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Comic-Besprechung - Giacomo C. – Gesamtausgabe Band 6

Geschichten:
Goldlöckchen
Die Maus in der Falle
Text Jean Dufaux
Zeichnungen: Griffo


Story:
Der letzte Band der Gesamtausgabe zu „Giacomo C.“ – damit ist dann der erste Zyklus abgeschlossen – enthält zwei Alben, in denen sich Giacomo C. wieder mitten hinein in politische Intrigen. In „Goldlöckchen“ übernimmt Parmeno den Leibwächterjob für eine junge Frau. Denn er und sein Herr brauchen dringend Geld. Nicht zuletzt deshalb, weil Giacomo seine letzte Affäre aufgrund mangelnder finanzieller Ausstattung verloren hat. Aber mit diesem Job geraten die beiden Mitten hinein in brisante Verwicklungen.
Bei „Die Maus in der Falle“ entwickeln sich die Verwicklungen sehr zum Nachteil von Giacomo. Er verliert den Schutz des Dogen und wird zur gesuchten Person. Ihm droht die Hinrichtung – alte Rechnungen sollen beglichen werden. Zwei drittel des Bandes erzählt die spannende flucht durch Venedig, in der viele Personen aus dem Universum rund um Giacomo noch einmal auftreten dürfen, um ihm zu helfen.



Meinung:
Das Sittengemälde Venedigs im Rokoko von Dufaux und Griffo biegt in die Zielgerade ein. Der sechste Band der bibliophilen Gesamtausgabe präsentiert die beiden Abschlussbände des ersten Zyklus. Dufaux porträtiert eine Stadt, deren Hochzeit hinter ihr liegt. In allen Gassen springt einem der Zerfall entgegen. Mit dem Maler Giovanni Antonio Canal, besser bekannt als Canaletto, dem Komödiendichter Carlo Goldoni und dem Komponisten Antonio Vivaldi unterstreicht die Stadt zwar noch einmal ihre Bedeutung als kulturelle Hochburg, aber die Zeichen sprechen eine deutliche Sprache: Die kulturgeschichtliche Epoche des Rokoko und damit das ideologische Grundgerüst der Stadt schwinden und verlieren an Bedeutung.
In dieser Umgebung muss sich Giacomo mit seinem Diener ein letztes Mal gegen den ewigen Widersacher Marquis San Vere durchsetzen. Es ist ein würdiges Finale der ersten Staffel. Denn Dufaux lässt hier noch einmal alle wichtigen Menschen der vorherigen Bände auftreten. Und wie bei einem guten Lustspiel arrangiert er seine Personen so, dass es zu einem großen Finale kommen kann. 
Und nicht nur das: Zum ersten Mal innerhalb der Serie gestattet der Szenarist seinen Protagonisten theatrische Monologe, in denen sie ihre Motivationen einem imaginären Publikum darlegen. Hier wechselt er fast völlig das Medium und wir können einem Theaterstück auf dem Papier verfolgen. Und wie bei einer richtigen Theatervorführung fiebert der Leser dem großen Finale entgegen. 
Bei aller Spannung und Dramatik sind die beiden Macher von „Giacomo C.“ um hohe Authentizität bemüht. Dennoch ist die Serie entgegen allem Anschein kein Historiencomic im engeren Sinne, wie Verleger Eckart Sackmann in einem redaktionellen Text in einem der vorherigen Bände erläutert. Denn das, so der Verleger weiter, was wir gemeinhin unter Geschichte verstünden, also die politischen Ereignisse, verknüpft mit dem Wirken eminenter Persönlichkeiten, spiele in diesem Comic keine Rolle. Im Gegensatz beispielsweise zu „Murena“, kommen bei „Giacomo C.“ bekannte Persönlichkeiten nur am Rande vor. 
Die Darstellung der Stadt ist ebenfalls nur annähernd authentisch. Griffo war noch nie in Venedig: „Ich kenne die Stadt nur über Bilder, die andere von ihr gezeichnet haben, vor allem die Maler des 18. Jahrhunderts. Mein Venedig ist ein idealisiertes Venedig, eine Stadt aus der Vorstellung. Ich sehe Venedig als eine mythische, allegorische Stadt jenseits von Zeit und Raum. Im Lauf der Jahrhunderte blieb sie immer gleich, veränderlich und doch unzeitlich. Sie bildet ein eigenes Universum mit eigenen Regeln und Gesetzen, eine geschlossene Welt. Von ihrer geografischen Lage her kann sie sich weder erweitern noch wandeln. Sie ist dazu verdammt, leise zu vergehen. Das ist natürlich sehr romantisch.“ Das sind eben die künstlerischen Freiheiten, die sich Dufaux und Griffo nehmen.
Daneben ist es für mich der große Schuss an Komik, die diese Serie so liebenswert machen. Alleine die verwirrenden Dialoge voller Missverständnisse, die immer wieder in die Geschichte eingestreut werden. „dann waren Frauen dabei“ – „Ich denke wohl nur Frauen“ – „Keine Männer“ – „Männer? Nein, Signore, so einer bin ich nicht! Was denkt ihr von mir?“ – „Alle in Lumpen?“ – „Nein, in Samt und Seide!“ – „Bettler in Seide?“ – „Frauen in Lumpen?“ Der eine spricht vom Rauswurf aus einem Bordell, der andere von einem Aufstand. Klasse gemacht!
Noch schnell ein Wort zur bibliophilen Ausgabe – auch wenn ich mich da bei Comicplus nur wiederholen kann: Wie alle Bände aus dem Gesamtausgaben-Programm des Verlages, erfüllt der Band hohe Ansprüche. Gute Bindung, sehr feiner Druck, farbiges Vorsatzpapier – eine rundum bibliophile Ausgabe, mit strenger Limitierung auf 1000 Exemplare. Informative redaktionelle Seiten runden den sehr positiven Eindruck ab.
Kurzer Nachtrag: Im Nachwort berichtet Sackmann, dass in Frankreich bereits der erste Band eines zweiten Zyklus vorliegt. Vielleicht kommt da ja noch was auf uns zu…



Fazit:
Eine Gesamtausgabe, die wirklich keine Wünsche offen lässt. Verlegerischer Einsatz und Akribie, die sich auszeichnen. Ein lebendiges Sittengemälde Venedigs in einer absolut bibliophilen Ausgabe. Ohne Wenn und Aber inhaltlich ein Klassiker, wunderschön präsentiert. Als musikalische Untermalung empfehle ich Vivaldi „Die vier Jahreszeiten, recomposed by Max Richter“



Giacomo C. – Gesamtausgabe Band 6 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Giacomo C. – Gesamtausgabe Band 6

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
comicplus+

Preis:
€ 34

ISBN 13:
978-3-89474-311-6

120 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Bibliophile Aufmachung
  • Lebendiges Sittengemälde
  • Spannender Abschlussband
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 04.01.2020
Kategorie: Alben
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