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Comic-Besprechung - Die Zeit der Wilden

Geschichten:

Die Zeit der Wilden
Autor: Thomas Gunzig, Sébastien Goethals, Zeichner / Colorist: Sébastien Goethals



Story:

In naher Zukunft unterliegt das menschliche Zusammenleben den ökonomischen Zwängen und um sich selber körperlich und charakterlich zu optimieren, lassen sich diejenigen welche es sich leisten können, Tiergene implantieren. Als ein Kündigungsgespräch in einem Supermarkt tödlich endet, schwören die vier Söhne der gestorbenen Kassiererin blutige Rache. Diese Söhne sind halb Menschen, halb Wölfe und entziehen sich dem Raster. Eine Sicherheitsexpertin soll im Auftrag des Managements der Supermarktkette die Angestellten vor den wilden Wölfen schützen. Denn diese haben keinerlei Skrupel.



Meinung:

Comicadaptionen von Romanen sind immer so eine Sache und können krachend scheitern. Was leider öfter der Fall ist. Schließlich ist oft die Komplexität welche ein  Roman besitzt, oder besitzen kann, nicht auf andere Medien übertragbar. So ist jede Verfilmung eines Romans immer auch ein Quell der Kritik von Seiten der Leserschaft. Das betrifft auch Comicadaptionen da der Stoff auf ein handelsübliches Format eingedampft werden muss und so zwangsläufig sehr viel verloren geht. Vor allem scheitern Adaptionen wenn die Vorlagen bildlich kaum Vorgaben machen was für eine Übertragung  ein guter Steigbügel gewesen wäre. Sprich: ein actionreicher Krimi ist leicht als Film und als Comic zu adaptieren, ein philosophisches Drama weniger, da dort erst adäquate Bilder gefunden werden müssen.

Die Zeit der Wilden basiert auf dem Survival Handbuch für Unfähige von Thomas Gunzig und da es sich um eine Adaption handelt, geht man etwas vorsichtig an das Werk heran. Angesichts des Umfangs des Comics musste sich Sebastien  Goethals immerhin nicht auf 48 Seiten beschränken, sondern besaß offenbar vom Seitenumfang her Freiheiten. Was dem Buch sowohl zum Vor- als auch zum Nachteil gereicht.

Sebastien Goethals ist ein guter Zeichner was er auch schon mit anderen Werken bewiesen hat, aber bei den langen Dialogpassagen tut er sich etwas schwer. In einem Roman passen solche Monologe gut und gerade hier sind sie philosophisch tragend und auch für die Handlung wichtig da wirtschaftstheoretische Modelle auf Menschen und das menschliche Zusammenleben übertragen werden. Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft und alles ist der Ökonomie unterworfen. Um aber satirische Kritik üben zu können, müssen die Wirtschaftstheorien erläutert werden. Und hier tut sich Goethals etwas schwer die meist sehr trockenen Passagen bildlich ansprechend umzusetzen. Die Perspektiven bleiben meist gleich, die Mimik ist  nicht sonderlich abwechslungsreich. Nur anhand der Gestik kommt etwas Lebendigkeit hinein, aber das macht die Aspekte nicht spannender. Immerhin funktioniert das Timing insofern indem Goethals immer eine kleinere Actionszene einbaut bevor sich die Leserschaft wirklich langweilt. Immer wenn man sich fragt ob man wirklich weiterlesen will, kommt eine Szene  die einen wieder in die Handlung hineinzieht. Der Vorteil ist also das Goethals umfangtechnisch die Möglichkeit hat die Theorien und deren Anwendung einzubauen. Nachteilig ist dann die zähe Lektüre die bis zur Grenze der Langeweile reicht.

Dabei ist die Prämisse ja interessant, dass Wirtschaftstheorien rigide auf menschliches Leben angewandt werden und somit eine gar nicht so weit entfernte Dystopie geschaffen wird. Das die Triebhaftigkeit und die Instinkte der Menschen hier symbolisch erhöht durch freiwillig injizierte Tiergene wird, ist spannend. Die es sich leisten können, lassen sich Gene von Tieren injizieren und übernehmen dadurch manche ihrer Eigenschaften und vor allem Charakteristika. Aber man macht nicht viel daraus. Das die Anti-Helden halb Wölfe, halb Menschen sind, okay. Etwas platt, der Mensch ist des Menschen Wolf, aber in ihrer Wildheit und Ablehnung der gesellschaftlichen Struktur wieder richtige Rebellen und gerade in der Unangepasstheit gegenüber dem Primat der Ökonomie sympathisch. Aber das zwei andere Figuren teilweise die Gene von einer Schlange und einem Otter haben, ist reizvoll, hätte aber noch ausgeweitet werden können, auch abseits von Dialogen. Was auch der Bildhaftigkeit gut getan hätte.

Die wenigen Actionszenen sind dann auch satirisch zu sehen, denn die wirtschaftlichen Annahmen zum menschlichen Verhalten scheitern dann krachend und lassen die Manager ratlos zurück. Das menschliche Verhalten in Modelle zu fassen, ist halt schwer. Und das eine Frau hochtrabende Managementphrasen von sich gibt und rein Karrierefixiert ist, wird satirisch da es im Grunde nur darum geht, wie Brot im Supermarkt platziert wird. Aber es droht unterzugehen. Übrigens sind die beiden weiblichen Charaktere das spannendste an dem Band.

Goethals will zu viel übernehmen und so erdrücken sich die einzelnen Elemente zusehends und lassen einen etwas unbefriedigt zurück. Interessante Ansätze, zeichnerisch solide umgesetzt, aber berühren tun sie einen nicht.



Fazit:

Die theoretisch-philosophischen Ausschmückungen sind inhaltlich wichtig, lassen aber den Band teilweise sehr statisch ausfallen und langweilen. Satirische Aspekte gehen da schon etwas unter und die beiden interessantesten Charaktere entfalten ihre Stärke nur im Dialog. Da wäre mehr drin gewesen, aber die Prämissen sind interessant.



Die Zeit der Wilden - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die Zeit der Wilden

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 39,80

ISBN 10:
3967920488

ISBN 13:
‎ 978-3967920482

272 Seiten

Positiv aufgefallen
  • interessante Prämissen
  • wahrscheinliche Dystopie
  • interessante weibliche Charaktere
  • gute Actionszenen
Negativ aufgefallen
  • langweilige Dialogpassagen
  • satirische Aspekte nicht genug herausgearbeitet
  • Einzelteile nicht harmonisch zueinander
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Rezension vom: 16.10.2021
Kategorie: Alben
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