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Comic-Besprechung - Wraith - Todesfahrt ins Christmasland

Geschichten:
Joe Hill: Wraith
Autor:
Joe Hill
Zeichner: Charles Paul Wilson III
Farben: Jay Fotos

Story:
Ein schwarzer Rolls Royce Wraith, Baujahr 1938, zieht über die Straßen Amerikas. Während sich auf der Rückbank ängstliche Kinder lümmeln, ist er zielstrebig auf dem Weg ins Christmasland. Einem Ort, der nur in Charles Talent Manx Verstand existiert, aber genauso real sein kann, wie alles andere. Man braucht nur ein besonderes Fahrzeug um die Wand zwischen Vorstellung und Realität zu durchbrechen, um an sein Ziel zu kommen. Doch in Manx Phantasie möchte man nicht ankommen, entführt er die Kinder doch in eine Abart eines Weihnachtsvergnügungsparkes, der mehr der Hölle entspricht als dem Versprechen ungetrübten Vergnügens. Doch haben die Kinder erstmal die Schwelle in Manx Geisteswelt überschritten, sind sie verändert und gieren nicht nur nach grausiger Ablenkung, sondern auch nach Blut.


Meinung:
Charles Talent Manx ist ein ganz spezieller Chauffeur. Kinder liegen ihm sehr am Herzen, weshalb er ihnen einen Ort beschert, in dem jeden Tag Weihnachten ist: Christmasland. Viel Spaß, keine Sorgen, keine bösen Eltern mehr. In Charles Manx Version ein ganz neuer Alptraum.

Gerade wo man denkt inzwischen einige Vampirarten kennen gelernt zu haben und Zombies momentan sowieso viel interessanter zu finden, kommt Joe Hill mit einer neuen und sogar erfrischenden Variante des Blutsaugers um die Ecke. Wobei gleich klarzustellen ist, Charles Manx ist kein Vampir im klassischen Sinne, wie es das Nummernschild an seinem Rolls Royce Wraith andeutet (NOS4R2). Es ist nicht das Blut von dem er sich ernährt - das tun dann die Kinder, wenn er sie in sein Christmasland hinüber rettet - sondern Seelen.

NOS4R2 von Joe Hill, der (man muss es inzwischen immer erwähnen) schon seit einer Weile in die schriftstellerischen Fußstapfen seines Vaters Stephen King schlüpft und bereits für Locke & Key verantwortlich ist (ebenfalls auf Deutsch bei Panini erhältlich) und das grandiose Blind (auf Englisch: Heart-Shaped Box) mal eben als ersten Roman raushaute, hat mit Charles Manx eine neue Horrorgestalt ins Leben (!?) gerufen. Gleich vorweg, mit dem Roman NOS4R2 kommt Hill an sein Debüt nicht heran - überflügelt Teufelszeug (auf Englisch: Horns) jedoch um einiges. Er erregt nicht denselben Schauder, wie bei seinem Erstling und verzettelt sich in einem zu sehr zurückgehaltenen und im Endeffekt unspektakulären Finale. Aber das Problem etwa 200 bis 300 Seiten zu viel zu schreiben, scheint in der Familie zu liegen.

Wraith - Todesfahrt ins Christmasland kann hier eindeutig punkten, denn das Medium bedingt es, dass man bei so einer Mini-Serie etwas schneller zur Sache kommen muss. Dabei erschöpft sich Hill nicht in einer abgespeckten Adaption seines Romans. Statt dessen bleibt er dem Trend zum Prequel treu und lässt den Leser daran teilhaben, wie aus Charles Talent Manx das Ungeheuer wurde, welches seine eigene pervertierte Version vom Weihnachtsland kreierte. Insbesondere bekommt man ein greifbareres Christmasland zu sehen, welches im  Buch zu kurz kommt.

Dessen weitere Ausarbeitung lag in Charles Paul Wilson III fähigen Händen. Die feine Linie ist nicht seins. Gerne greift er auf grobe Schraffuren zurück und überzeichnet seine Charaktere. Dadurch wirken die Zeichnungen unsauber und vermitteln eine düstere Grundstimmung gegen die selbst das unschuldige Weiß des Schnees nichts anhaben kann. Nach diesem wird man vergeblich suchen, denn ergänzend zu den schmutzigen Tuschebildern, sind Jay Fotos Farben nie wirklich rein und unverdorben. Der Schnee ist mit Grau vermischt, der Himmel meist blass und von Schlieren durchzogen. Die Farben wirken als seien sie durch einen wolkenverhangenen Filter gezogen. Nahezu nirgendwo ist das Licht stark genug ausgeprägt, um sie leuchten zu lassen, überall fehlt ihnen der lebendige Glanz. So schafft es Wraith - Todesfahrt ins Christmasland gleich von Beginn an ein unangenehmes Gefühl zu vermitteln. Selbst die Passagen, die nicht im verdrehten Weihnachtsland spielen, nehmen durch die matten Farben das Unheil vorweg. Gerade einmal zwei Seiten vermitteln so etwas wie warme Hoffnung und Fröhlichkeit und geben doch nur eine Rückschau wieder, Vergangenes, was für den Leser bereits tragisch überlagert ist.

Grauselig gelingt vor allem das berüchtigte Christmasland. Bekommt man in Wraith - Todesfahrt ins Christmasland endlich die Erklärung, warum es für Charles Manx unbedingt ein Weihnachtsrummel sein musste und nicht einfach ein üblicher Vergnügungspark (der in manchen Geschichten gleichfalls für Schauer gut ist), so überlässt Joe Hill im Roman der Phantasie des  Leser fasst zuviel, so spärlich sind am Ende dann die Beschreibungen des tatsächlichen Schreckensortes. Charles Paul Wilson III ist dagegen sehr beschäftigt diesem Ort Konturen zu verleihen und gerade die morbideren Aspekte herauszuarbeiten.

Die zweite Geschichte des Comics, in der eine Reihe von Erwachsenen entführt wird (zum Verfüttern und "Spaß haben"), dient quasi als Reisedokumentation durch dieses Land, welches seine Heimat in Manx Vorstellung hat. Und da scheint einiges in seiner Psyche schiefgegangen zu sein. Wilson gelingt es viele positive Aspekte von Weihnachten in ihr Gegenteil zu verkehren, gelegentlich so subtil, dass man es Überblättern könnte, bei näheren Hinsehen jedoch merkt, was sich hier an Schrecken auftut. Und dann kommen erst die von Manx entführten Kinder hinzu, die ebenfalls einer staken Wandlung unterzogen wurden und am ehesten die Vampire verkörpern, die das Nummernschild des Wraith erst andeutet. Sind sie im Buch auch etwas schaurig/schrecklicher beschrieben, hat man im Comic gleich den unmissverständlichen Eindruck es hier mit Raubtieren zu tun zu haben. Hungrige Hyänen könnten einen nicht schöner angucken, Katzen nicht glücklicher ihre Beute mit der sie gerade beschließen erstmal zu spielen.

Weniger überzeugen kann der Epilog des Bandes, der mehr einer bebilderten Geschichte, denn einem Comic gleicht. Die Geschichte an sich verknüpft geschickt einige der losen Fäden des Bandes, zieht kleinere Querverbindungen zur Vorlage und hätte als Kurzgeschichte funktionieren können. So ist sie weder Fisch noch Fleisch, weder Prosa noch Comic und verliert dadurch.

Auch wenn die Mini-Serie für sich alleine stehen kann, gewinnt sie durch die Lektüre des Buches. Manches kann der Comic nur andeuten, anderes lässt er aus. Die Beziehung zwischen Manx und seinem Rolls Royce Wraith wird erklärt, doch weitere Feinheiten der Beziehung zwischen den beiden ergibt nur das Buch. Wobei der Comic durch die Herangehensweise an Manx, der insgesamt recht passiv rüberkommt, was so gar nicht der Vorlage entspricht, das Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Wagen schon durchscheinen lässt. In gewissen Sinne ist auch Manx Opfer seines Wagens, denn selbst wenn er ihm einiges ermöglicht, so beraubt er Manx letztlich auf dieselbe Weise seiner Menschlichkeit, wie dies bei den mitgenommenen Kindern geschieht. Gänzlich außen vor lässt der Comic, was eigentlich mit den Eltern der Kinder passiert, die Manx entführt. Vermutlich wäre das dann doch etwas zu Ernst geworden für die Mini-Serie, die den Horror zwar blutig, doch eher augenzwinkernd und spielerisch nimmt.

Bedauerlicherweise - zumindest wenn man den Roman als Grundlage heranzieht - weicht Hill in Wraith - Todesfahrt ins Christmasland - an einigen Punkten markant von seiner eigenen Geschichte ab. Im Comic scheint es so, als wäre Charles Manx tatsächlich Chauffeur für manche Leute und nicht unbedingt der Manipulator, der möglichst viele Kinder vor der harschen Realität in seinen Vergnügungspark retten will und dafür auch Erwachsene in seine Dienste spannt. Und - was viel schwerer wiegt - deutet die kurze Geschichte am Schluss an, dass Manx auch Erwachsene ins Christmasland bringt, die sich dann ebenfalls verwandeln. Das passt so gar nicht zu den Motiven von Manx, der Erwachsene höchstens als Spießgesellen und später Leckerbissen für seine Kinder nutzt. Kinder liegen ihm auf verdrehte Art am Herzen, Erwachsene sind für ihn dagegen nur Monstren, vor denen man sich und die Kinder schützen muss.


Fazit:
Wraith - Todesfahrt ins Christmasland ist ein stimmungsvoller und wohldosiert brutaler Comic, der sich vor der Romanvorlage nicht zu verstecken braucht. Im Gegenteil bereichert er die Geschichte um Charles Talent Manx um dessen Vorgeschichte und bringt mal eine etwas andere Art von Vampir ins Rampenlicht. Leider ergeben sich einige ärgerliche Inkonsequenzen zur Vorlage, die den Lesern des Romans eventuell aufstoßen wird. Ansonsten lohnt sich auch im Frühjahr diese winterlich angehauchte Schauergeschichte.


Wraith - Todesfahrt ins Christmasland - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Wraith - Todesfahrt ins Christmasland

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 19,99

ISBN 13:
978-3-95798-199-8

172 Seiten

Positiv aufgefallen
  • neue Schauergestalt mit Potential
  • verdrehte Weihnachtswelt
  • düstere Ausarbeitung
Negativ aufgefallen
  • Inkonsistenzen zur Vorlage
  • unbefriedigender Epilog schließt ab
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Rezension vom: 12.05.2015
Kategorie: One Shots
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