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Comic-Besprechung - S.

Geschichten:

S.
Autor
/ Zeichner / Colorist: Gipi



Story:
S. erzählt seinem Sohn gerne Geschichten. Dabei geht es natürlich vorrangig um beeindruckende Erlebnisse, die S. im Laufe seines Lebens gemacht hatte. Dazu gehören auch Erfahrungen während des Krieges. Aber auch zentrale Ereignisse im Leben mit seinem Sohn. Der Sohn erinnert sich aber auch an einige kritische Szenen und muss am Ende erkennen, dass nicht alles so ist wie es scheint.



Meinung:

Der große italienische Meister Gipi meldet sich mit S. mit einem sehr persönlichen Band über seinen Vater zurück. Gipi konnte mit Bänden wie Aufzeichnungen für eine Kriegsgeschichte, 5 Songs und Die Unschuldigen nicht nur mehrere Preise gewinnen, sondern schaffte es, mit einem scheinbar leichten Strich eine bedrückende und beeindruckende Atmosphäre zu schaffen. Gerade in den Aufzeichnungen, einem prinzipiell brutalen Band, enthält er sich jeglicher graphischen Schilderung von Gewalt. Und doch atmet der ganze Band diese Gefahr aus. S. ist etwas warmherziger als die vorgenannten, obwohl es denen an Gefühl und Empathie für die Figuren nicht fehlte. Das liegt vor allem daran, dass S. autobiographisch gefärbt ist und Gipi hier seinem Vater Sergio ein kleines, durchaus kritisches Denkmal setzt. Der Band bewegt, rührt den Leser aber nicht krampfhaft zu Tränen. Alle Seiten durchgleitet eine Nostalgie und eine Sehnsucht nach dem Vater. Allerdings wird der Vater nicht verklärt, sondern es kommen auch die Konflikte zwischen Vater und Sohn zur Sprache. Vor allem während der Pubertät scheinen sich die beiden nicht sonderlich verstanden zu haben und der für die Adoleszenz so typische provokative Widerstand gegen die elterliche Autorität scheint später starke Gewissensbisse zu verursachen. Aber auch der Vater ist nicht ganz so, wie ihn der Junge kennen gelernt hat.

So hält Gipi sehr gelungen die Balance zwischen Reflektion und Erinnerung. Das liegt vor allem daran, dass ein sehr zurückhaltender, schonender Tonfall vorherrscht. S. ist keine Biographie des Vaters, sondern behandelt vielmehr das Thema, wie erzählte Erinnerungen auf ein Kind einwirken und das Verhältnis zum Vater prägen. Ein Kind ist gegenüber Erwachsenen immer im Rückstand. Schon aufgrund der gemachten Erfahrungen, welche mit dem Alter einhergehen. Diese Erfahrungen werden außer durch die Erziehung auch durch Erzählungen weitergegeben. Diese speisen sich wieder aus Erinnerungen. Erinnerungen müssen aber nicht immer zu den erzählten Geschichten passen. Nicht nur ändern sich Erinnerungen im Laufe der Zeit und bekommen je nach Erzählsituation eine andere Bedeutung, sondern sie eignen sich im Laufe des Erzählens ihre ganz eigene Dramaturgie an. Und so werden sie mehr zu Geschichten als zu Erinnerungen und müssen dementsprechend  nicht immer wahr sein. Wenn man dieses erkennt, kann eine große Ernüchterung eintreten, was aber nicht zu Lasten der Emotionen dem anderen gegenüber führen muss. Und so ist das Ende des Bandes auch sehr bewegend und kann mit kleinen Szenen eine große emotionale Wucht entfalten.

Die Aquarelle sind sehr gelungen und vermögen gerade in den ganzseitigen Panels zu überzeugen. Es gehört zu Gipis Stil, die Hintergründe als Aquarelle zu gestalten, um später seine Figuren mit feinem Strich hineinzuzeichnen. Dadurch bekommen die Zeichnungen immer eine gewisse Leichtigkeit. Umso beeindruckender sind dann die düsteren Panels. Leider leidet der Band manchmal an nicht nötigen Wiederholungen. So kommen einige vollkommen identische Textpassagen bisweilen dreimal auf zwei nebeneinanderliegenden Seiten vor. Das betrifft dann auch eigentlich so irrelevante Informationen wie die Namen von zwei Männern, die im ganzen Rest des Bandes keine Rolle mehr spielen.



Fazit:
Ein bewegender, aber nicht rührender, autobiographischer Band von Gipi, der hier seinem Vater ein kleines, aber nicht unkritisches Denkmal setzt. Zudem gerät der Band zu einer kleinen Studie über Erinnerungen, die sich im Rahmen von Erzählungen verändern und so einen falschen Eindruck hinterlassen können. Viele überflüssige Wiederholungen schmälern etwas den Eindruck dieses ansonsten hervorragenden Bandes.

S. - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

S.

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 18

ISBN 10:
3943143112

ISBN 13:
978-3943143119

112 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Erinnerungen und Dramaturgie
  • bewegend, ohne allzu rührend zu sein
  • stimmungsvolle Zeichnungen
  • durchaus kritische Liebeserklärung
Negativ aufgefallen
  • bisweilen viele Wiederholungen
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Rezension vom: 18.07.2012
Kategorie: Rezensionen
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