SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 15.812 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...
Rezensionen Splash! Hits Covergalerie Checkliste Gesammelte Leseproben

Comic-Besprechung - Lost and Found

Geschichten:
Bd. 1 - Lost and Found
Autor, Zeichner, Tusche: Zombiesmile (Mikiko Ponczeck)

Story:
Kurosawa Shunsuke ist ein ganz normaler siebzehnjähriger Schüler mit alltäglichen Problemen. Das ändert sich schlagartig an dem Tag, als ihm seine Sandkastenfreundin Ruri ihre Liebe gesteht und er ihr erklären muss, dass es nicht an ihr liegt, weshalb er ihre Gefühle nicht erwidern kann. Ruri ermuntert Shunsuke, mit seinem Freund Kyohei darüber zu sprechen, denn auch wenn dieser sich nur für Mädchen interessiert, vielleicht nimmt das Geständnis die Last von Shunsukes Seele.
Shunsuke nimmt seinen ganzen Mut zusammen und vertraut Kyohei an, dass er Männer bevorzugt - und in ihn verliebt ist. Zunächst hält Kyohei alles für einen Witz, doch dann geht er sehr schnell auf Distanz. Bereits am nächsten Tag muss Shunsuke feststellen, dass ihn die anderen Schüler plötzlich schneiden, schlimmer noch: Die Schikanen werden von Tag zu Tag bösartiger.
Die Lehrer schauen weg, und Shunsukes Mutter regt sich lediglich über die schlechter werdenden Zensuren auf. Auch Ruri will nichts mehr von ihm wissen, nachdem er ihr unterstellte, sein Geheimnis überall herum erzählt zu haben. Als Shunsuke die Wahrheit herausfindet, ist er schockiert. Ausgerechnet der Mensch, von dem er es am wenigsten erwartet hätte, hat ihn verraten und verbreitet obendrein Lügen über ihn.
Tief enttäuscht zieht sich Shunsuke von allen zurück. Als er wieder einmal nicht weiß, wohin er gehen soll, liest ihn sein Nachbar auf. Hikami Tatsuya ist Student und gibt Shunsuke seit kurzer Zeit Nachhilfe und nun auch den Halt, den der Junge braucht. Als Shunsuke herausfindet, welchem Gewerbe Tatsuya in Wirklichkeit nachgeht, scheint auch das vorbei zu sein. Aber Shunsuke möchte ohnehin sterben, weil er es nicht mehr aushält…


Meinung:
Zu den ersten eigenen Publikationen von The Wild Side zählen die beiden Doujinshi "Ran und die Feiertage 1 + 2", bei denen es sich zugleich um die beiden ersten größeren Projekte von Zombiesmile, die damals noch das Pseudonym Mikiko Ponczeck benutzte, handelt. Zu den Parodie-Erzählungen von Der Fich über die Jungs aus der Manga- und Anime-Serie "Weiß Kreuz" (www.marine-e.co.jp/weib/index.htm) steuerte sie die Illustrationen bei.
Seither gehört sie zum Team von The Wild Side als Art Direktorin und Übersetzerin der Mangas "Stallion" und "Saihoshi the Guardian" des spanischen Studios Kosen (www.stkosen.com, http://stkosen.deviantart.com/), beide Bände auch bei Yaoi Press, USA (www.yaoipress.com).
Mit "Lost and Found" präsentiert The Wild Side den ersten abgeschlossenen Boys Love-Manga, den Zombiesmile sowohl geschrieben als auch illustriert hat.
Während viele westliche Manga-Zeichner angefangen haben, sich von den großen Vorbildern zu lösen und mit für hiesige Leser vertrauten Themen zu arbeiten, so kehrt Zombiesmile wieder zu den Wurzeln zurück: Ihre Geschichte ist im Schüler-Milieu angesiedelt, die Protagonisten haben japanische Namen, sie versucht auch, den japanischen Alltag, soweit dies für einen Europäer möglich ist, darzustellen und richtet den Fokus auf die unerfüllte Liebe eines Jungen zu seinem besten Freund.
So steigert sich dann auch die Handlung ganz langsam, beginnend an einem Tag, an dem noch alles für die Hauptfigur in Ordnung ist, über ihr Coming-Out und den gemeinen Verrat, der immer üblere Quälereien durch Dritte zur Folge hat, bis hin zu einem Punkt, an dem Shunsuke in seiner Verzweiflung nicht mehr weiter weiß und wünscht, dass Tatsuya ihn tötet. Bis hierher entwickelt sich die Story überaus realistisch, denn sie schildert die Probleme, mit denen sich jemand konfrontiert sieht, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt hat, wegen seiner Neigung diffamiert, isoliert und gepeinigt wird. All diese Ereignisse hätten überall stattfinden können, auch in Deutschland oder den USA. Während in den meisten japanischen Mangas diese Konflikte gar nicht oder nur am Rande thematisiert werden, da die romantische Verklärung der Liebe zweier Männer und die Irrungen und Wirrungen, bis sie endlich zusammen kommen, das wichtigste Anliegen sind, sind sie hier das Kernthema. Damit beweist Zombiesmile, dass sie durchaus eigene Wege geht und der japanische Kontext als Hommage an die Vorbilder gedacht ist.
Als Tatsuyas Handlungsanteile zunehmen und Shunsuke schließlich dessen Geheimnis entdeckt, kommt es zu einem unerwarteten Genre-Wechsel, und die Geschichte verliert den Realitätsbezug. Der Plot ist noch immer hoch dramatisch, erstaunliche Enthüllungen werden gemacht, die Wende zum Thriller bringt eine andere Form von Action ins Spiel. Offensichtlich ist auch dies wieder eine Hommage, und zwar an die Serie "Weiß Kreuz", zumal Tatsuya eine gewisse Ähnlichkeit zu Aya (Ran) aufweist, der Hauptfigur aus dem Zweiteiler "Ran und die Feiertage". Ob für Shunsuke Farfarello Pate stand, ist rein spekulativ. Da sich die Künstlerin lange mit "Weiß Kreuz" beschäftigte, bleibt es nicht aus, dass lieb gewonnene Charaktere einfach ‚drin' sind und es eine Weile dauert, bis sie schwinden (beispielsweise sehen die Charaktere in den ersten Mangas von Erio Hori wie Kenshin und Sanosuke aus "Kenshin" aus und auch Kai Tsurugi löste sich bei ihren ersten professionellen Arbeiten nicht sofort von Hakkai und Goku aus "Saiyuki").
Es ist reine Geschmackssache, ob man diese Entwicklung als Bruch mit der bisherigen Handlung empfindet oder ob man der Ansicht ist, dass es jetzt erst richtig spannend wird. Die Entdeckung verändert Shunsukes langweiliges Leben von Grund auf und bietet ihm überdies die Möglichkeit, all seine Probleme hinter sich zu lassen. Vergleichbares wird in der Realität kaum passieren; die Lösung wirkt daher recht konstruiert, leider auch zu einfach, nachdem sich Zombiesmile zuvor so viel Mühe mit dem Aufbau einer nachvollziehbaren Konfliktsituation machte.
Die Erwartungen der Boys Love-Fans werden am Schluss erfüllt. Die entsprechenden Szenen liefern das I-Tüpfelchen, das die Geschichte abrundet und alle zufrieden stellt. Die Szenen sind nicht zu explizit, es gibt nicht wirklich etwas zu sehen, aber man weiß genau, was passiert. Von daher kann man den - auf Wunsch auch signierten - Manga, der in Folie eingeschweißt ausgeliefert wird, Leserinnen ab 16 Jahren empfehlen.
Die Zeichnungen sind durchgehend von gleich bleibender Qualität und deutlich weiter entwickelt als noch in "Ran und die Feiertage". Sicher kommt den Illustrationen auch das kleinere Format zugute (A5 gegenüber A4 bei den Doujinshis), so dass Zombiesmiles Strich feiner und präziser wirkt. Auch stehen stets die Charaktere im Mittelpunkt, es wird viel mit Rasterfolie gearbeitet, und detailreiche Hintergründe, die das kleinere Format übel nehmen könnten, finden sich nur ausnahmsweise.
Einige Charakter-Sketche und eine Farbseite beschließen den sorgfältig erstellten Band, der durch ein kartoniertes Cover, hochwertiges Papier und einen sauberen Druck auch optisch einen sehr guten Eindruck hinterlässt.
Es lohnt sich fraglos, das stetig wachsende Programm von The Wild Side im Auge zu behalten, denn sicher wird es in Zukunft weitere interessante Titel internationaler Künstler geben, die sich auf Boys Love spezialisiert haben.
Möchte man mehr über Zombiesmile erfahren und weitere Bilder von ihr sehen, so stößt man im Internet auf einige informative Seiten, die mehr oder minder regelmäßig gepflegt werden.
Hier einige weiterführende Links:
www.thewildsite.biz
www.lemonshop.de
http://zombiesmile.deviantart.com/
http://yaoi.y-gallery.net/user/zombiesmile/
www.mangaka.de/mangagallerie_suche.php?method=get&target=userid&term=801
www.virb.com/zombiesmile
www.lyrics.de/user/zombiesmile/786392.html

Fazit:
"Lost and Found" wendet sich an das weibliche Publikum ab 16 Jahren, das Boys Love schätzt und sich für die Werke westlicher Künstler interessiert. Zombiesmile gelingt der Balance-Akt zwischen Hommage und Eigenständigkeit, so dass die Leserinnen sowohl bekannte Elemente wie auch Entwicklungen, die weniger ausgereizt sind, entdecken können.


Lost and Found - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Lost and Found

Autor der Besprechung:
Irene Salzmann

Verlag:
The Wild Side

Preis:
€ 10,90

ISBN 13:
978-3-939484-04-2

190 Seiten

Positiv aufgefallen
  • dramatische Story
  • nachvollziehbare Probleme
  • ein optisch ansprechendes Paperback
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
Bewertung
Du kannst diesen Comic hier benoten.

Persönlichen Bookmark setzen für diese Seite
Diese Seite als Bookmark bei Blinklist hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei del.icio.us hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Digg hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Fark hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Furl hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Google Bookmarks hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Mister Wong hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei myYahoo hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Netscape hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Newsvine hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Reddit hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei StumbleUpon hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Technorati hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Yigg hinzufügen  
Oder diesen Dienst benutzen: Social Bookmark Button

Rezension vom: 21.03.2008
Kategorie: One Shots
«« Die vorhergehende Rezension
Takumi-kun 5
Die nächste Rezension »»
Creeper Creek 3: Grausame Enthüllungen
Leseprobe
Zu diesem Titel liegt derzeit keine Leseprobe vor. Sie sind Mitarbeiter des Verlags und daran interessiert uns für diesen Titel eine Leseprobe zu schicken? Dann klicken Sie hier...
Das sagen unsere Leser
Zu diesem Titel existieren noch keine Rezensionen unserer Leser.