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Comic-Besprechung - Der gebrochene Fügel

Geschichten:
Der gebrochene Flügel
Autor: Antonio Altarriba, Zeichner: Kim (d.i. Joaquim Aubert Puigarnau)


Story:
Als Antonio Altarriba am Sterbebett seiner Mutter steht erfährt das Petra zeit ihres Lebens eine körperliche Behinderung hatte. Voller Entsetzen wird Antonio klar, dass er nichts davon gewusst hatte. Auch sein Vater fällt aus allen Wolken als er diese Tatsache über seine Frau erfährt. Wie konnte es sein, dass selbst das engste Umfeld nichts von dieser körperlichen Beeinträchtigung wusste? Antonio macht sich auf die Spurensuche rekonstruiert das Leben seiner Mutter welche sehr viel stärker war als er gedacht hätte.


Meinung:
In einer schönen Äquivalenz zu der Biografie seines Vaters, Die Kunst zu fliegen, benennt der spanische Autor Antonio Altarriba die Biografie seiner Mutter nun Der gebrochene Flügel. Und auch das Cover vom Zeichner Kim (d.i. Joaquim Aubert Puigarnau) stellt den Band neben den  Vorgänger, denn auf beiden prangt die jeweilige Hauptperson die mit einem Koffer dem Betrachter entgegengeht.

Selten treffen die Titel von Erzählungen so gut und zusammenfassend die jeweiligen Hautpersonen. Die Kunst zu fliegen betraf die Träume von Altarribas Vater und wie er bereit war für sie zu kämpfen. So etwa im spanischen Bürgerkrieg. Der gebrochene Flügel zeigt nicht nur die Gegensätze der Eheleute auf. Da der Träumer, dort diejenige welche nicht träumen darf und vom Leben gestutzt worden ist. Den einen treibt es in die (idealistischen) Höhen, die andere besitzt gar nicht erst die Möglichkeit dazu. Eine bessere Parallele gibt es eigentlich nicht. So vereinen die Titel das Paar, trennen sie aber auch, da so schon die Unterschiede deutlich gemacht werden. Denn der gebrochene Flügel ist auch schon wieder mehrfach zu verstehen. Einerseits symbolisch über die Rolle der Frau in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft des Spaniens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.  Andererseits ist der Titel auch wörtlich zu verstehen, denn Petra Altarriba hatte eine körperliche Behinderung. Sie konnte ihren linken Arm nicht strecken. Dennoch gelang es ihr, diese Behinderung zeit ihres Lebens so gut zu verbergen so dass nicht einmal ihrem Ehemann oder ihrem Sohn auffiel das sie überhaupt eine hatte. Es ist erschreckend, dass die ihr am nächsten stehenden Menschen nicht wahrnahmen, dass sie behindert war. War sie so unscheinbar oder im Gegenteil so prägend das alles andere diese Versehrtheit überdeckte? Eine Frage die sich die handelnden Personen selber stellen.

Im Vergleich zu dem Band über den Vater stellt sich so auch die Frage wer denn nun eigentlich stärker ist? Derjenige der sich auflehnt und den Kampf gegen die herrschenden Zustände sucht (was das Lesen deutlich dynamischer werden lässt), oder das alltägliche Leben einer Frau die gesellschaftlich keine Chance hat und wie sie sich durchschlägt und das Beste daraus zu machen versucht? Gleichzeitig ist diese Schilderung des Lebens von Petra auch eine kleine Geschichte Spaniens von unten. Eine Biographie findet ja nie im luftleeren Raum statt, sondern wird immer auch von der Gesellschaft, der Familie, dem Milieu und der Geschichte geprägt. Petra etwa wird 1918 in einem ländlichen, rückständigen Teil Spaniens geboren und wird schon früh der Armut und der Brutalität ausgesetzt. Der Anfang ihres Lebens und dieses Buches ist sehr tragisch und es überrascht wie distanziert der Autor erzählt. Dabei wäre es Stoff genug für ein ganzes Drama, aber es sind ja erst die ersten Tage im Leben von Petra. Trotz aller Brutalität die vor allem aus dem schroffen Leben gewonnen wird, lesen sich die ersten Jahre noch am spannendsten. Als Petra in die große Stadt zieht und zur Gouvernante wird, so duckt sie sich unter der Diktatur weg, obwohl sie ihr und den Protagonisten ganz nahe ist, was man schon stellvertretend für das Land sehen kann, und hier wird mit vielen Andeutungen gearbeitet wobei es gelingt eine permanent angespannte Atmosphäre zu schaffen.

Letztlich gewinnt Petra aber nicht, sondern die Unbilden des Lebens verdammen zur Armut und auch die rettende Kirche entpuppt sich als bigott. Letztlich wird Petra immer nieder gehalten. Durch ihre Familie und  vor allem durch den dominanten Vater, die Politiker und Militärs, dem Ehemann, durch falsche Freunde, durch die Kirche. Doch hat man nie das Gefühl das sie ein Opfer sei. Es gelingt dem Autor und dem Zeichner ihr eine Stärke und Würde zu verleihen, die generell gesehen eine Hommage an die Frauen ist die nie in das Rampenlicht treten, sondern die Widrigkeiten des Alltags und des Lebens schultern müssen. Es ist erschütternd zu lesen wie sich die Frau so sehr zurückzieht, so dass sie schon fast zu verschwinden droht. Sie ist dienend im Hintergrund so das selbst der Leser irgendwann vergisst, dass sie eigentlich körperlich beeinträchtigt ist. Alles zusammen ergibt das einen erschütternden und bewegenden Band der es schafft diese Emotionen  auszulösen ohne auf eine Effekthascherei zurückgreifen zu müssen. Und das ist eine wahre Kunst.


Fazit:
Beeindruckend und bewegend. Anhand der Biographie seiner Mutter wird eine Geschichte Spaniens von unten erzählt und wie die historischen Umwälzungen auch das Leben der einfachen Leute eintraf. Dabei gelingt ein einfühlsames Portrait einer starken Frau.

Der gebrochene Fügel - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Der gebrochene Fügel

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 25

ISBN 10:
3964450022

ISBN 13:
978-3964450029

264 Seiten

Positiv aufgefallen
  • einfühlsam erzählt
  • Geschichte Spaniens von unten
  • bewegend und berührend ohne Effekthascherei
Negativ aufgefallen
  • manchmal plätschert es etwas vor sich hin
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Rezension vom: 02.07.2019
Kategorie: Independent
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