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Comic-Besprechung - Will Eisner – Graphic Novel Godfather

Geschichten:

Text: Dr. Alexander Braun



Meinung:

Das erste Mal in Kontakt mit Will Eisner kam ich als Teenager. Carlsen hatte seinerzeit gerade die Graphic Novel „Signale aus einer anderen Welt“ verlegt, die ich mir zu Weihnachten wünschte. Ich weiß noch, dass meine Eltern den Band ratlos durchblätterten und punktgenau bei einem der derben Sprüche hängenblieben. So hatte ich das erste und letzte Mal das Vergnügen mit meinen Eltern über die Wirkung von Comics zu diskutieren. Was wir beide damals nicht wussten war, wessen Werk wir da in den Händen hielten – Will Eisner. Ich wusste noch nichts von seiner besonderen Bedeutung für die Neunte Kunst. Das kam erst viel später. Dann aber mit Wucht. Über die Veröffentlichungen bei 2001 kam ich zum kompletten Spirit bei Salleck und die drei Graphic Novel-Bände bei Carlsen. In jeder seiner Geschichten war ich über die tiefe der Charaktere und die Atmosphäre des Plots beeindruckt.
Umso erfreuter war ich, als ich hörte, dass im „schauraum: comic + cartoon“ Dortmund eine große Retroperspektive zu Eisners Werk gezeigt werden würde. Wie aber so viele andere Pläne, zerstörte Covid19 den wundervollen Plan. Für alle, die sich genauso sehr wie ich mich ärgern über die Unmöglichkeit die Ausstellung in Dortmund anzusehen, möchte ich den erstklassischen Ausstellungskatalog von Dr. Alexander Braun ans Herz legen.
Wer sich mit der Neunten Kunst beschäftigt, dem wird der Name Alexander Braun kein Unbekannter sein. Der Eisner-Award-Träger hat sich bereits in mannigfachen Veröffentlichungen in das Herz der Comicgemeinde geschrieben – so beispielsweise zu den US-amerikanischen Zeitungscomics, zu „Little Nemo“ oder auch zu Comics über den Wilden Westen, um nur einige zu nennen. Wie schon in den bekannten Veröffentlichungen, so lässt sich auch für den Ausstellungskatalog „Will Eisner – Graphic Novel Godfather“ zusammenfassend sagen: Die Monographie besticht durch fundierte Texte, erstaunt dabei durch ihre Lesbarkeit und begeistert schlichtweg durch die Auswahl und Reproduktion der Bilder. 
In 13 Kapiteln, einem Nachwort sowie einer ausführlichen Bibliographie nähert sich der Kunsthistoriker Braun Eisner. Dabei führt er uns chronologisch durch das Leben des Comickünstlers. Wir erfahren etwas über seine schwierigen, weil ärmlichen, Verhältnissen, als er startete. Uns wird eindrucksvoll die Gesamtsituation der Comicmacherriege in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts dargelegt.
Braun hat in Interviews zur Ausstellung gesagt, dass er der Meinung ist, dass Eisner vor allem einen guten Ruf in der Comicbranche hat, dass aber die meisten noch nie etwas von ihm gelesen haben. Der opulente Ausstellungskatalog wird einen wesentlichen Anteil daran haben, wenn sich das ändert. Mit 32 x 25 cm ist der Band angemessen in der Aufmachung. Vor allem die üppige Bebilderung, die mit Originalzeichnungen, Artefakten und vielen privaten Fotos weit über das hinaus geht, was in der Ausstellung gezeigt werden kann, besticht. Es hat sich als überaus hilfreich erwiesen, dass Braun für die Ausstellung auch mit Eisners-Erben zusammengearbeitet hat.
Für mich die eindrucksvollsten Informationen: Braun beginnt seine Darstellung mit einem Eisner-Zitat: „Comic – Sequenzielle Kunst – ist mein Medium. Ich betrachte es als mein einziges Medium, so wie der Schriftsteller nur Worte schreibt, oder der Filmemacher nur in Filmen denkt. Es ist ein definierbares, einzigartiges Medium. Es hat Grenzen und Eigenschaften, es hat eine Grammatik, es hat klare Regeln, es hat Einschränkungen und Möglichkeiten – Möglichkeiten, die noch nie jemand wirklich berührt hat.“ Braun legt in seinem Ausstellungskatalog Zeugnis davon ab, dass dies für Eisner kein leerer Spruch ist, sondern er es gelebt hat. Denn in den Jahren zwischen 1952, als er seine Hauptserie „The Spirit“ einstellte, und den 1970er-Jahren, als er sich mit fast schon revolutionären Comics zurückmeldete, verschwand Eisner von der Comicbühne. Aber: er war weiter tätig. Braun zeigt und erläutert seine Arbeiten, die in weiten teilen unbekannt sind. Auch sie zeigen die Genialität des Zeichners.
So viele beeindruckende Bilder und Zeichnungen möchte jeder Comicleser natürlich am Liebsten persönlich sehen. Nachdem es in diesem Jahr in Dortmund leider kaum möglich war, besteht 2022 beim Comic-Salon Erlangen und im Cartoonmuseum Basel die Möglichkeit. Sowie 2023 im Jüdische Museum/Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Rendsburg. Wer es weder nach Erlangen, Basel oder Rendsburg schafft, dem bleibt aber immer noch der faszinierende Ausstellungskatalog.



Fazit:

„Will Eisner – Graphic Novel Godfather“ besticht durch fundierte Texte, erstaunt dabei durch ihre Lesbarkeit und begeistert schlichtweg durch die Auswahl und Reproduktion der Bilder. Zehn von zehn Spirits.



Will Eisner – Graphic Novel Godfather - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Will Eisner – Graphic Novel Godfather

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 39

ISBN 13:
978-3-96445-050-0

384 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Umfangreiche Bebilderung
  • Fundierte Texte
  • Überformat/Aufmachung
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 14.06.2021
Kategorie: Alben
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