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Comic-Besprechung - Amerika

Geschichten:
Amerika
Autor / Zeichner: Robert Crumb


Story:
Zeit seines Lebens setzte sich der Zeichner und Autor Robert Crumb mit seinem Heimatland auseinander und gestaltete einige kritische kurze Comics zu aktuellen Entwicklungen. Etwa dem Verfall von Detroit, dem zunehmenden Aufkommen von Sektenührern, skrupellosen Kapitalisten wie Donald Trump, gesellschaftliche Paranoia, dem Verehren von Filmstars und rechtskonservative Gesinnung.

Meinung:
Man war sehr neugierig auf den neuen Band von Robert Crumb. Crumb ist schließlich ein Altmeister der schon in seinen jungen und wütenden Tagen als Undergroundzeichner bekannt war für seine kritische Haltung gegenüber seinem Heimatland Amerika. Was also ist nun sein Kommentar in Comicform zu dem Amerika wie es sich in letzter Zeit entwickelt hat und nun unter Trump aussieht? Jedenfalls geht man davon aus, dass Crumb mit der Trump-Administration abrechnet und die innere Zerrissenheit des Landes thematisiert, wenn der neue Band schlicht Amerika heißt und auf dem Cover eine Fratze in Form des Staates prangt vor dem einige Menschen flüchten. Angesichts der letzten Jahre ist man auch versucht, darin eine Karikatur von Donald Trump zu sehen.

Enttäuschenderweise sind keine neuen Strips von Crumb hier enthalten. Vielmehr ist es eine Anthologie bereits erschienener kleiner Geschichten die über Jahrzehnte hinweg entstanden sind. So findet man hier frühere aus den 1960er Jahren, aber der aktuellste ist von 1993, was man nun nicht mehr wirklich als aktuell bezeichnen kann. Thematisch gesehen sind alle kritisch gegenüber Land und Leute und deren Entwicklung. Dabei sind sie teilweise immer noch erschreckend aktuell, etwa wenn es um die Cream Puffs geht und deren Gesinnung, deren oberster nicht-fiktionaler Repräsentant gerade das Land lenkt. Andere Entwicklungen sind eindeutig vorbei, wie man anhand der Geschichte des Sektenführers lesen kann. Zwar gibt es immer noch radikale religiöse Strömungen, aber die esoterische Heilsgeschichte wie hier geschildert kann man eher als Nachwehen der Hippies sehen.  Es weht nicht nur hier ein Hauch des Vergangenen durch die Seiten was auch die aktuelleren Aspekte etwas schmälert. Obwohl es natürlich auch einige Glanzpunkte gibt, aber meist muss man sie im historischen Kontext sehen wobei die Anmerkungen am Ende des Bandes helfen. Trump kommt sogar mal vor, aber auch da beschränkt sich Crumb auf dessen Geschäftsgebaren als Unternehmer und seine Arroganz und den Narzissmus der heutzutage absurde Höhen erreicht hat. Da viele Geschichten schon älter sind und nahezu fünfzig Jahre auf dem Comicbuckel tragen, kennt man sie schon aus diversen Veröffentlichungen weswegen der Mehrwert, abgesehen von der schicken Aufmachung, doch recht gering ist.

Zudem kommt manches doch arg dozierend daher und Crumb hat sich, so scheint es, phasenweise als Berufsnörgler eingerichtet was eine wirkliche Kritik nicht zulässt, sondern eher sein persönliches Unbehagen und seine Weltsicht schildert. Das ist legitim und wird auch mit einer Portion Selbstironie geschildert da er selber auftritt und man kann den Glamour einer Oscarverleihung und die damit verbundene Selbstdarstellung verurteilen, aber wenn dann alles was mit Film zu tun hat in einer Schlusspointe über einen Kamm geschoren wird, so ist das polemisch und unfair.

Zeichnerisch kann man hier nicht nörgeln. Crumb gilt als Meister und das zu Recht. Hier kann man auch einige stilistische Entwicklungen sehen, was auch wieder seinen Reiz ausmacht und spannend ist, aber muss man deswegen den Band wirklich haben? Eher nicht.


Fazit:
Wer einen aktuellen Kommentar des Altmeisters zu dem heutigen Amerika und dessen Führer erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Stattdessen entpuppt sich der Band als eine Anthologie von amerikakritischen Kurzcomics die man schon anderswo gelesen hat und die teilweise überholt sind. Schade.


Amerika - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Amerika

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 29,00

ISBN 10:
3956401751

ISBN 13:
978-3956401756

96 Seiten

Positiv aufgefallen
  • kritische Haltung
  • historisch interessant
  • Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • keine aktuellen Comics
  • Konzeption
  • manches arg dozierend und überholt
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Rezension vom: 30.03.2019
Kategorie: Independent
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