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Comic-Besprechung - Daphne Byrne - Besessen

Geschichten:

Daphne Byrne - Besessen (Daphne Byrne 1-6)
Autor: Laura Marks, Zeichner / Inker: Kelley Jones, Colorist: Michelle Madsen



Story:

New York, 1886. Die heranwachsende Daphne Byrne leidet unter dem kürzlichen Verlust ihres Vaters. Nicht nur stehen sie und ihre Mutter durch den Tod vor dem finanziellen Ruin, sondern auch ihre gesellschaftliche Stellung wurde erschüttert, da der Vater in einem Opiumhaus starb. In ihrer Verzweiflung wendet sich Daphnes Mutter dem Spiritismus zu, um Trost zu finden. Daphne hingegen erträumt sich einen Freund, der wohl weniger erträumt ist als es den Anschein hat. Fortan begleitet  Daphne das Grauen.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Im Superheldengenre wird gerne von prägenden Ages gesprochen. So etwa das Silver Age, das Golden Age, etc. Die 1990er gelten in dem Genre als das Dark Age. Unter anderem ausgelöst durch den Meilenstein Der Dunkle Ritter kehrt zurück von Frank Miller, wurden die Geschichten erwachsener, düsterer, grimmiger und deutlich härter bis hin zur offenkundigen Brutalität. Einer der prägendsten Zeichner der damaligen Zeit war mit Sicherheit Kelley Jones. Kaum einer verstand es so gut das Gotische von Gotham City bei Batman hervorzukehren und auch Deadman gelangte unter seinem Zeichenstift zu neuen Höheflügen. Wenn man aber die Leserbriefe der damaligen Zeit als Anhaltspunkt nimmt, so schieden sich an dem Stil von Jones doch deutlich die Geister. Einige waren begeistert wohingegen andere den Stil komplett ablehnten. Gerade die verzerrten Physiognomien, die in die Länge gezogenen Gliedmaßen bis hin zur Absurdität, die übertriebenen mimischen Momente machen es einem manchmal wahrlich nicht leicht und stören einen zeichnerischen Realismus der es einem ermöglicht in eine Traumwelt zu fliehen. Man muss aber auch sagen, dass der Stil für viele wohl auch zu künstlerisch und demnach für Superhelden zu anstrengend war. Die Übertreibungen sorgten für das Hervorheben des artifiziellen des Genres, aber die ausgewählten Perspektiven und die graphischen Ideen waren immer etwas Besonderes. Und von welchen Mainstreamzeichnern kann man schon sagen das sie einen unverkennbaren Stil haben?

Wer also mit Kelley Jones nichts anfangen kann, der sollte einen großen Bogen um Daphne Byrne: Besessen machen, dem neuesten Output der Joe Hill Productions unter dem Black Label von DC. Denn auch hier bleibt Jones seinem Stil  treu: verzerrte, bis zur Karikatur gesteigerte Übertreibung der Mimik, grotesk verzerrte Gliedmaßen sind nicht jedermanns Sache, prädestinieren aber Jones als einen führenden Zeichner des Horrorgenres in dem er sich in den letzten Jahren hauptsächlich betätigte. Aber auch hier liefert Jones einige faszinierende Einfälle und hervorragende Ideen ab. Etwa wenn nach einem Alptraum der Titelheldin die zerknüllte Bettdecke einen Totenkopf bildet. Hier gibt es immer etwas zu entdecken und in den Schatten verbirgt sich das Böse. Wortwörtlich. Gerade in den Horrormomenten darf es auch exzessiv zugehen. Es wird also blutig und eklig. Aber das gehört dazu und die Erfahrungen mit der Gestaltung von Gotham fördern auch die Gestaltung des viktorianischen Zeitalters mit dem Flair der Gaslampen.

Inhaltlich vermutet man hier erstmal nichts Besonderes, sondern nur einen weiteren Abklatsch des Exorzisten-Themas. Daphne Byrne ist ein Teenager im ausgehenden 19. Jahrhundert und kürzlich erst Halbwaise geworden. In ihrer Einsamkeit erträumt sie sich einen imaginären Freund. Doch ist er überhaupt erträumt oder ein Dämon? Oder ist Daphne besessen?  So unbekannt ist die Ausgangsidee nicht und die Spiritismuswelle als kulturelles Phänomen der damaligen Zeit war auch schon oft thematisiert worden. Was aber den Band aus dem Subgenre hervorhebt, ist die Tatsache, dass die gesellschaftliche Stellung der Frauen zu der Zeit ein wesentliches Thema des Bandes ist. Und das bildet den eigentlichen Horror und begründet auch die Hilflosigkeit und daraus folgend die Wahl der Mittel der Heldin. So offenbaren sich hier also mehrere Schichten unter dem eigentlichen Horrorgewand und die inhaltlichen und zeichnerischen Ebenen greifen gut ineinander. Gegen Ende wird es auch halbwegs offen gelassen ob hier wirklich eine Besessenheit vorgelegen hat oder ob es einfach ein Symbol war für den Wunsch nach weiblicher Selbstbestimmung in einer patriarchalischen, regressiven Gesellschaft. Ein weiterer gelungener Band aus dem Horrorlabel und es zeigt sich, dass, bislang, jeder auch Sozialkritik unterbrachte was die Wirkung erhöhte. Man kann schon gespannt sein auf den nächsten Band.



Fazit:

Trotz hervorragender visueller Ideen und spannenden Perspektiven dürften sich an dem Stil vom Zeichner Kelley Jones  weiterhin die Geister scheiden. Aber inhaltlich kann der Band trotz bekanntem Thema überzeugen. Wieder wird geschickt Sozialkritik mit Horror verbunden und kann so mehrere Ebenen miteinander verschmelzen.



Daphne Byrne - Besessen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Daphne Byrne - Besessen

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 19,00

ISBN 10:
3741622478

ISBN 13:
978-3741622472

164 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Zeichnungen
  • Sozialkritik
  • verschiedene Ebenen geschickt verknüpft
Negativ aufgefallen
  • übertriebene Mimik
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Rezension vom: 20.06.2021
Kategorie: Hefte
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