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Interview mit Schwarwel

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oth_schwIMG_3142Hallo Schwarwel, seit einigen Tagen ist dein neuer Comic "The Other - Der Fluch des Kultes" überall erhältlich. Erst einmal herzlichen Glückwunsch dazu. Vor fünf Jahren gab es beim Weissblech Verlag bereits einen Comic über die Horrorpunk-Gruppe. Wie kam es, dass Du den neuen Comic geschrieben und gezeichnet hast? Hat die Band Dich auf dieses Projekt angesprochen?

Ja, Rod Usher, der Sänger und Mastermind von The Other, mochte meine Sachen im alten EC-Horrorcomic-Stil, die ich zum Beispiel für EEE, im Die Ärzte-Comic und dergleichen gemacht habe. Da wir uns auch schon durch unseren verblichenen Independent-Vertrieb Devil Connection, wo auch The Other und die anderen Fiendforce-Bands vertrieben wurden, über drei Ecken kannten, kamen dann The Other im Juni 2011 bei uns im Studio vorbei, als sie sowieso gerade beim Leipziger Wave Gotik Treffen mit The Misfits auftraten, und wir besprachen, wie und wo man so einen Comic am Besten aufziehen könnte.

Der Comic erschien nun bei Panini Comics. Kannst Du etwas darüber sagen, warum der Weissblech Verlag das Heft nicht veröffentlicht hat, schließlich wurde deren "The Other" Comic bereits mit der Nummer 1 markiert.


Rod liebäugelte schon mit Panini und deren deutsche Verleger-Etage, vor allem Steffen Volkmer, war auch nicht gänzlich abgeneigt, sofern die Parameter für so ein Projekt feinjustiert werden konnten.
Mit Weissblech sollte das aber alles korrekt ablaufen, denn die Szene ist klein und keiner braucht da einen Shitstorm.
Folgerichtig sollte unser Panini-Heft deshalb auch ursprünglich eine Nummer 2 auf dem Cover haben - aber der Vertrieb stellte sich gottlob quer und so kam doch eine Nummer 1 aufs neue Heft. Als Artist bin ich da natürlich froh drüber, denn verkaufsfördernd ist eine "2" auf dem Cover eher nicht.
Mit Levin Kurio, dem von mir äußerst geschätzten Chef von Weissblech, ist zum Glück auch alles klar. Er war nicht sauer und hat sich sogar gefreut, das The Other den Schritt wagten, es beim Superhelden-Verlag zu versuchen.

i23_i26_The_Other_by_HeilemaniaIm gesamten Heft finden sich Liedtexte von The Other, welche zur Handlung passen. Hast Du Dir die neuen Songs wieder und wieder angehört und dann die Story dementsprechend angepasst oder wie sah die Entwicklung des Comics in Bezug auf die Songs aus?

Als klar war, dass wir den Comic machen, hatte ich gefühlte Minuten später eine grobe Idee der Story von Rod Usher in der Elektropost. Ursprünglich sollte es ein normales EC-Heft werden - also maximal 24 Seiten Story in einem 32-Seiten-Heft, doch mit dem Vertriebskonzept von Panini war klar, dass wir was anderes, größeres brauchten, was auch eine Weile am Markt Bestand hat und beim Bahnhofskiosk nicht gleich wieder in der Retourbox landet.
Also nahm ich die Storyidee und schleifte sie ein Bisschen - meine Idee war, die Geschichte anhand der Other-Songs zu erzählen und so eine ähnliche Wirkung wie in einem Musikvideo oder -film zu erzielen. Da The Other oft auch im Ausland spielen und der Comic auch dort angeboten wird, wo nicht unbedingt jeder deutsch beherrscht, machte es doppelt Sinn: Die Geschichte erschließt sich auch, indem man nur die Songtexte in Englisch liest - klar gehen die Details etwas verloren, aber die Geschichte funktioniert.
Da ich bereits einige Musikvideos und Storyboards gemacht habe, kannte ich mich mit dem Prozedere und ein paar dramaturgischen Tricks aus - statt mir also jeden Tag 1000 Mal jeden Song anzuhören, reichte es also, mir alles ein paar Mal intensiv durchzuhören, um in die richtige Stimmung zu kommen. Danach habe ich einfach die bereits bestehende Storyline mit passenden Songs gekreuzt und in zwei vierstündigen Sitzungen die Geschichte von vorn bis hinten durch dekliniert. Klingt sehr mathematisch, ist es auch irgendwie.

other_comic_pg05smIm Comic wird indirekt der Ausstieg von Migore Drake bei The Other und der Ersatz durch Viktor Sharp thematisiert. War es der Wunsch der Band diese beiden Punkte im Comic anzusprechen?

Unbedingt. Die Grundideen sind ja auch alle von Rod.
Im Weissblech-Comic werden die Origin-Stories der damaligen Other-Members gefeatured - unser "Fluch des Kultes" ist eine Quasi-Fortsetzung, wo auch erklärt wird, wohin es Migore in der Welt der Ghouls verschlagen hat und wie es jetzt mit The Other weitergeht. Rod war dabei immer wichtig, dass jeder der Bandmember gut da steht und seinen Raum bekommt. Ihm war es schon ein Bisschen unangenehm, dass er im Comic so viel Raum bekommt - aber bei einer 40-Seiten-Story fand ich es schon wichtig, dass es da einen Hauptakteur geben muss, der durch die Geschichte leitet - von der attraktiven Hauptdarstellerin mal abgesehen. So eine Art D'Artagnan bei den Musketieren, aber Rod ist schließlich auch das Frontschwein der Band!

Inwieweit hatte die Band folglich Einfluss auf die Entstehung des Comics, was Story und Artwork angeht? Hast Du Ihnen deine Vorstellungen präsentiert und sie haben es quasi abgenickt, oder gab es von deren Seite konkrete Vorstellungen?

Ist "Es soll geil werden!" eine konkrete Vorstellung?
Okay, vor Beginn hatte ich eine Illustration von The Other angefertigt, die jetzt als Poster im Heft beiliegt - darauf hatten sich alle Beteiligten geeinigt: Band, Verlag und ich als Comic-Artist. Damit hatten wir eine Stilvorgabe.
Als mein Drehbuch durch die Band und Panini abgenickt war, habe ich mich an die A4-Layouts gesetzt, die schon relativ genaue Vorzeichnungen waren und die ich später als A3-Ausdrucke für die Pencils weiterverwendet habe - ich bin echt faul und hasse es, Sachen zwei Mal machen zu müssen.
Es gab tatsächlich kaum Korrekturen, da ich selbst ja sehr pingelig und detailversessen bin: Rod hatte mir aktuelle Bandfotos geschickt und ich habe IMG_3599_webmir die Band-Videos und ein paar Konzertaufnahmen angeschaut, um mir die Gesten und Bewegungsabläufe der Bandmembers aufzuhelfen. Dann habe ich mir beim Skribbeln noch ab und an Fanfotos gegoogelt, wenn die naturgemäß doch sehr statischen Bandfotos mich nicht weiterbrachten beim Minenspiel der Protagonisten.
Das gleiche gilt für die Bühnendeko, die ja ein Markenzeichen der Band ist. Rod und ich schickten uns Listen hin und her, wo aufgeführt war, was ich irgendwo unterbringen konnte und was auf jeden Fall rein sollte - wie das Glas mit den Augäpfeln beispielsweise.
Wo es passte, baute ich noch Poster, Plattennamen oder T-Shirt-Design mit ein, ebenso Fansachen, auf die Nerds wie ich total stehen!

Zum neuen Album "The Devils you know" gibt es auch eine Special Edition des Comics. Wie schaut diese aus?

Gute Frage. Ich geb Bescheid, wenn ichs gesehen habe.

other_comic_pg13websmThe Other erreichen mit ihrer Musik ein weltweites Publikum. Gibt es Ideen, den Comic eventuell auch in Englisch herauszubringen?

Die Zweisprachigkeit im Comic ist auch deshalb gewollt, um eben bei den anstehenden Liveshows einfach mal zu testen, wie die Horrorpunks aus anderen Ländern darauf anspringen, im Spätherbst wird es da sicher erste Zwischenergebnisse geben. Auf jeden Fall habe ich auf den Comic hin schon mehrere Anfragen anderer Bands bekommen, die auch so etwas für sich haben wollen.

Wie bewertest Du als Künstler diesen Comic in Bezug auf die Chance neue Lesergruppen anzusprechen. Vom Subway to Sally Storybook weiß ich beispielsweise, dass die meisten Leser im Grunde genommen nicht aus der "Comicszene" stammen.

Beim Cover entbrannte die einzige Diskussion der gesamten Produktion, denn da ging es genau um diesen Punkt: Nimmt jemand das Comic in die Hand, wenn er sich nicht für Comics, The Other oder Horrorpunk interessiert? Ich bin da eher skeptisch, denn das Thema ist doch sehr speziell.
Von unserem Die Ärzte-Comic gingen wirklich richtig viele Hefte über den Ladentisch - gemessen an dem, was man als kleiner Independent-Verlag, der EEE damals war, verkaufen konnte und nicht im Vergleich zu - sagen wir mal - Asterix-Auflagen oder Werner in seinen besten Zeiten. Bei meinen Signierstunden merke ich aber auch jetzt noch, dass viele Fans dieser Band das Heft nur als Sammler-Item besitzen und um sich noch ne Unterschrift darauf abzuholen - Comic als Medium ist den Meisten da eher wurscht und sie fangen deshalb nicht an, sich für Windsor McCay zu interessieren.
Bei The Other ist das schon ein Bisschen anders, da beim Horrorpunk das Medium Comic bzw. speziell der Horrorcomic direkt zur Subkultur aus Horror, Trash und Rock'n'Roll gehört - da kann comicshirtmotivman tatsächlich davon ausgehen, dass das Heft auch gelesen und kritisch betrachtet und abgeklopft wird. Andererseits ist die Horrorpunk-Gemeinde natärlich auch kleiner als die einer Stadionrockband.
Marketingstrategen haben ein Mantra: Verstärke deine Präsenz dort, wo du bereits bist. Also einfach bessere Comics für Comicleser, damit die die Fackel in die Welt tragen und das Medium Comic fester in unserer Popkultur verankern.
Und ganz ehrlich: Genau dieser Comic ist eigentlich eher dazu geeignet, das Schund- und Schmutz-Image unseres Mediums noch zu unterstreichen statt dagegen anzuerzählen - und genau das haben wir damit ja auch gewollt: Sex, Drugs and Rock'n'Roll. Als Vorzeige-Beispiel für wertvolle sequentielle Kunst war dieses The Other-Comic nicht gedacht - es soll Spaß beim Lesen und Lust auf mehr machen. So wie all die vielen anderen Rock'n'Roll-Comics von KISS, den Beatles, den Monkees, nicht zu vergessen: den Ramones undundund.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Danke,
Schwarwel


Weitere Infos:

Homepage The Other

Homepage Schwarwel
Panini The Other Special
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Special vom: 08.08.2012
Autor dieses Specials: Christian Recklies
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Rezension The Other - Der Fluch des Kultes
Rezension Tales Of The Other 1
Rezension The Other - The Devils you know Album
Leseprobe zum Comic Der Fluch des Kultes
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