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Comic-Besprechung - Fortmachen

Geschichten:
Fortmachen
Autor / Zeichner / Colorist: Nils Knoblich


Story:
DDR 1984. Die Familie Knoblich stellt einen Ausreiseantrag. Sie können das eingeengte Leben in der DDR nicht mehr ertragen. Doch nach dem Stellen des Antrages fangen die Schikanen des Staates gegen die Familie erst richtig an.


Meinung:
Fortmachen ist eine autobiographische Graphic Novel. Wobei mittlerweile gerade in Deutschland unter den einheimischen ZeichnerInnen und AutorInnen die Begriffe Graphic Novel und Autobiographie identisch zu sein scheinen. Kaum einer wagt sich einmal an eine fiktive Erzählung, sondern setzt auf historisch belegte Tatsachen oder eben auf die Geschichte seiner eigenen Familie, wobei natürlich auch hier Tatsachen den Rahmen vorgeben und dem Autoren wohl eine solide Basis geben, auf der man bauen kann. Aber ihn eben auch einengt, da er nichts dazu erfinden kann, sondern seinen Verwandten und sich selber und der künstlerischen Wahrheit verpflichtet bleibt. So ist die Grundtextur ein Korsett und oft zeigt  sich dann auch ein zu großer Respekt gegenüber seinem Thema und den Protagonisten gegenüber. Fatal wird es dann noch, wenn sich rausstellt, dass man eigentlich nichts zu erzählen hat.

Zumindest letzteres kann man Nils Knoblich nun nicht vorwerfen. In seiner Erzählung Fortmachen berichtet er von seinen Eltern die in der DDR lebten und letztlich einen Ausreiseantrag stellten. Sie sahen sich den Schikanen gegenüber welche der Staat daraufhin ausübte und die Mühlen der Bürokratie drohten sie immer mehr zu plätten. Letztlich gelang ihnen die Ausreise. Nur um mitzuerleben das sie sich viele Leiden hätten ersparen können, wenn sie nur ein bisschen gewartet hätten, denn wenige Monate später fiel die Mauer.  Ein sehr dramatischer Stoff der auch sehr spannend klingt.

Aber leider erfüllt er die Erwartungen nicht. Knoblich hält sich merkwürdigerweise an eine Art assoziatives Erzählen. In einer Rahmenhandlung, die nicht durchgängig beibehalten wird, besucht er seine Eltern, die ihm dann Episoden erzählen. Erinnerungen an sich sind schon sehr episodenhaft  und bilden kaum ein ganzes, sondern im Gedächtnis bleiben oft Szenen und Gelegenheiten die stellvertretend für etwas Allgemeines sind. Da liegt es in der Natur, dass Erinnerungen wenig stringent ablaufen und oft keine Dramaturgie besitzen. So gibt es leider auch in Fortmachen keine dramaturgische Spannung.

Dabei hätte das so einfach geschaffen werden können, indem man einfach chronologisch erzählt ohne den Erzählfluss durch Zeitsprünge aufzubrechen. So schadet es der Atmosphäre doch sehr weil immer wieder die Beklemmung des Alltagslebens in der DDR aufgehoben wird, da man in die zeitliche Realität springt. Es wäre schön gewesen in einer stetigen Spannungskurve aufzuzeigen inwiefern die Charaktere der Eltern durch die Erfahrungen und die Restriktionen geprägt worden sind und wie sie unter den Schikanen gelitten haben welche nach dem Bekunden des Ausreisewillens zugenommen haben. In diesen Aspekten merkt man leider das selbstauferlegte Korsett und die mangelnde Distanz sehr deutlich.
Obwohl alles letztlich doch deutlich zerfasert, gewährt Knoblich in den guten Szenen einen guten Blick in den Alltag und trotz fehlender Spannungskurven ist die Furcht der Bürger vor dem Staat greifbar geworden. Das vermag manchmal auch sehr zu bewegen und zu berühren und auch die sehr rudimentären Zeichnungen gewinnen da an Leben und man füllt selber die Lücken auf. Da wird dann deutlich, was man noch alles aus dem Buch hätte machen können, wenn man nicht auf der Hälfte stehen geblieben wäre.


Fazit:
Leider hält die autobiographische Graphic Novel nicht das, was sie verspricht. Die gewählte Struktur verhindert einen Spannungsbogen und so bleibt die Erzählung auf halber Strecke stehen.


Fortmachen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Fortmachen

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Edition Moderne

Preis:
€ 24,80

ISBN 10:
3037311649

ISBN 13:
978-3037311646

184 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Thema
  • Blick in den Alltag der DDR
Negativ aufgefallen
  • kein Spannungsbogen
  • zu viel Respekt vor Personen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 15.10.2017
Kategorie: Independent
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