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Comic-Besprechung - Liebe + Helden

Geschichten:

Liebe + Helden (Originaltitel: Love Fights Vol 1 & Vol. 2)

Autor/Zeichner: Andi Watson


Bonus-Material: Liebe zu Helden (Nachwort von Johanna Draper Carlson)



Story:
Es rumst wieder mitten in der Stadt. Wie selbstverständlich verkloppen sich zwei Typen mit Superkräften, der eine gut, der andere böse, nach Strich und Faden, dass sogar mal wieder die U-Bahn ins Stocken gerät. Dort befinden sich auch Jack, der schüchterne Comic-Zeichner, und Nora, die aufstrebende Klatsch-Journalistin, die frisch in die Stadt gezogen ist. Sie sehen sich zum ersten Mal, und gerade als Jack bemerkt, dass er sie sympathisch findet und nach einem Date fragen will, hält die Bahn an der nächsten Haltestelle, und weg ist die nette Nora.

So geht es Jack laufend. Er zeichnet die tollsten Geschichten vom real existierenden Superhelden „Flamer“, aber selber bekommt er den Mund nicht auf, wenn es darum geht eine Frau kennen zu lernen.

Doch nicht nur sein Liebesleben ist in der Krise. Sein Comic verkauft sich nicht mehr so gut wie früher, da die Reputation des „Flamer“ durch sexuelle Eskapaden angekratzt ist. Sein Tuschezeichner und die Texterin verlassen den Comicverlag und gehen zur Konkurrenz. Sein Heft wird auf zweimonatliche Erscheinungsweise umgestellt, und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, brummt ihm sein Verleger als neuen Zeichenpartner den unglaublich schlechten Inker Donnie „Der Schlächter“ Vincent auf.

Im weiteren Verlauf versucht Jack die Liebe von Nora zu gewinnen. Nora versucht sich als investigative Journalistin eine Reputation zu erschaffen. Und dann ist da noch Jacks Kater Guthrie, die sich auf einmal so komisch benimmt, das Sprechen anfängt und als Superkatze in eigener Mission unterwegs ist.



Meinung:
Im Genre der Superheldencomics gab es das alles schon oft, auch wenn es so mancher nicht wahrhaben will. Liebesgeflüster, kitschige Romanzen, realistische Beziehungen, Soap Opera-Thematik, private Probleme – gerade Stan Lee hatte bereits in den 60er Jahren den Realismus bis hin zu Problemen mit harten Drogen in die heile Heldenwelt geimpft, und moderne Autoren wie Brian Michael Bendis, Ed Brubaker, Robert Kirkman oder Peter David haben die Rezeptur verfeinert.

Etwas weniger üppig sieht es aus, wenn man sich nach Geschichten umsieht, die aus der Sicht des Otto-Normal-Bürgers geschildert sind. Aber selbst seit MARVELS von Kurt Busiek und Alex Ross gab es gleich eine Reihe von Epigonen, die ähnliche Stories zu erzählen versuchten, darunter moderne Klassiker des Genres wie ASTRO CITY oder POWERS.

Der Brite Andi Watson kommt aus einem ganz anderen Lager. Er hat bereits Schwarzweiß-Independent-Comics wie GEISHA, SLOW NEWS DAY oder LITTLE STAR veröffentlicht. Allesamt Kleinode ohne große Breitenwirkung, die ihn aber auch für Mainstreamverlage interessant machten.

Im Jahre 2003, fast zeitgleich, starteten von Watson in den USA zwei verschiedene Serien mit Superhelden-Thematik, wenn man so will. Zum einen bei Marvel Comics die Superhelden-Serie NAMOR, die Watson zusammen mit Bill Jemas textete, zum anderen die Serie LOVE FIGHTS, eine zwölfteilige Maxiserie, die bei Oni Press verlegt wurde.

Unter dem im Gegensatz zum Original nicht so schön doppeldeutigen Titel Liebe + Helden legte der Kleinverlag Modern Tales die gesamte Geschichte in einem sehr schön gemachten Hardcover auf Deutsch vor.

Die Erlebnisse von Jack und Nora, die in einer Welt leben, in welcher Superhelden wie selbstverständlich akzeptiert sind, werden in einem prägnanten reduzierten Strich dargestellt, der in sich stimmig ist. Die Bildfolgen sind filmisch, wenngleich das Stilmittel der Talking Heads dominiert. Emotionen werden passend dargestellt. Humor wird durch Worte, Mimik und Gesten überzeugend in Szene gesetzt. Watson glänzt außerdem durch Sinn für Design und Bild-Layout. Alleine die Titelbilder der Originalserie, die im Buch als Zwischenseiten für die einzelnen Kapitel abgedruckt sind, beeindrucken in ihrer klaren Schlichtheit durch meisterliches modernes Design.

Die geschilderten Ereignisse bilden eine unterhaltsame Liebesgeschichte, die alle Merkmale einer guten Handlung vorweisen kann: humorvoll, spannend, geheimnisvoll, auf eine Weise realistisch, selbst wenn man die zuhauf vorhandenen modi operandi aus der Welt der Superhelden miteinbezieht. Es gibt nicht nur Anspielungen auf Frank Millers THE DARK KNIGHT, es ist auch die Rede von Paralleluniversen oder es wimmelt von zahllosen Seitenhieben auf die US-amerikanische Comicindustrie.

Liebe + Helden sieht nicht nur so aus wie ein gutes Buch, die 320 Seiten lesen sich auch so. Die gesamte Aufmachung, die Modern Tales gewählt hat, passt sehr gut.

Den rundum gelungenen Gesamteindruck stört nur die etwas unglückliche Übersetzung. Der kongeniale, ambivalente Titel des Werks ist nicht leicht zu übersetzen. Dies kann man verschmerzen. Im Buch selber gibt es jedoch zahllose Stellen, bei denen man über Holprigkeiten stolpert.

Was bitte ist ein „Klemmi“? Ein Wort, dass gleich mehrfach vorkommt (im Original:  Choker). Natürlich ist nicht alles leicht zu übersetzen (wenn es zum Beispiel um in der Superhelden-Szene allseits bekannte Standardbegriffe geht, wie Secret Origins), aber wenn offensichtlicher Wortwitz glattgebügelt wird, dann geht vom Charme des Originals einiges verloren. Da wird aus to beat the tar out of each other ein simples „verprügeln“. Da wird aus The Dateless Wonder, einer Anspielung auf lustige Superhelden-Namen, ein merkwürdiges „Mann-ohne-Date“. Oder knapp daneben ist auch vorbei: Als eine U-Bahn knapp einer Explosion entkommt, wird aus dem Ausspruch That’s close ein „Das war dicht“. Vielleicht hatte die Zeit nicht gereicht, um die Sprache einmal gründlich zu massieren, aber die Panels und die sich darin befindlichen Sprechblasen sind stellenweise recht klein und ließen scheinbar nicht viel Raum für Feinheiten.

Fazit:
Liebe + Helden ist eine Beziehungskomödie in Comicform aus einem Guss. Der spartanische Zeichenstil mag manch einen Traditionalisten unter den Comic-Fans abhalten, auf der anderen Seite dürfte diese positive Andersartigkeit Leser begeistern, die eher wenig Comics lesen. Somit ist Andi Watsons Werk als Lektüre für Comic-Unkundige zu empfehlen, wenngleich sie eher schlecht in der Lage sein dürften, die ganzen Superhelden-Versatzstücke gewinnbringend einzuordnen. Unterm Strich ist die gewagte Mischung aus Soap-Opera und Superhelden-Comic gelungen.

Liebe + Helden - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Liebe + Helden

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
Modern Tales

Preis:
€ 28.00

ISBN 13:
978-3-939585-12-1

320 Seiten

Positiv aufgefallen
  • humorvolle Geschichte
  • markanter Zeichenstil mit Gespür für Design
  • charmante Charaktere
  • sehr schöner Gesamteindruck der Hardcover-Ausstattung
Negativ aufgefallen
  • wirkt hastig übersetzt
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Rezension vom: 22.02.2010
Kategorie: One Shots
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