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Comic-Besprechung - 80 Jahre Marvel: Die 1950er - Helden in Zeiten des Kalten Krieges

Geschichten:
80 Jahre Marvel: Die 1950er - Helden in Zeiten des Kalten Krieges
(Young Men 24-28, Captain America 76-78, Men`s Adventures 27-28, Captain America: Theater of War - America First!)
Autor:unbekannt, Howard Chaykin, Zeichner: John Romita Sr., Mort Lawrence, Bill Benulis, Jack Abel, Howard Chaykin, Colorist: unbekannt, Edgar Delgado


Story:
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat Captain America sein Kostüm in den Schrank gehängt und unterrichtet nun als Lehrer an einer Highschool. Als aber sein alter Feind Red Skull wieder auftaucht und die UNO angreift, streifen Steve Rogers und Bucky wieder ihre Kostüme über. Als sie gewahr werden das an jeder Ecke sowjetische Spione lauern, treten sie wieder der Armee bei und kämpfen an allen Fronten gegen den Kommunismus und dessen Agenten.


Meinung:
In der Reihe von Hardcoverbänden wird der achtzigjährige  Geburtstag des amerikanischen Marvel-Verlages gefeiert. Anstatt einen sehr dicken Band herauszubringen, wird jedes einzelne Jahrzehnt gefeiert, indem es einen Band pro Jahrzehnt geben wird in dem Geschichten präsentiert werden, welche repräsentativ für das jeweilige Jahrzehnt sein sollen.

Doch Moment? 80 Jahre? Startete Marvel nicht erst in den 1960ern durch, als so ikonenhafte Figuren wie die Fantastic Four, Spider-Man, Daredevil, die Avengers und Hulk erfunden wurden? Ja, die Einwände stimmen, denn in dem Jahrzehnt wurde der Verlag in Marvel umbenannt. Allerdings gab es ihn schon vorher, so etwa unter dem Namen Atlas. Verleger war damals schon Martin Goodman und sein Chefredakteur schon zu der Zeit Stan Lee. Langsam tasten sie sich an Comics heran und revolutionierten erst in den 1960er Jahren das Superheldengenre. In den 1940ern waren die Helden viel vorzufinden, denn zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges war der Bedarf nach Helden und einer ermutigenden eskapistischen Lektüre groß. In den Fünfzigern änderte sich das, da die Helden zunehmend als naiv empfunden wurden und die rückkehrenden Soldaten die erlebten Schrecken und die Folgen nicht in den Superhelden wiederfinden konnten. So begann das Heldensterben und das Goldene Zeitalter war vorbei.

Doch der Atlas-Verlag, der spätere Marvel, hielt an den Helden fest, wobei nur drei die bunten Seiten unsicher machten. Das waren die Human Torch, der Sub-Mariner und vor allem Captain America welche nach dem Krieg reaktiviert wurden. Allerdings nur für eine kurze Zeit. In dem zweiten Band der Geburtstagsreihe finden sich denn auch nur Geschichten mit Captain America. Puristen der Comickontinuität werden sich wundern, denn angeblich ist Steve Rogers in den letzten Kriegstagen im Eis verschollen und wurde erst später von den Avengers wieder aufgetaut. Das ist richtig, aber der Held an sich ist schon älter und erst im Zuge der Marvel-Revolution wurde gesagt, das der Held der in den 1950ern als Cap firmierte, nicht Steve Rogers gewesen sei, sondern ein anderer. Wobei das im Grunde auch nicht relevant ist, da hier die Abenteuer noch unter Atlas firmieren. Aber diese vermeintliche Verwirrung wird in einer modernen Geschichte thematisiert welche noch in diesem Band abgedruckt ist. Und auch wenn sie das Beste an dem Band ist, so wird damit doch das Konzept aufgebrochen und etwas verwässert.

Vor allem ist dieser Band comichistorisch recht interessant ausgefallen. So zeigt man wie selbstverständlich einen rauchenden Helden. Ebenso wie übrigens der frühe Bruce Wayne als Batman raucht Captain America gerne mal eine Pfeife.  Vor allem sprühen die Geschichten aber von einer Naivität was durchaus die Comics der 1950er ausmacht und was manche eben deswegen schätzen macht die Lektüre für andere ungenießbar. Als Leserin oder Leser der Moderne bekommt man Bauchgrummeln wenn die Helden ungeschützt vor einem Atompilz stehen und die Technologie preisen. Aber das ist der Geist der damaligen Zeit und insofern greift das Konzept der Serie repräsentative Geschichten der damaligen Zeit abzudrucken. Das betrifft aber auch die platte Propaganda die eindeutig Stimmung im Kalten Krieg macht. So hilft etwa Captain America erst dann einem erpressten Mann gegen sowjetische Spione als für ihn deutlich wird, dass der Mann lieber seinen Sohn opfern würde als sein Land zu verraten. Die amerikanischen Werte haben vor allem Vorrang und wer sie vertritt verdient den Schutz des amerikanischen Helden.

Der Tonfall in den Geschichten ist teilweise schwer zu ertragen, da es keine ironische Brechung gibt und auch nicht gerade subtil ist. Die Zeichnungen tragen ihren Teil dazu bei. Ein graphischer Rassismus ist ihnen nicht abzusprechen. Auch gibt es viele krude Perspektivfehler und sie sind nicht gerade sorgfältig ausgestaltet. So geraten manchmal die Hälse zu lang und in den dynamischen Panels, etwa wenn die Helden laufen, so wirken sie merkwürdig verzerrt. Man fragt sich wie John Romita Sr., der für diese Hefte zuständig war, zu einem Star werden konnte. Denn qualitativ hochwertig sind die Zeichnungen hier beileibe nicht. Aber er schuf sich mit ihnen immerhin einen Ruf und seine spätere Entwicklung gab ihm dann den Status.

Die Storys sind kurz und knackig, überschreiten selten neun Seiten Umfang und es überrascht, das der Held auch tötet. Captain America hat kein Problem damit einen Spion in ein Feuer zu werfen. Für wahre Fans des Flügelhelms ist dieser Band sicherlich ein Schmankerl, aber für den Großteil der Leserschaft sind die Geschichten veraltet und eher für Leser interessant die sich für Comicgeschichte interessieren da sie hier Storys lesen können an die man ansonsten sehr schwer rankommt. So bleibt hier ein sehr zwiespältiges Gefühl zurück und man sollte den Band wohldosiert lesen, da es ansonsten dem Magen nicht bekommt. Den nächsten Band, der dann die legendären 1960er Jahren mit den neuen Helden behandeln wird, kann man sicherlich flüssiger lesen und man kann sich schon darauf freuen. Auch wenn der Preis für den doch recht übersichtlichen Umfang recht happig ist.


Fazit:
Für Comichistoriker und Die-Hard-Fans von Captain America ist dieser Band bestimmt interessant. Andere dürften wegen der plumpen Propaganda, den kruden Zeichnungen und der Naivität arge Bauchschmerzen bekommen. Aber auch deswegen lohnt sich ein Blick hinein.


80 Jahre Marvel: Die 1950er - Helden in Zeiten des Kalten Krieges - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

80 Jahre Marvel: Die 1950er - Helden in Zeiten des Kalten Krieges

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 26

ISBN 10:
3741612006

ISBN 13:
978-3741612008

180 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Comichistorie
  • Einblick in Propaganda auf Comicseiten
  • seltene Geschichten
  • Treffen des Zeitgeists
Negativ aufgefallen
  • plumpe Propaganda
  • Rassismus
  • Naivität
  • fehlerhafte Zeichnungen
  • mangelnde Logik
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Rezension vom: 14.07.2019
Kategorie: Hefte
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