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Comic-Besprechung - Negalyod

Geschichten:
Text und Zeichnungen: Vincent Perriot
Farben: Florence Breton


Story:
Jarri ist Hirte. Seine Herde besteht allerdings weder aus Kühen noch aus Schafen, sondern aus Dinosauriern. Mit Ihnen zieht er durch die Wüste, immer auf der Suche nach Wasser. Seine Welt ist zweifellos die Erde, aber eine stark veränderte Erde, auf der sich Dinosaurier und Menschen die Lebensräume teilen. Aber allen Lebewesen gemein ist der Kampf ums Wasser. Das gilt vor allem für die Menschen, die in Städten wohnen – aufgeteilt entweder in den Unter- oder in den Oberstädten wohnen. Oben und unten entscheidend in der Gesellschaft über gewinnen und verlieren. Oben gibt es Wasser, unten nicht. Aber nicht alle wollen sich mit dieser Aufteilung abfinden. Als bei einem Experiment Jarris komplette Herde zugrunde geht, macht er sich auf in die nächste Stadt. Dort trifft er auf den „Großer Kam“, einem religiös-politischen Anführer, und seine Rebellen. Die Suche nach den Verantwortlichen für den Tod seiner Herde zieht Jarri mitten hinein in den Kampf gegen die Oberstadt.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Ich bin ja schon immer der Meinung gewesen, dass es kaum ein Medium gibt, bei dem Verpackung und Inhalt so Hand in Hand gehen müssen, wie bei der 9. Kunst. Sicher, auch ein guter Roman ist in gebundener Form besser präsentiert als als Taschenbuch. Aber beim Comic, dem die Visualität sowieso schon zu eigen ist, ist dies noch entscheidender. Inhalt und Form müssen hier eine Einheit bilden. „Negalyod“ von Vincent Perriot ist ein gutes Beispiel, wie so etwas auszusehen hat.
Die Geschichte, die entweder in den unendlichen Weiten von Wüsten spielt oder in dem undurchdringlichen Gewirr chaotischer Städte, braucht Platz. Und der Band von 24 x 32 cm gibt ihr ausreichend Platz, den Perriot phantastisch nutzt. Mit eingestreuten ein- oder doppelseitigen Panels, großzügiger Seitenarchitektur auf den anderen Seiten und einer Sprachreduktion aus das absolut Wesentliche, gibt er seinen Bildern den Raum, den sie zur vollen Entfaltung benötigen. Er genießt es Jagd- und Verfolgungsszenen darzustellen, treibt sie über mehrere Seiten ohne Worte voran. 
Dabei gelingt dem erst 1984 geborenen Zeichner der perfekte Spagat zwischen Detailgenauigkeit einerseits und diffusen Andeutungen andererseits. Da wo er andeutet, überlässt er den Betrachter seiner Fantasie. Das vor allem in einigen Panels, die das städtische Leben wiedergeben. Hier hat sich der Zeichner gerne auf Andeutungen beschränkt. Seine Zeichenstil erinnert da mitunter an die ersten Jeremiah-Alben des Belgieres Hermann Huppen und an Moebius.
Die Geschichte die Perriot entwickelt bewegt sich abseits der üblichen postatomaren Szenarien. Wir wissen durch die Erwähnung der Rocky Mountains, dass sich der Plot in den USA abspielt. Sonst erfährt der Leser nichts zu den äußeren Umständen, beispielsweise wie es zur neuen Ordnung mit Ober- und Unterstädten kam, wieso plötzlich überall Dinosaurier herumlaufen oder ähnliches. Der Leser kann sich hierzu seine eigenen Gedanken machen, kann Parallelen ziehen zum Werk von H.G. Wells, bei dem Morlocken und Eloy – ebenfalls in oben und unten aufgeteilt – durch die Spaltung der Gesellschaft entstanden. Oder er zieht das Element Wasser hinzu, macht aus Oben und Unten, Norden und Süden und findet in dem Band eine gelungene Parabel zum Zustand der heutigen Welt. So kann man den Band lesen. Oder aber, man lässt sich von Perriot an die Hand nehmen und fliegt mit ihm durch seine ersonnene Welt – aber vielleicht schließt das eine das andere auch gar nicht aus.
Bei der Lektüre von „Negalyod“ ertappte ich mich dabei, dass ich immer wieder versuchte, Parallelen zum Bilderbuch „Dinotopia“ von James Gurney zu ziehen. In diesem Werk entdeckt ein Wissenschaftler eine Südseeinsel, auf der Menschen und Dinosaurier einträglich miteinander leben. Vom Grundgedanken ähnlich, aber doch so anders. Den Perriot  stellt die Urzeitriesen nicht in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Sie erfüllen eine Nebenrolle. Dennoch, auch mit dieser Nebenrolle, weiß der Zeichner sie gekonnt in Szenen zu setzen. Dinofans sei der Band deshalb besonders ans Herz gelegt. Denn wenn, wie bei Perriot Steampunk auf Dinotopia trifft, werden ihre Herzen schneller schlagen.
In jedem Fall darf die Comicgemeinde noch einiges Erwarten von dem 35jährigen Franzosen.



Fazit:
Ein wunderschöner Comic, zeichnerisch und erzählerisch, der als Überformat überzeugt. Zeichnerisch an den frühen Herrmann und Moebius angelehnt, breitet Perriot eine faszinierende Geschichte aus, die einiges an Deutungen in sich trägt, aber vor allem eins ist: perfekte Comicunterhaltung!



Negalyod - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Negalyod

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 28

ISBN 13:
978-3-551-73433-4

208 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Prachtband
  • Großartiges Artwork
  • Mehrdeutigkeit
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(3 Stimmen)
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Rezension vom: 17.05.2019
Kategorie: Alben
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