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Comic-Besprechung - Alexander Nikopol - Die Nikopol-Trilogie

Geschichten:
Autor, Zeichner und Farben: Enkil Bilal

Story:
Alexander Nikopol, der im Jahr 1993 aufgrund seiner Desertation zur Strafe lebenslang in das All verbannt wurde, wovon er 20 Jahre im Kälteschlaf verbringen sollte, kommt nun, 30 Jahre später wieder auf die Erde zurück. Er erwacht und erkennt die Welt nicht mehr: Einst noch ein Deserteur im Krieg zwischen Frankreich und der Chinesisch-russischen Allianz, befindet er sich nun in einer Welt, die bereits zwei  Atomkriege überstanden hat und von deren Folgen geprägt ist. Das Paris des Jahres 2023, in dem sich Nikopol wiederfindet, ist ein faschistischer Stadtstaat. Aufgeteilt in zwei Bezirke stellen die Männer des Regierungsbezirks die privilegierte Schicht dar. Frauen dienen nur noch als Geburtsmaschinen. Und in dem zweiten Bezirk, dem Außenbezirk, leben die Armen, Mutanten und Verstoßenen. Und über all dem Moloch kreist ein Raumschiff mit ägyptischen Göttern, die Treibstoff brauchen, und von denen einer gegen alle anderen aufbegehrt.

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Die Inhaltswiedergabe von oben reist nur einen Teil der Geschichte dieser Gesamtausgabe von Enki Bilals Trilogie über Alexander Nikopol an. Es ist nicht möglich hier den Inhalt so wiederzugeben ohne enorm zu spoilern und den vermeintlichen Lesern den Spaß an dieser irrwitzigen, intelligenten genialen Geschichte zu nehmen, und das obwohl das erste Album bereits 38 Jahre alt ist und der Abschluss der Trilogie 1992 in Frankreich erschien. Bilals Geschichte scheint zeitlos zu sein und weiß auch heute noch zu begeistern.
Doch wie kommt es, dass Carlsen jetzt erst eine Gesamtausgabe bringt? Gab es dieses fantastische Stück Comicgeschichte etwa noch nicht in deutschen Landen? Weit gefehlt. Bilals „Nikopol“-Trilogie scheint eine ebenso irrwitzige Veröffentlichungsgeschichte hinter sich zu haben, wie Alexander selbst eine Odyssee durchlebt. Wurde die erste Geschichte noch in Schwermetall veröffentlicht, bevor sie vom Volksverlag in Albenform erschien, wanderten dann die Rechte Ende der 80er Jahre erstmals zum Carlsen Verlag, der dann die ersten beiden Geschichten veröffentlichte. Dann, im Jahr 1993, veröffentlichte der Ehapa Verlag den dritten Teil der Trilogie - „Äquatorkälte“ - bevor eine Gesamtausgabe im Schuber 1996 erschien. Und nun, 22 Jahre später, ist Alexander Nikopol wieder beim Carlsen Verlag angekommen, man könnte fast meinen, heimgekehrt und wurde in einer Gesamtausgabe veröffentlicht.
Diese vereint in einem übergroßen hochwertigen Hardcover alle drei Alben Bilals und wurde zusätzlich noch um Zeichnungen aus dessen „Bleu Sang“ angereichert, die die Liebesgeschichte um Alexander Nikopol und Jill Bioskop ergänzen. Darüber hinaus gibt es für die zu Buche schlagenden 40 Euro ein Vorwort des Autors/Zeichners und einen zweiseitigen (,fiktiven) Zeitungsausschnitt, der die zweite Geschichte/ das zweite Album wundervoll abrundet. Als kleiner Tipp sei hierzu noch vermerkt, dass der Zeitungsausschnitt ganz am Anfang der Ausgabe beigelegt ist, aber erst nach dem Ende der zweiten Geschichte gelesen werden sollte.

Doch was macht diese Trilogie so besonders, so zeitlos ohne zu viel zu spoilern?
Während die erste Geschichte noch reichlich fantastisch daher kommt, mit Nikopol aber einen doch recht klassischen Helden wider Willen aufweist, durchziehen vor allem die 2. Geschichte politische Elemente. Wer nun denkt, dass die erste Geschichte seichte Comicunterhaltung darstellt, irrt sich gewaltig. Sie ist nur die einfachste Geschichte der drei. Bilal ist in seinem Werk unglaublich politisch. Allein die Ausgangslage, das Paris von einem faschistischen Regime geführt wird, spricht Bände. Darüber hinaus gibt es einen gewaltigen Schuss Religionskritik, denn der Kanzler kennt als einziges Ziel seine Unsterblichkeit und verhandelt darum mit den ägyptischen Göttern, während sein Bruder, neuer Papst der Kirche, Außerirdische, die Engeln sehr ähnlich sehen, zweckentfremdet, um die Kirche wieder machtvoll und erhaben erscheinen zu lassen. Und zu allem Überfluss leben die einzigen wahren Götter der Geschichte völlig dekadent in einem Raumschiff und haben keinen Treibstoff mehr, weswegen sie von den Sterblichen abhängig sind.
Allein dies sind nur Elemente der ersten Geschichte. Wer nun glaubt, dass es sich hier um ein überfrachtetes Autorencomic handelt, der irrt zum zweiten Mal gewaltig, denn Bilal schafft es kongenial den Leser in sein Universum einzuführen, zu halten und zu begeistern. Die komplette Geschichte durchzieht bei allen ernsten Tönen ein feinsinniger, intelligenter Humor. Nie kommt der erhobene Zeigefinger, nie wird es belehrend. Und in der zweiten Geschichte werden noch ganz andere Themen wie Drogen, Abhängigkeit  oder Vergewaltigung angesprochen. Man muss es selbst lesen, um zu begreifen, mit welcher Leichtigkeit man diese Themen angehen kann, ohne ihnen den nötigen Ernst zu nehmen.

Doch Enki Bilal ist nicht nur der geniale Autor der drei Geschichten, er ist auch für die Zeichnungen und Farben verantwortlich. Und dieser Mann war seiner damaligen Zeit weit voraus! Noch heute ist es ein wahrer Augenschmaus, der den Leser erwartet. Es ist zwar meist nicht schön was dargestellt wird, doch das Wie, Bilals Stil ist einfach umwerfend. Sehr detailiert, dabei zutiefst human und dennoch mit einer gewissen Fremdartigkeit.
Es ist daher den Comicgöttern zu danken, dass den Machern dieser Ausgabe beim Carlsen Verlag bewusst war, wie dieses Alben bestmöglich zu erscheinen hat - und daher dieses Format gewählt und auch bei Papier- und Druckqualität nicht gespart wurde.
Vor diesem Hintergrund bleibt nur eine klare Kaufempfehlung auszusprechen, für alle, die diesen Klassiker der Comicliteratur noch nicht ihr Eigen nennen und all denen, die vielleicht noch frühe (unvollständige) Ausgaben aus Schwermetall-, Volksverlag oder Carlsen-Zeiten ihr besitzen.

Fazit:
Hier kann man sich mal kurz halten. Enki Bilal hat mir seiner „Nikopol“-Trilogie einen Klassiker geschaffen, und das nicht nur im Genre der Science-Fiction-Comics, sondern einen übergreifenden Comicklassiker. So genial leicht wie er unter anderem die Themen Religion, Weltbilder, Drogen, Krankheiten und noch vieles mehr angeht und trotzdem ernsthaft bleibt, ist selten in der (Comic-)Literatur zu finden. Und genau so wie die Geschichte Bilals, so  umwerfend ist auch dessen grafische Umsetzung ausgefallen.
Schön, dass der Carlsen Verlag sich der Qualität dieses Stoffes bewusst war und eine würdige Umsetzung im Hardcover veröffentlichte, die über jeden Zweifel erhaben ist. Es war selten so leicht das Prädikat „Klassiker“ zu vergeben.

Alexander Nikopol - Die Nikopol-Trilogie - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Alexander Nikopol - Die Nikopol-Trilogie

Autor der Besprechung:
Martin Ebert

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 40,00

ISBN 10:
3551738785

ISBN 13:
978-3551738783

184 Seiten

Positiv aufgefallen
  • intelligente, vielschichtige Handlung, die viele ernste Themen behandelt und doch
  • durch feinsinnigen Humor und Leichtigkeit besticht
  • umwerfende Zeichnungen
  • tolle Umsetzung in Druck, Papier und Haptik zu
  • einem angemessenen Preis
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 02.03.2019
Kategorie: Alben
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