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Comic-Besprechung - Auf in den Heldentod!

Geschichten:
Auf in den Heldentod!
Autor / Zeichner: Shigeru Mizuki


Story:
Ende 1943 landen 500 Soldaten der japanischen Armee auf einer kleinen Insel im Südpazifik. Die meisten von ihnen sind unerfahrene Rekruten. Im Laufe der Zeit werden sie nicht nur durch Warten zermürbt, sondern leiden auch unter Hunger, dem Wetter, Krankheiten und durch die Willkür der Offiziere. Als letztendlich amerikanische Truppen landen, werden die Soldaten Opfer des rigiden Ehrenkodex.

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Es ist schon überraschend, dass der Verlag Reprodukt einen Manga herausbringt. Der Verlag ist eher für ein anspruchsvolles Programm aus dem Independentbereich bekannt und so überrascht die Wahl dieses Bandes. Zunächst. Denn Auf in den Heldentod! unterscheidet sich deutlich von der Massenware der man ansonsten bei Mangas ausgesetzt ist. Vor allem gilt es hier einen Klassiker zu entdecken. Das genaue Datum der Entstehung wird in der deutschen Ausgabe nicht genannt, aber zumindest das Nachwort des Autors stammt aus dem Jahr 1991. Und Shigeru Mizuki starb leider schon 2015. Der Autor und Zeichner dürfte hierzulande nur Eingeweihten bekannt sein. In Japan hingegen ist er ein Superstar nach dem auch Straßen benannt werden. Nun kann man also eines seiner Werke auch endlich auf Deutsch lesen.

Auf in den Heldentod! hat es auch in sich. Mizuki schildert dort seine eigenen Kriegserlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg. Das, verbunden mit dem Klassikerstatus, macht einen schon sehr neugierig. Da der Zeichner nur noch einen Arm hatte, den anderen verlor er in den beschriebenen Schlachten, kann man einen Antikriegscomic erwarten. Schließlich dürften angesichts solch eigener traumatischer Erlebnisse keine Heldenlieder gesungen werden.

Zunächst fallen einem aber die Zeichnungen auf. Diese sind durch schroffe Gegensatze geprägt. Zum einen hat man sehr detailliert ausgearbeitete Hintergründe bei denen man meint jedes einzelne Blatt zählen zu können und starke Schwarz-weiße Kontraste bilden. Zum anderen sind die Figuren so stark reduziert das ihre Körper und Physiognomien nur noch rudimentär erscheinen und einem Cartoon entstammen könnte. Man fragt sich, warum der Zeichner so vorgegangen ist. Natürlich steht da auch eine Symbolik dahinter. Durch die starke Reduzierung und größtenteils weißen Flächen der Charaktere erscheinen sie schon vorab wie Geister. Als ob der Tod von vorneherein ihr Schicksal ist und sie schon gar nicht mehr existieren noch bevor sie eine Kugel trifft. Dazu passen auch die Gesichter. Es ist schwer Individuen auszumachen. Ein Problem, was man in Kriegscomics und auch Filmen oft hat. Denn aufgrund der Masse des Personals verliert man schon immer schnell den Überblick. Hier gehen die einzelnen Soldaten komplett unter. Das Individuum zählt nicht. Sie sind Soldaten und zählen nur in der Masse. Das wird zeichnerisch gut herausgestellt.

Allerdings führt das auch zu dem größten Nachteil des Bandes: da die Figuren verwechselbar sind und man schnell den Überblick verliert, kann man keine empathische Bindung aufbauen. So bleiben einem die Einzelschicksale fern. Man erkennt die Schicksale als tragisch an, wenn etwa ein Soldat von einem Krokodil gefressen wird, aber man betrachtet sie sehr nüchtern. Dennoch ist der Band sehr erschütternd. Der rigide Ehrenkodex der japanischen Armee, nicht nur während des Zweiten Weltkrieges, sondern auch schon bei den Samurai, ist bekannt und für viele Westler kaum nachzuvollziehen. Hier ist es schon absurd, aber dennoch äußerst tragisch. Vor allem weil es wahr ist und dem Autor selber geschehen ist. Seine Einheit galt als gefallen und deren Verlust wurde schon den höheren Stellen gemeldet. Als nun bekannt wurde, dass sie noch leben, konnte man nicht eingestehen einen Fehler gemacht zu haben, und sie wurden als Feiglinge bezeichnet und in einen sinnlosen Selbstmordangriff gezwungen, damit die Statistik und vor allem die soldatische Ehre wieder korrekt ist.

Hier gibt es keinen Heroismus. Das einzige was die einfachen Soldaten antreibt ist der soziale Druck und die Offiziere agieren auch nicht gerade heldenhaft. Sie reden von Ehre, aber in den eigentlichen Kämpfen suchen sie Schutz. Mizuki schildert hier auch hauptsächlich die Alltagssorgen von Soldaten. Der Hunger, die Kälte, die Nässe, die Krankheiten, das Warten und das Leiden unter den Prügeln der Offiziere. Letzteres erstaunt. In der japanischen Armee war es seinerzeit wohl üblich das Vorgesetzte ihre Untergebenen immer wieder schlugen, um den Rang zu verdeutlichen und sie zu entmenschlichen damit sie als Soldaten  besser funktionieren. So zeigt Mizuki auch abseits der brutalen Schlachten, die hier schon sehr explizit bis hin zum Splatter sind, die Unmenschlichkeit des Krieges. Wenn es auch manchmal zäh zu lesen ist, da man die Charaktere kaum auseinanderhalten kann, so liegt hier doch ein erschütternder Manga vor, der wahrlich zu den Klassikern gezählt werden kann.


Fazit:
Ein Klassiker des Manga der zwar manchmal recht anstrengend zu lesen ist da man die Charaktere kaum auseinanderhalten kann, aber dennoch sehr erschütternd und tragisch ist und den Wahnsinn des Krieges anschaulich macht. Es ist umso erschreckender da die Geschichte wahr ist und vom Autor selbst erlebt wurde.

Auf in den Heldentod! - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Auf in den Heldentod!

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 20,00

ISBN 10:
3956401786

ISBN 13:
978-3956401787

384 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Wahnsinn des Krieges verdeutlicht
  • Erforschung des absurden Ehrenkodex
  • tragisch und dramatisch
Negativ aufgefallen
  • Figuren sind kaum auseinander zu halten
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Rezension vom: 08.06.2019
Kategorie: Mangas
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