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Comic-Besprechung - Van Helsing vs. Jack the Ripper

Geschichten:
Aus dem Französischen „Van Helsing contre Jack l´eventreur
Autor: Jacques Lamontagne
Zeichner: Sinisa Radovic (1. Teil) und Bill Reinhold (2. Teil)  
Farben: Nadine Thomas

Das ausgehende 19. Jahrhundert muss wirklich eine geheimnisvolle Zeit gewesen sein. Die Städte waren überbevölkert, die Industrie machte mittels enormen schwarzen Rauchwolken auf sich aufmerksam und die Armut war in vielen Gegenden und Stadtvierteln offensichtlich. Anscheinend eine gute Szenerie für Geschichtenerzähler. Denn anders kann man es kaum erklären, warum bis heute derartig viele große Erzählungen diese Basis einnehmen oder von ihr beeinflusst sind.

Jacques Lamontagne bedient sich ebenfalls aus diesem Zeitraum und lässt mit van Helsing und dem Ripper zwei im Grunde genommen fiktive Personen aufeinandertreffen. Auch wenn Jack the Ripper wirklich seine Untaten begangen hat, ist er doch mittlerweile zur literarischen Person geworden, so viele Mythen, wie sich um diese Morde ranken.

Ein Vampirjäger gegen einen bestialischen Frauenmörder. Eine wirkliche Schnittmenge ist hier auf den ersten Blick nicht erkennbar, doch der Autor führt bei van Helsing ein paar kleine Änderungen an seiner Historie durch, wodurch dieser nun von den Strapazen in Transsilvanien ausgezerrt versucht in London ein ruhiges Leben zu führen. Der Schauplatz für dieses Aufeinandertreffen ist also gut gewählt. Der Doktor hilft auf Bitten der Polizei bei den Ermittlungen zu den Morden und ist immer einer der ersten, die mit Details zu den Taten versorgt werden bzw. den Tatort in Augenschein nehmen dürfen. Beim Ripper bleibt der Autor im Wesentlichen bei den bekannten Fakten. Er sucht sich die gleichen Frauen aus, entkommt immer unbekannt und geht nach demselben Schema vor. Lamontagne schildert die Morde aber nicht aus Sicht des Täters, wie es vor allem in der Ripper-Story schlechthin „From Hell“ geschieht, sondern er setzt den Fokus auf die Ermittlungen, also auf die Zeit nach dem Mord. So wird selbst der bestialische Mord an Marry Kelly nur beim Aufsuchen des Tatortes und bei der Beschreibung desselbigen für den Leser dargestellt. Man steht also vor den geschaffenen Fakten und muss nun in der Uniform eines Ermittlers den wenigen Spuren nachgehen.

Der Leser verfolgt die Kriminalarbeit mit einem wachen Auge und erkennt relativ schnell gewisse Ansätze, die zum wirklichen Ripper führen könnten. Gerade die Darstellung einer Theateraufführung zu „Dr. Jeckl und Mr. Hyde“ gibt dann den ausschlaggebenden Hinweis für die Person hinten den Morden. Doch der Autor setzt bewusst auch manche falsche Spur, was dem Leser, sofern er sich richtig in das Werk vertieft, mitunter in die Irre führt. Es gibt folglich, wie bei jedem guten Krimi, einige Ideen, wer der Täter sein kann, die schlussendliche Auflösung kommt dann aber gänzlich unerwartet.
Und genau hier macht der Autor aber einen Fehler, indem er die eigentlich offensichtlichste Fährte verwischt und auf den letzten Seiten noch einen anderen Mörder präsentiert. Wirklich schlüssig ist dies leider nicht. Hier versucht der Autor noch einmal mittels großen Knalls die ansonsten eher seichte Erzählung herumzureißen, was aber mangels glaubwürdiger Ansätze im bisherigen Storyverlauf nicht so richtig zündet. Bis dahin ähnelt die Handlung den bekannten Detektivgeschichten aus dieser Zeit. Van Helsing versprüht nur selten die Aura des Vampirjägers und spielt im überwiegenden Teil der Story einen normalen Mann mit guter Auffassungs- und Beobachtungsgabe. Dadurch fehlt leider der sicherlich erhoffte mystische Charakter der Geschichte, wodurch sich ein ganz weltlicher und bodenständiger Fall entwickelt.

Für die grafische Umsetzung zeigen sich Sinisa Radovic und Bill Reinhold verantwortlich. Letztgenannter dürfte einigen Lesern eventuell durch seine Arbeiten bei diversen Marvel-Superheldenserien bekannt sein. Dieser Stil findet sich hier aber nicht wieder. Reinhold arbeitet genau wie Radovic mit einer klaren geradlinigen Panelaufteilung und einer wenig experimentellen Darstellung der Ereignisse. Damit erfüllt die Grafik genau die Erwartungen an einem Kriminalfall mit dem bekannten Hintergrund. Die Zeichnungen beinhalten einige interessante Details und sind gerade bei Innendarstellungen, wenn es um Raumaufteilung und -einrichtung geht, ganz stark. Mitsamt der zurückhaltenden und eher matten Farbgebung ergibt dies eine gelungene Visualisierung der Story.

Das Aufeinandertreffen der beiden Figuren führt in diesem Band folglich zu einer kurzweiligen Story, deren Verlauf jedoch wenig Überraschungen beinhaltet und erst zum Schluss mit gleich zwei plötzlichen Richtungswechseln wirklich fesselt. Eventuell liegt dies am mittlerweile doch recht abgenutzten Mythos um Jack the Ripper, oder an dem wenig geheimnisvollen Image des Dr. van Helsing.
Dadurch sorgt dieser Comic für eine nette Abendunterhaltung, mehr ist leider aber nicht drin.


Van Helsing vs. Jack the Ripper - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Van Helsing vs. Jack the Ripper

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 19,80

ISBN 13:
978-3-95839-260-1

96 Seiten

Positiv aufgefallen
  • gelungenes Setting in London des ausgehenden 19. Jahrhunderts
  • akribische Detektivarbeit
Negativ aufgefallen
  • wenig Mystik und Grusel-Flair trotz zwei dafür berüchtigter Figuren
  • Auflösung beinah zu offensichtlich
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 10.03.2016
Kategorie: One Shots
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