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Comic-Besprechung - Unruhige Geister und stille Gefährten

Geschichten:
Unruhige Geister und stille Gefährten
Autor / Zeichner: Jiro Taniguchi


Story:
Egal ob man nun mit einem verlorenen Gedächtnis bei einer Familie in einem abgelegenen Leuchtturm unterkommt, als Amerikaner durch das japanische Edo läuft und unheimliche Geschichten erfährt, als Kind mit Hilfe von Naturgeistern versucht, seine Mutter zu heilen oder auf einem Spaziergang eine geheimnisvolle Frau trifft: alle Figuren begegnen sich dabei auch selbst.


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Über den japanischen Zeichner und Autoren Jiro Taniguchi braucht man hier kaum noch etwas zu sagen. Er war der Meister der ruhigen Erzählung und der leisen Töne was ihn von dem Gros seiner Mangakollegen wohltuend abhob und doch nie an emotionaler Wucht sparte. Allein schon die Tatsache, dass Sachen aus seinem Nachlass zu einem Erscheinen in Buchform kommen, stellt seinen internationalen Status unter Beweis. Denn eine solche Ehre ist bislang nur wenigen Zeichnern vergönnt worden.

So richtet sich der Band Unruhige Geister und stille Gefährten vor allem aber an Fans des 2017 verstorbenen Künstlers. Das liegt zum einen daran, dass hier vor allem Kurzgeschichten und Kapitel zu finden sind, deren Kontext nicht mehr zur Realisierung kam. Deshalb hat der Band keine richtige Konzeption und da hier auch noch eine unvollendete Story vorkommt, dürfte der Blick in den Arbeitsprozess und die vielen Skizzen nichts für einen Gelegenheitsleser sein. Zum anderen sprechen das edle Hardcover und der damit verbundene recht hohe Preis eher die Liebhaber an.

Leider können die Geschichten nicht ganz überzeugen. Mit Aus einer anderen Welt beginnt man mit einer Episode die einer längeren Erzählung zu entnommen scheint und der fehlende Kontext lässt sie unbefriedigend in der Luft hängen und den Leser etwas verwirrt zurück. Nach einem kleinen Essay von Taniguchi in dem er über seine Kontakte mit den europäischen Comics und der französischen Szene  berichtet, gibt es zwei Kapitel eines Erzählzyklus der sehr an Der  spazierende Mann erinnert. Dabei greift Taniguchi auf den real existierenden amerikanischen Schriftsteller Lafcadio Hearn zurück der in seiner zweiten Lebenshälfte in Japan lebte. Diese zwei Kapitel sind Adaptionen zweier seiner Geschichten und lassen den Autoren selber auftreten. Die Rahmenhandlung, wenn Hearn durch Edo läuft, ist ein Selbstzitat was zu den erzählten Geistergeschichten in einem starken Kontrast steht. Dennoch haben sie gerade deswegen ihren speziellen Reiz.

Nach einigen Skizzen von Taniguchi die durchaus faszinierend sind und die Phantasie des Betrachters anregen, gibt es eine in sich abgeschlossene, in zwei Kapitel unterteilte, Geschichte mit dem Titel Der magische Berg. Von der Stimmung her erinnert das sehr an Vertraute Fremde, Taniguchis Meisterwerk. Es ist ein verträumter Blick auf die Kindheit welche aber von Dramatik verzerrt ist durch eine todkranke Mutter. Dennoch wird hier die Empfänglichkeit der Kindersinne gepriesen, den Glauben an das Übernatürliche und den Mut. Leider gerät die Story manchmal etwas kitschig und der übernatürliche, magische Faktor ist ein bisschen ein Deus ex Machina Effekt. Auch wenn Taniguchi durchaus mal Fantasyanleihen einbaute, wie auch in der Grundkonzeption von Vertraute Fremde, so gliedert sich das zwar hier in die Story ein, lässt den Leser aber ein bisschen ratlos zurück. Vor allem die letzte Geschichte Die Begleiterin kann am meisten überzeugen und ist eine surreale Horrorgeschichte die durchaus zu faszinieren weiß und vielfältige Deutungsmöglichkeiten offen lässt. Ist die Frau etwa eine Rachegeist oder vielleicht die Personifikation des Todes? Das macht es ironisch und tragisch das Taniguchi diese Geschichte nicht vollenden konnte. Aber das erste Kapitel ist immerhin noch zu Ende skizziert worden was einen guten Blick auf die Arbeitsweise Taniguchis erlaubt.

Letztendlich ist der Band etwas enttäuschend. Nicht nur wegen der Wehmut aufgrund der Tatsache, dass Taniguchi verstorben ist, sondern weil die hier enthaltenen Geschichten  nicht alle zu überzeugen vermögen. Fans sollten durchaus einen Blick riskieren, andere sollten zu den genialen Graphic Novels greifen.



Fazit:
Die Geschichten aus dem Nachlass sind naturgemäß unvollendet und zitieren oft vorhergehende Werke. Aber es ist schön zu sehen, wie Taniguchi gearbeitet hat und somit richtet sich der Band vornehmlich an Fans.

Unruhige Geister und stille Gefährten - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Unruhige Geister und stille Gefährten

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 22

ISBN 10:
3551778809

ISBN 13:
978-3551778802

192 Seiten

Positiv aufgefallen
  • ruhige Stimmung
  • Sinn für das Detail
  • Magie verbunden mit Realismus
  • Work in Progress
Negativ aufgefallen
  • häufige Selbstzitate
  • Geschichten schweben in der Luft
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Rezension vom: 30.11.2019
Kategorie: Mangas
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