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Comic-Besprechung - Der Dschungel

Geschichten:
Text und Zeichnungen: Kristina Gehrmann

Story:
Amerika am Ende des 19. Jahrhunderts. Schmelztiegel der Kulturen, Hoffnung für unzählige Einwanderer, Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber auch Hort des totalen Kapitalismus. Der Comic „Der Dschungel“ führt uns in diese hochexplosive Gesellschaft. Der 21-jährige Jurgis Rudkus aus Litauen reist im Sommer 1899 über New York in die vereinigten Staaten ein. Außer seiner Verlobten Ona hat er noch deren Familie mit dabei. Ihr erstes Ziel ist Chicago, dort haben sie einen Bekannten, der bereits erfolgreich ein Geschäft führt. Oberflächlich scheint auch alles zunächst glatt zu laufen. Schnell finden die Famielienmitglieder Arbeit und auch ein Haus, in dem die ganze Familie Platz hat, rückt in greifbare Nähe. Alles scheint gut – der Optimismus der Familie kennt keine Grenzen. Doch das System, das in der Neuen Welt vorherrscht, setzt darauf, die Einwanderer auszubeuten. Diese Erkenntnis setzt sich auch bei Jurgis und seinen Leuten nach und nach durch. Jeder in der Familie versucht seinen eigenen Weg zu finden: sei es durch Sparsamkeit, Fleiß oder Verkauf der Ideale. In zunehmendem Maße geraten die Protagonisten zwischen die Mühlsteine des totalen Kapitalismus.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Nach ihrer Trilogie „Im Eisland“, wendet sie Kristina Gehrmann wieder einem historischen Stoff zu. Grundlage des Comics ist der Roman von Upton Sinclair. Um es vorweg zu nehmen: Selten habe ich einen so deprimierenden und dabei gleichzeitig so mitreißenden Comic gelesen. Gehrmann gelingt es die düsteren Bilder, die Sinclair in seinem Roman schildert, überzeugend graphisch umzusetzen.
Der sozialkritische Roman „Der Dschungel“ erschien 1905 und machte den 1878 in Baltimore geborenen Schriftsteller berühmt. In ihm schildert er den wirtschaftlichen Niedergang von Jurgis Rudkus, der als Einwanderer in die neue Welt kommt. Der Roman Sinclairs wurde weniger deshalb ein großer Erfolg, weil er schon fast journalistisch die Lebensbedingungen der Arbeiter darstellte, sondern vielmehr, weil er einen pamphlethaften Stil an den Tag legt. Sein Roman ist eine einzige Anklageschrift. Gehrmann greift dieses Ansinnen in ihrer Adaption geschickt auf. Und sie hat noch eine weitere Möglichkeit. Denn da, wo Sinclair dunkle, trübe Atmosphäre, Desillusion in den Blicken und Ausweglosigkeit beschreiben muss, kann Gehrmann sie zeichnerisch darstellen und greifbarer machen. Es gelingt ihr die dichte Atmosphäre der Romanvorlage aufzugreifen. War sie in ihrem vorherigen Werk lediglich Beobachterin, die wiedergibt, so ist sie in „Der Dschungel“ durch die Panels selbst zur Anklägerin geworden. Blicke, Bewegungen und Gesten zeugen von der enttäuschten Hoffnung, die Arbeiter aus der Düngerfabrik sehen so schmutzig aus, dass der Betrachter ihren abartigen Geruch wahrnimmt. 
Dabei hält sich Gehrmann nicht zu 100 Prozent an der Romanvorlage. Im Roman verlieren Jurgis Frau und auch sein Kind jeweils unter dramatischen Geschehnissen ihr Leben. Bei Gehrmann dürfen sie weiterleben. Das und das Ende des Comics geben dem gesamten werk am Ende einen Ausklang, der zumindest eine positive Aussicht behält. Denn am Ende trifft der Protagonist eben auf Upton Sinclair, der gerade dabei ist, für seinen Roman „Der Dschungel“ zu recherchieren. Eingedenk der Tatsache, dass die Veröffentlichung des Romans 1905 auch ein parlamentarisches Nachspiel hatte, in dessen Folge die Lebensmittelüberwachung verschärft und die Arbeitsbedingungen leicht verbessert wurden, bleibt ein Hoffnungsschimmer.
Unter diesem Aspekt ist es vermutlich kein Zufall, dass die Künstlerin das Einwandererthema gerade jetzt gewählt hat. Zwar sind die vergleiche mit den aktuellen Lebensverhältnissen kaum vergleichbar, aber Gehrmann liefert eine Parabel, die mindestens ein paar Denkanstöße bedeuten sollte.



Fazit:
Sozialkritische Comicliteratur, die fasziniert. Ein Comicband, der vor allem in den Schulunterricht aufgenommen werden sollte. Gehrmann fasst den Sinclair-Roman in eindringliche Bilder und liefert so eine zutiefst deprimierende Gesellschaftsanalyse mit einem leichten Hoffnungsschimmer und zeigt, dass das Werk von 1905 immer noch brandaktuell ist.



Der Dschungel - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Der Dschungel

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 28

ISBN 13:
978-3-551-71438-1

384 Seiten

Positiv aufgefallen
  • emotionale Bildsprache
  • parabelhafte Sozialkritik
  • gelungene Adaption
Negativ aufgefallen
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Bewertung:
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Rezension vom: 24.04.2018
Kategorie: Alben
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