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Comic-Besprechung - 7 Detektive: Nathan Else - Der Detektiv und der Tod

Geschichten:

7 Detektive: Nathan Else - Der Detektiv und der Tod
Autor: Herik Hanna, Zeichner: Sylvain Guinebaud, Colorist: Lou



Story:

London 1923. Nathan Else ist als Detektiv nicht nur berühmt und geachtet, sondern auch Held einer Romanreihe die seine Abenteuer fiktionalisert und ihn auch gesellschaftlich bekannt gemacht hat. Doch der neueste Roman stösst auf viel Kritik und eines Morgens sticht sogar ein wütender Fan auf Nathan Else ein. Geschockt glaubt Doktor Eaton nicht an einen verwirrten Einzeltäter und beginnt mit Ermittlungen bei denen er tatkräftig von fünf anderen berühmten Detektiven unterstützt wird.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Mit dem siebten Detektiv der Reihe 7 Detektive liegt nun leider der Finalband der Serie vor.  Im Grunde steht ja in dieser hervorragenden Serie jeder Band für sich in dessen Mittelpunkt immer ein bestimmter Detektiv war, Für diesen stand jeweils ein berühmter Romanheld Pate, und mit Miss Crumble wurde auch Miss Marple als einziger Frau in dieser illustren Runde gehuldigt, und die jeweilige Geschichte zitierte auch eine berühmte Krimistory. Dabei gelang es immer nie eine Kopie oder Adaption zu erschaffen, sondern schaffte eine hervorragende Gratwanderung, dass sowohl die Helden als auch die Story zwar dem Genrekenner unübersehbar als Anleihen galten, dafür aber eigenständig waren und mehr eine Hommage waren. Zwar wurde immer mit einem Augenzwinkern und Ironie erzählt, aber es war keine Satire da es immerhin weiter um Mord ging und die Fälle durchaus ernst zu nehmen waren. So ist Martin Bec dem Kommissar Maigret angelehnt und sein Fall Das Fenster zum Hof nimmt sich zwar des Titels von Hitchcocks Film an, erzählt aber eine komplett eigenständige Geschichte. Man konnte sich aber immer auch zurechtfinden ohne die Vorbilder identifizieren zu können und diese gelungene Gratwanderung allein schon ist meisterhaft. Natürlich entsteht ein noch größerer Reiz wenn man die Anleihen erkennt weil gerade in dem letzten Band die Meta-Ebene sogar noch verschärft wird.

So langsam schälte sich nämlich heraus, dass alles in einem Kosmos anzusiedeln ist. Auch wenn jeder Band eigenständig zu lesen ist, gab es doch immer mehr Verweise und Verknüpfungen bis hier im Finale alles zusammengeführt wird. Immer wieder wurde Nathan Else erwähnt. Immer wieder sprachen auch die anderen Detektive von ihm als dem Besten. Wenn nun ein Band mit ihm als Hauptperson kommt, ist man natürlich extrem gespannt. Erwartungen wurden geschürt die kaum zu erfüllen sind. Da ist es schon dreist aber gerade damit genial indem die Autoren die Figur im Unscharfen lassen und den Helden gleich zu Anfang aus der Handlung nehmen, so dass der aufgebaute Nimbus nicht zerstört werden kann. Übrigens gehört der Vorgängerband um Doktor Eaton hier dazu, ist also nur in Teilen eigenständig. An wen sich die Figur des Nathan Else orientiert dürfte jedem klar werden: Sherlock Holmes. Doktor Eaton war im Vorgängerband schon deutlich an Doktor Watson angelehnt und hier wird auch die Dynamik der Freundschaft zwischen den Beiden schön auf den Punkt gebracht.

Im Finale nun treten auch alle anderen Detektive (sowie manche derer Gegner) auf und es wird geschickt eine Meta-Ebene geschaffen, indem die Abenteuer des fiktiven Nathan Else in einer Buchreihe nochmal fiktionalisiert werden. Das spiegelt ironisch die Tatsache, dass selbst heute noch Menschen Post in die Baker Street schicken und um Hilfe bitten, da sie Sherlock Holmes nicht nur für real, sondern immer noch lebendig glauben. Hier kommt also sowohl eine Spiegelung zum Tragen, als auch die Mechanismen der Krimiliteratur insgesamt. Denn der Mythos Holmes wird ironisch kommentiert und postmodern geschildert was die Postmodernemit einer Figur machen kann.  So etwa die Verknüpfung mit Horror  (Dracula, Zombies, Frankenstein), Pulp, Komödie, Drama, aber auch die Tragik und Gedankenspiele wie sich die Figur mit realen historischen Ereignissen auseinandergesetzt hätte. Etwa ob es Holmes gelungen wäre, Jack the Ripper zu fangen. Allein schon diese Meta-Ebene des Bandes ist spannend und klug und der Band endet auch mit einem Schock was gewissermaßen auf den letzten Roman mit Hercule Poirot verweist aber auch wieder die Tätigkeit von Privatdetektiven an sich in Frage stellt.

Ein Meisterwerk. Zwar mit zwischenzeitlichen Längen, aber er fängt die Quintessenz der Postmoderne und ihrem Spiel mit Ironie und Ernst sehr gut ein. 



Fazit:

Ein Meisterwerk welches mit Ironie das Paradebeispiel der Postmoderne ist und gleichzeitig deren Mechanismen auf das Korn nimmt. Für Krimikenner ein Fest der Anspielungen und ein gelungener Abschluß einer hervorragenden Reihe.



7 Detektive: Nathan Else - Der Detektiv und der Tod - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

7 Detektive: Nathan Else - Der Detektiv und der Tod

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 17,00

ISBN 10:
3962194940

ISBN 13:
978-3962194949

72 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • postmodernes Spiel mit Anleihen und Zitaten
  • ironische Behandlung der Postmoderne
  • viele zusammengefügte Fäden
Negativ aufgefallen
  • zwischenzeitliche Längen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 16.01.2022
Kategorie: Alben
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