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Comic-Besprechung - Vampir

Geschichten:
Vampir
Autoren/Zeichner:
Joann Sfar



Story:
Dem Ingenieur ist nichts zu schwör. Und wäre die Liebe so einfach, sagen wir, wie der Bau der Apollo 11, dann hätte der liebe Vampir Ferdinand wahrlich keine Probleme. Aber auch Untote und Spukgestalten des weiblichen Geschlechts stammen von der Venus und so müssen sich die werten Marsianer so ihre Gedanken machen, wenn sie das andere Wesen verstehen wollen. Die Ausgangslage ist für Ferdinand aber denkbar schlecht, denn gerade hat ihn seine Freundin, die Mandragora Liou, verlassen. Mit seinem besten Freund. Mit dem Argument, er sei selbst schuld, er könne ihr ja mehr vertrauen. Was soll man sagen. Unter diesem Stern entfalten sich dann die weiteren Episoden, die Ferdinand in ein Hexenhaus führen, auf ein Kreuzfahrtschiff und in die Hände eines seltsamen Zahnarztes, der ein dunkles Geheimnis verbirgt. Reden wir erst gar nicht von der Monsterpaste.


Meinung:
Die große Welle des Vampir-Hypes hat sich inzwischen gebrochen und im Zuge der weißen Gischt hat der Avant-Verlag den ersten Band einer Gesamtausgabe von Joann Sfars Vampir vorgelegt. Im Grunde kein schlechter Zeitpunkt, denn mit den Glitzervampiren à la Twilight hat der Vampir Ferdinand höchstens das schwierige Liebesleben gemein. Ansonsten zeigt der sehr schön reduziert gestaltete 216 Seiten starke Band bereits, dass hier nicht Bela Lugosi für den untoten Blutsauger Pate stand, sondern der stilbildende Nosferatu aus dem gleichnamigen Film von Felix Murnau. Dies schon vorweg: Gut so!

Joann Sfar ist einer der vielseitigsten, kreativsten und mit seinen Geschichten anspruchvollsten Autoren des französischsprachigen Raumes. Betrachtet man die Menge der von ihm erdachten und teils auch gezeichneten Geschichten kann einem schon schwindelig werden angesichts der schon irrsinnig anmutenden Anzahl an Publikationen. Desmodus der Vampir (quasi eine kleine Version von Ferdinand), Die Katze des Rabbiners, Chagall in Russland, Professor Bell, Die kleine Welt des Golem, et cetera allein bei Avant und nicht zu vergessen, die bei anderen Verlagen erschienenen Comics des Autors/Zeichners, wie zum Beispiel Sokrates der Halbhund oder Der kleine Prinz: Nach der Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry. Darunter füllt allein die Serie Donjon einen beträchtlichen Teil des Bücherregals. Viele andere sind noch nicht einmal auf dem deutschen Markt erschienen.

Der jetzt erschienene Sammelband Vampir enthält die ersten vier Bände der Reihe. Mit seinem Stil weiß Joann Sfar wieder zu überraschen. Teils auf einfachsten Niveau gehaltene Zeichnungen, die sich manches mal nicht um Perspektive scheren, ergänzen sich auf magische Weise mit der von einer guten Portion melancholischer Liebe getragenen Geschichte. Denn jeder, wirklich jeder, hat so seine Schwierigkeiten mit dem Gefühl, welches die Welt (auch die der Untoten und sonstigen Gestalten) am Laufen hält. Hinzu kommt, dass Ferdinand mit dem weiblichen Geschlecht nicht allzu geschickt umgeht. Jeder hat seine besondere Form von Knacks und manche Figur ist auch unverschämt frech. So soll Ferdinand dankbar sein, dass seine Freundin ihn mit einem Freund betrogen hat und nicht mit einem Unbekannten.

Doch auch außerhalb der Irrungen und Wirrungen der Liebe erlebt Ferdinand die absonderlichsten Geschichten. Zerstreute Hexen auf laufenden Kessel, die denken sie seien seine Großmutter, Abende in seltsamen Gruftidisko wahlweise mit oder ohne Werwolfbegleitung, eine Seereise, die allerhand Mumienabenteuer bietet, die Ermittlungshilfe in einem ungewöhnlichen Mordfall oder die Rettung eines unglücklichen Schachroboters (weiblich). Ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn Ferdinand plötzlich Monsterpaste in die Hände gerät.

Im Grunde kommt alles aber immer wieder auf die Frage zurück: liebt sie mich oder liebt sie mich nicht. Nicht nur Ferdinand scheint trotz seines hohen Alters einiges an Nachholbedarf zu haben, was die Kunst der Verführung angeht. Auch seine Freunde stehen vor den gleichen Fragen, wie die Lebenden. Die Ansätze sind dabei so verschieden, wie die Lösungen und Verwicklungen. Beschönigt wird dabei nichts und so finden Unsicherheit und Fehlentscheidungen auch in die Liebeswirrungen Eingang, ohne dass sie im Sinne eines Happy Ends am Ende gütlich aufgelöst werden. So ist das Leben nicht und erst recht nicht das Leben der Nichtlebenden und sonstigen Nachtgestalten. Aber wo Licht ist, ist nunmal auch Schatten und manche Liebelei hat eben ihre unschönen Seiten, wie Ferdinand unschön am eigenen Leib erleben muss (obwohl er selbst ein ebenso großer Schwerenöter und emotionaler Elefant im Porzellanladen sein kann).

Aber egal in welche Situationen Ferdinand gerät, sein Umfeld sticht letztlich alles aus. Golems, alternative Rabbiner, Mandragorawurzeln in Frauengestalt, Baummenschen, alte und junge Hexen, als Stola zweckentfremdete Geister. Selbst die eher normal erscheinenden Personen bekommen im rechten Licht eigentümliche Schattierungen. So heißt es beispielsweise bei Ferdinands Freund Michael Buffon: Er trinkt Blut und er fliegt, ist aber wahrscheinlich kein Vampir. Man mag kaum glauben, dass Joann Sfar die Figur als Hommage an Lewis Carroll versteht.

Neben dem kunterbunten und leicht gestörten Cast finden einige andere Figuren aus Joann Sfars Oeuvre ebenfalls ihren Platz in dem dicken gelben Band. Als prominentster wäre hier Professor Bell zu nennen, der ebenfalls mit einer Reihe beim Avant-Verlag vertreten ist. Und auch die Katze von Vampir Ferdinand erinnert an eine andere berühmte Katze aus Sfars Werk.

Einen kleinen Einblick hinter die Kulissen liefern die am Ende des Bandes präsentierten Extras. Zum Teil sind sie augenzwinkernd gemeint, wie das ausführliche Interview mit Ferdinand dem Vampir, kann man aber durchaus als Schau auf die Charakterentwicklung vertehen. Daneben gibt es etliche Skizzen, die Sfars Bandbreite deutlich unter Beweis stellen und die vielen Querverweise der Figuren offenlegen. Inspiration sammelte Sfar nicht nur in bekannten literarischen Werken, der Kabbala und anderen mystischen Quellen, sondern auch im eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis. Zwischen den Zeilen gibt es dann für aufmerksame Leser en passant ein kleines Making-Of. Sfars Schaffen scheint sehr eng mit seinem persönlichen Werdegang verbunden zu sein, zumindest geht er damit sehr offen um.


Fazit:
Vampir ist eine Serie, die manchem erst auf den zweiten Blick ans Herz wächst. Der Comic lebt nicht vom ersten Anschein, sondern zieht einen mit seinen eigentümlichen Charakteren und teilweise wunderbar absurden Episoden nach und nach in seinen Bann. Vielleicht hat etwas von der mystischen Kraft der Kabbala auch auf Vampir abgefärbt. Einfach mitreissen lassen.


Vampir - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Vampir

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 29,95

ISBN 13:
9978-3-939080-74-9

216 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • charmante Charaktere
  • in den Wirrungen der Liebe gefangen
  • mit ganz eigenem Zauber
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
Bewertung
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Rezension vom: 30.01.2014
Kategorie: Alben
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