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Comic-Besprechung - Phantasmen

Geschichten:

Phantasmen
Autor: Kai Meyer, Jurek Malottke; Zeichner / Colorist: Jurek Malottke



Story:

Eines Tages tauchten auf der Erde Geister auf. Sie standen einfach nur an der Stelle an denen der Körper gestorben war. Täglich wurden es mehr und man konnte ausrechnen wann jemand als Geist zurückkehrt. Die Menschheit hat sich allmählich an das Phänomen gewöhnt. Die Schwestern Rain und Emma reisen in die spanische Wüste, um dort die Geister ihrer Eltern zu sehen. Doch dort treffen sie nicht nur auf einen geheimnisvollen Mann, sondern auch auf eine Söldnertruppe welche eine Jagd auf die drei beginnt. Doch eine große Verschwörung ist nicht die einzige Gefahr für die Schwestern, denn die Geister sind lange nicht so harmlos wie man dachte. Es droht die Apokalypse.



Meinung:

Es ist eine nie endende Diskussion bezüglich Adaptionen von Romanen. Oft genug beschweren sich Fans der Romane das Adaptionen nicht dem Original entsprechen. Abgesehen von dem subjektiven Empfinden das die eigenen Bilder im Kopf nicht dem entsprechen was in einem anderen Medium zu finden ist, hängen sich Fans oft an den Änderungen fest. Dabei sind gerade die notwendig. Denn warum soll man sich eine Adaption zu Gemüte führen, wenn sie dem Originalstoff nicht etwas Neues abgewinnt? Dann kann man doch einfach den Roman neu lesen.  Es ist gerade interessant zu sehen wie ein anderer Künstler einen bestehenden Stoff neu interpretiert und so neue Erkenntnisse gewinnt. In manchen Fällen haben sich kulturhistorisch so manche Genres und Subgenres herausgebildet.

Die Adaption von Phantasmen krankt etwa daran das sich der Zeichner Jurek Malottke nicht genug von dem Text von Kai Meyer gelöst hat. Immer wieder gibt es den inneren Monolog zu lesen der manchmal sehr überflüssig ist und man sich doch auf die Zeichnungen hätte konzentrieren können, um mehr mit ihnen zu erzählen. Schließlich liegt ja ein Comic vor. Malottke verlässt sich teilweise nicht auf seine Bilder. Dabei sind die passend zum Thema richtig schön flirrend und verleihen dem Geschehen eine surreale Note. Auf der Erde sind Geister aufgetaucht. Diese stehen einfach an der Stelle wo sie gestorben sind und tun nichts. Die Menschheit hat sich langsam daran gewöhnt. Die Heldinnen, die zwei Schwestern Rain und Emma, reisen in die spanische Wüste wo sie hoffen die Geister ihrer bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen Eltern sehen zu können. Doch dann geschieht es: die Geister lächeln und das ist tödlich. Diese Unwirklichkeit der erzählerischen Prämisse ist atmosphärisch sehr gelungen eingefangen. Auch die Farbgebung ist da hervorragend. Leider aber ist der Strich so sehr reduziert das die Gesichter äußerst unscharf ausfallen und nur selten Emotionen darüber vermittelt werden können. Da braucht es schon ein Close-Up in einem Panel, um die Augen und Mimik deutlich herauszustellen. So ist man auf die Körpersprache angewiesen, was durchaus funktioniert, erklärt aber auch warum die Off-Kommentare über das emotionale Befinden beibehalten worden sind. Sie waren zeichnerisch nicht umzusetzen.

Haben die Zeichnungen, trotz der angesprochenen Schwächen, noch ihren großen Reiz, so krankt doch die Story. Ob man es nun mag, in die Prämisse der neuen geisterhaften Welt hineingeworfen worden zu sein, oder lieber lesen zu können wie sich alles schleichend entwickelt und sich bis zu einer drohenden Apokalypse steigert, ist eine Frage der Erwartung. So gibt es kaum eine Spannung die immer weiter gedreht wird, sondern es wird auf Adrenalin statt auf Gänsehaut gesetzt, wenn die Heldinnen rennen, retten, flüchten. Was enttäuschend ist, vor allem da auch sehr viele Klischees vorkommen. Natürlich verliebt sich eine der Schwestern in den jungen Mann, was vom ersten Panel seines Auftauchens an klar war, natürlich haben die auch jeweils eine besondere Begabung. Leider hat eine auch ein traumatisches Erlebnis gehabt und die Handlung dient dann auch völlig klischeehaft der Traumabewältigung. Allerdings in einem vollkommen lächerlichen Rahmen mit einer Volte das einem schwindlig wird. Die Action lenkt teilweise ab und man wird zunehmend unzufriedener angesichts all der Klischees und der unbefriedigenden Prämisse. Vorteilhaft ist allerdings das die meisten Charaktere nicht rein Gut oder Böse sind und der vermeintliche Schurke durchaus ambivalent ist. Was aber kaum darüber hinwegtäuscht das der Oberschurke so überzogen böse ist wie man es schon seit den Pulps aus den 1930ern kennt. Insgesamt also eine sehr zwiespältige Angelegenheit.



Fazit:

Zwiespältig. Passen die flirrenden Zeichnungen durchaus gut zu dem Thema Geister, ist die Darstellung von Emotionen misslungen und man löst sich nicht vom Text. Und die Story krankt an Unlogik, keinem Spannungsaufbau und zu vielen Klischees welche teilweise vermeidbar gewesen wären.



Phantasmen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Phantasmen

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 35,00

ISBN 10:
3967922146

ISBN 13:
978-3967922141

240 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • flirrende Zeichnungen
  • sympathische Schwestern
Negativ aufgefallen
  • Hineingeworfen in die Welt
  • Klischees über alles
  • zeichnerisch keine Emotionen vermittelt
  • Unlogische Abläufe
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 29.05.2022
Kategorie: Alben
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