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Comic-Besprechung - Vatermilch – Teil 1

Geschichten:
Die Irrfahrten des Rufus Himmelstoss. 
Text und Zeichnungen: Uli Oesterle.


Story:
Uli Oesterle schildert die tragische Geschichte von Rufus Himmelstoss und seiner Familie. Rufus ist ein Markisenvertreter in den 1970er-Jahren. Er bereist die wohlhabenden Münchener Vorstädte und versucht dort seine Produkte an den Mann, vornehmlich aber an die Frau zu bringen. Dabei entspringt aus der Verkäufer-Kundin-Beziehung des Öfteren eine erotische Beziehung. Rufus ist dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt und nutz jede Gelegenheit. Eine zweite Schwäche von ihm ist das Glücksspiel, bei dem er weitaus weniger Fortune hat. So kommt es, dass er viel Geld, dass er im Schweiße seines Angesichts verdient, nicht seine kleine Familie unterstützen, sondern in Hinterzimmern den Besitzer wechseln. Eine Entfremdung von seiner Frau und seinem Sohn scheint unausweichlich. Als Rufus dann noch einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht, ist das Schicksal der kleinen Familie besiegelt. Gleichzeitig blickt Oesterle immer wieder auf Viktor Himmelstoss, der Jahre später, als längst kein Kontakt mehr zum Vater besteht, sich selber nach seinen Qualifikationen als Vater befragt. 



Meinung:
Geschichten mit starken autobiographischen Zügen zu erzählen ist nicht neu. Das dies aus der Feder eines deutschen Comickünstlers kommt hingegen schon. Ich bin immer fasziniert von der Frage, wieviel Einblick gewährt mir der Künstler bei der Lektüre seines Werkes. So bleibt diese Frage im vielzitierten Buch „Bis ich dich finde“ von John Irving unbeantwortet. Oesterle hat hingegen klar Stellung bezogen und spricht davon, dass 70 bis 80 Prozent seines Comicromans, der auf vier Teile angelegt ist, autobiographisch sind. Den Rest habe er aus dramaturgischen Gründen hinzugedichtet.
Wahr ist, dass der Künstler als siebenjähriger Junge in den 1970er-Jahren die Trennung seiner Eltern erlebte. Sein Vater erlebt im Anschluss seinen persönlichen Absturz. Leben auf der Straße und Alkohol. Zu seinem Sohn besteht kein Kontakt. Erst als der Vater 2010 im Alter von 75 Jahren stirbt, beginnt für Oesterle die Spurensuche. Wer war sein Vater? Und wieviel von ihm steckt in einem selber? Auf diese Spurensuche nimmt uns der Zeichner mit. Er tut dies in eindrucksvollen Bildern, die die Atmosphäre der Münchener Schickeria in den 70er-Jahren wiederspiegeln. 
In den Sequenzen, die sich mit der Partygesellschaft auseinandersetzen kann Oesterle sein ganzes Können ausspielen. Schon in seiner Geschichte „Hector Umbra“ fand ich die Szenen im Partymilieu am Eindrucksvollsten. Bei „Vatermilch“ bewegt sich der Künstler generell auf einem sehr hohen Niveau. Sein schneller strich unterstütz den Fortgang der Geschichte, zeigt die Brüchigkeit der einzelnen Lebensentwürfe. 
Genau in diesen Momenten springt Oesterle in die Gegenwart – zu sich, zu Victor. Wieviel Einfluss hat das tragische Scheitern seines Vaters auf sein eigenes Leben. Oesterle zeigt uns Victor beim gemeinsamen Familienausflug. Er hat einen Kater, fühlt sich genötigt mitzugehen. Sein Schweigen wird symbolisch zur Unfähigkeit überhaupt noch miteinander zu reden. Denn wer selber einmal Kinder auf ihrem Weg begleitet hat, der kennt auch die sich ständig wiederholenden Fragen: Wie werden meine Kinder in späteren Jahren über ihre Kindheit denken? Bin ich der Vater, der ich immer sein wollte? Und wie schaffen es all die anderen Väter so locker zu sein? Das vor allem letzteres alles nur schein ist, zeigt Oesterle eindrucksvoll mit der Zitierung der 1970er-Jahre-Helden, wie etwa Bruce Lee oder Bud Spencer. Denn auch sie leben vom Schein und nichts ist real.
Es tut der Geschichte gut, dass Oesterle sich nicht hundertprozentig an sein eigenes Leben hält. So liegt beispielsweise der dramatische Verkehrsunfall, der Rufus Himmelstoss aus der Bahn wirft, kein reales Geschehen zugrunde. Der Autor nützt seine künstlerischen Freiheiten, um seinen Erzählfluss in Gang zu halten und um der Geschichte noch mehr Dichte zu geben. 



Fazit:
„Vatermilch“ ist eine bewegende Geschichte aus den 1970er-Jahren, die mittenhinein in die Gegenwart zielt. Die Charaktere sind glaubhaft, das Artwork gelungen – eine empfehlenswerte Literatur. 



Vatermilch – Teil 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Vatermilch – Teil 1

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 20

ISBN 13:
978-3-551-71158-8

128 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Artwork
  • Charakterstudie der Schickeria
  • Autobiographisch
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 16.09.2020
Kategorie: Alben
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