel dar. Zur damaligen Zeit wurde dieses Versteckspiel aber sicherlich schnell durchschaut, was den Leser dann eine ziemlich offene Attacke gegen die Politik der BRD, gerade durch die Paktiererei mit den USA, bietet.

So gesehen ist Waputa also eine politische Satire auf Western-Basis, wobei der Handlungsort dazu geeignet ist, gerade gegen die USA mächtig auszuteilen. Bereits beim Lesen stellt man fest, dass nicht die eigentliche Handlung der Indianerkämpfe das wichtige an dieser Story ist, sondern dass vielmehr die Fußnoten des Autors den Charme dieser Veröffentlichung ausmachen. Reschke spricht hier des Öfteren den Leser direkt an, stellt Fragen und verteilt ordentliche symbolische Backpfeifen. Und genau hier liegt der Lesespaß dieses Comics. Die Handlung selber dient nur als Aufhänger zur Darstellung der damaligen Ereignisse. Western-Fans dürften folglich etwas enttäuscht sein, wobei Leser mit einem Faible für Satire und Gesellschaftskritik auch 60 Jahre nach der Veröffentlichung noch voll auf ihre Kosten kommen.

Der Holzhof Verlag druckt in diesem Band, begleitet von einigen redaktionellen Beiträgen, beide Kapitel der Serie ab, wobei der erste Teil in den 50iger Jahren angeordnet ist und der zweite Teil die Bundestagswahl von 1969 porträtiert. Bei letzterem greift der Autor auf die Vorstellung zurück, dass die Politik der BRD immer noch auf die alte Nazi-Vergangenheit fußt und die dortigen Politiker folglich auch keine Scheu zeigen mit dieser politischen Einstellung zu paktieren. Gerade hier merkt der Leser doch stark die Einflüsse des Kalten Krieges mit beiderseitigen Vorurteilen.

Grafisch überrascht die Veröffentlichung durch sehr komplexe Zeichnungen im Nick Knatterton Stil mit erklärenden Pfeilen und großen Soundwörtern. Auf Sprechblasen wird durchgängig verzichtet, stattdessen gibt es Bildunterschriften, die das Geschehen beschreiben und nur selten eine der handelnden Personen zu Wort kommen lassen. Darüber hinaus gibt es, wie im Western üblich, jede Menge Action. Überfälle, Schießereien und brenzlige Situationen, alles wird detailgetreu und mit einem Hang zur Übertreibung dargestellt. Optisch somit ein durchgängig gelungenes Werk.

Als Leser ist man folglich hin und her gerissen. Wie soll man diese Veröffentlichung einstufen? Wer mit den damaligen Ereignissen vertraut ist, dürfte einen Comic geboten bekommen, der vor Satire nur so sprüht und in unterhaltsamer Manier die bundesdeutsche Politik aufs Korn nimmt. Bewusst ohne direkt auf die Politik des Ostblocks einzugehen. Für alle jüngeren oder Politik-uninteressierten Leser dürfte Waputa kaum verständlich und lesenswert sein. Es sei denn, man lässt sich auf den direkten Ton Reschkes ein und versucht die dargestellte Handlung zeitgeschichtlich einzuordnen. Dann stellt dieser Band eine wirkliche Bereicherung dar.

Waputa, die Geierkralle - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Waputa, die Geierkralle

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Holzhof Verlag

Preis:
€ 15,00

ISBN 13:
978-3-939509-74-5

48 Seiten

Positiv aufgefallen
  • unterhaltsame politische Satire in Comicform
  • lange vergessenes Kleinod der DDR-Comicgeschichte
  • sehenswerte Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • aus heutiger Sicht schwieriger Einstieg in die Thematik
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 02.09.2013
Kategorie: One Shot
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