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Comic-Besprechung - Dr. Watson

Geschichten:
Dr. Watson
Autor: Stéphane Betbeder, Zeichner: Darko Perovic, Colorist: Véronique Daviet, Axel Gonzalbo


Story:
1891 starb Sherlock Holmes an den Reichenbachfällen bei einem Kampf gegen Professor Moriarty. Holmes Freund Dr. Watson ist zutiefst erschüttert und möchte den Tod des genialen Detektivs nicht wahrhaben. Während sich seine Freunde zunehmend um ihn sorgen, entdeckt Watson einen teuflischen Plan, welcher die Seele des toten Holmes in Gefahr bringt. Doch kann Watson allein bestehen oder steht er sich selber im Wege?


Meinung:
Mit Dr. Watson liegt wieder ein Splitter Double vor, in dem zwei Bände in einem veröffentlicht werden und somit die Story abgeschlossen präsentiert wird, welche zu dem aufgebauten Comic-Universum von Sherlock Holmes gehört. Manche Fans des Detektivs dürften etwas pikiert gewesen sein. Denn wenn auch die Zeichnungen jeweils in ihrem Detailreichtum und dem Realismus hervorragend das viktorianische Zeitalter aufleben lassen, so ging der Inhalt der Holmes-Comics der letzten Zeit doch deutlich in Richtung Horror, Science-Fiction und Mystizismus. Aspekte die manche befremden dürften, aber für die Leserschaft welche offen für die Erweiterung des Charakters und seines Umfeldes waren, war das bislang ein einziges Vergnügen.

Auf den ersten Blick ist Dr. Watson auch wieder ein mystisch angehauchtes Krimiabenteuer. Insofern steht er in einer Tradition mit den letzten Bänden. Holmes ist tot. Bei einem Kampf mit Professor Moriarty an den Reichenbachfällen stürzte er in die Tiefe. Watson, sein engster Freund, Gefährte und Biograph, ist zutiefst erschüttert und seine Trauer ist so tief, dass sein Umfeld sich Sorgen um ihn macht. Er will den Tod nicht wahrhaben und macht sich stattdessen auf die Suche nach Moriarty, um Holmes zu rächen. Doch dann scheint es übersinnlich zu werden und die Gangster wollen anscheinend nicht nur Holmes Körper zerstören, sondern auch seine Seele.

Gerade dieses ist ein zentraler Punkt. Vorrangig ist das der Auslöser der Handlung der irgendwie mystisch verschwurbelt klingt, den man aber einfach mal so hinnehmen muss, denn es ist nur die offenkundige Symbolik. Denn der Kampf um die Seele zieht sich durch den ganzen Band. Wobei es auch um die von Watson geht. Es geht ihm um die Suche nach sich selber. Wer ist er denn nun, wo Holmes, der seine ganzen letzten Jahre bestimmt hatte, nicht mehr da ist? Er war untrennbar mit dem Detektiv verbunden und nun wo die Bindung weg ist, weiß er nicht mehr wo er hingehört. Zudem plagt ihn ein Posttraumatisches Stresssyndrom. Nicht nur was Holmes angeht, sondern auch seine Erlebnisse als Militärarzt in Afghanistan holen ihn ein. Hier geht es also nicht um einen reinen Kriminalfall, welcher nur als Aufhänger genutzt wird, sondern um ein Portrait von Watson und eine charakterliche Ausleuchtung die gerade in den ursprünglichen Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle oft unterschlagen wurde. Watson war eher der Stichwortgeber von Holmes, der Sidekick in dessen Gegenwart das Genie glänzen konnte. Aber auf eine gewisse Weise war Watson auch Conan Doyle selbst.

Das wird hier aufgegriffen und eine intelligente und geschickte Metaebene geschaffen. Nicht nur wird das Konzept des Posttraumatischen Stresssyndroms in ein viktorianisches Setting gebettet, auch hier wieder wird man von  den detailreichen und geschickt aufgebauten Zeichnungen gut hineinversetzt, sondern Watson trägt Züge seines Erfinders. So spiegelt der Mystizismus und das Spirituelle das Interesse Conan Doyles wieder, der zeit seines Lebens an Medien, Geistersitzungen und übernatürliche Wesen glaubte, aber auch sein Frust über seine Figur, die ihn, den Erfinder, überflügelte. Doyle sah es nicht gern, dass seine Fiktion zunehmend für real gehalten wurde und ihn Briefe für Holmes erreichten. Selbst heute noch sollen Briefe in der Baker Street eingehen, die Holmes um Hilfe bitten. Die Vermischung zwischen Fakt und Fiktion ist nach einem ungeheuren Twist das große Thema dieser Erzählung und zeigt wunderbar auf, wie überhaupt der Eskapismus funktioniert. Nämlich indem eine erfundene Welt das triste Dasein erhellen kann. Insofern liegt hier ein wirklich gelungener Band vor, der gleich mehrere Metaebenen erschafft und dabei dennoch nicht überladen wirkt, sondern spannend und gut lesbar ist. Eine wirklich positive Überraschung.


Fazit:
Eine wirklich positive Überraschung. Es werden viele Metaebenen und intelligente Lesarten geschaffen ohne das es überladen wirkt oder die spannende Lektüre schmälert. Ein Geheimtipp.


Dr. Watson - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Dr. Watson

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 19,80

ISBN 10:
3958394531

ISBN 13:
978-3958394537

96 Seiten

Positiv aufgefallen
  • detailreiche Zeichnungen
  • verschiedene Metaebenen
  • Spannung und Twists
  • Vermischung Fakt und Fiktion
  • mystischer Aspekt nur als Aufhänger
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 18.04.2018
Kategorie: Alben
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