Optionen und weiterführende Links



In der Datenbank befinden sich derzeit 18.212 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

Comic-Besprechung - Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 16: 1992-1999

Geschichten:

Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 16: 1992-1999

1.) Ein Dorf sieht schwarz (44 S.)

2.) Mafia, Mädchen und Moneten (44 S.)

3.) Jagd auf Spirou (44 S.)

4.) Zorglub à Cuba (Fragment, 8 S.)

Autor: Tome

Zeichner: Janry

Übersetzer: Peter Müller, Marcel Royer (Comics), Michael Hein (Dossier und 4.)



Story:

In diesem letzten Band mit Geschichten von Tome und Janry sind drei komplette Alben sowie das Fragment einer letzten, nicht beendeten Geschichte enthalten, sowie ein ausführliches Dossier. Im ersten Band wird Spirou durch eine außer Kontrolle geratenen Maschine des Grafen von Rummelsdorf in einen Farbigen verwandelt, was zu ernsten Problemen mit der Dorfbevölkerung führt. In der zweiten Geschichte wird Spirou nach New York entführt, um seinem alten Erzgegner Vito Cortizone zwangsweise gegen die chinesischen Triaden zu helfen. Und zuletzt ist die Geschichte enthalten, mit der die Autoren die große Wende in der Wahrnehmung der Figur Spirou und zugleich die wichtigste Modernisierung erreichen wollten: in „Jagd auf Spirou” ist alle Welt gegen ihn, und der Leser muss zusammen mit ihm herausfinden, warum.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Nach Rob-Vel, Jijé, Franquin und Fournier waren Tome und Janry das zweite Autorenpaar, dass Spirou und Fantasio übernehmen durfte. Zuvor hatten Broca und Cauvin mit drei Alben ein recht kurzes Stelldichein geboten, doch Tome und Janry führten die Serie dann ab 1981 mit insgesamt 13 Alben und zahlreichen Kurzgeschichten in die Moderne und prägten für fast zwei Jahrzehnte das Bild der Serie. In dieser Zeit beschäftigten sie sich hauptsächlich mit der Bearbeitung der „Hauptserie” sowie ihrem eigenen Entwurf, dem „Kleinen Spirou”, der (zumindest in Frankreich) die Originalserie bei den Verkaufszahlen sogar noch übertreffen konnte. Damit haben sie sich nach eigenen Aussagen einen Lebenswunsch erfüllt, als sie nach Abschluss der Kunsthochschule mit befreundeten Künstlern (unter anderem Bruno Gazzotti) ein eigenes Atelier gründeten und recht bald den Auftrag als Nachfolger für Spirou bekamen. 

Wie in dem wieder sehr umfangreichen und äußerst informativen Dossier von Christelle und Bertrand Pissavy-Yvernault dargelegt wird, war es immer die Absicht der Autoren, gegen die Konventionen des Verlages zu arbeiten und die Figuren der Serie mit Themen zu konfrontieren, die bisher eher tabu waren, um sie so zu erneuern und auch für jüngere Leser wieder interessanter zu machen. Das ist Ihnen meiner Meinung nach auch großartig gelungen, sie haben ihre Geschichten durchaus im Geiste Franquins oder Fourniers erzählt, und doch originelle und moderne Themen verwendet. Gerade in diesem Band erlebt die Serie eine optische Veränderung, die von den beiden vielleicht so gar nicht geplant wurde und auch bei der Lektüre der Einzelbände nicht so sehr auffallen mag (zumal jeweils etliche Jahre dazwischen lagen). Aber in allen drei Geschichten wird Spirou nicht so gezeichnet, wie man es gewohnt war: in „Ein Dorf sieht schwarz” ist Spirou farbig (wie später viele andere Bewohner des Dorfes auch), in „Mafia, Mädchen und Moneten” (seufz: was für ein Titel — warum nicht sowas wie „Die tolle Luna” oder ähnliches und näher am Original?) ist Spirou praktisch durchweg als Mafioso verkleidet — und dann kommt „Jagd auf Spirou”. Hier haben Tome und Janry ein deutliches Zeichen gesetzt: Das Album ist in einem ganz anderen, eher dem semi-realistischen als dem semi-funny Stil zuzuordnenden Design gezeichnet und erinnert sehr stark (optisch und inhaltlich) an die Serie „Soda” von Bruno Gazzotti — der ja zufällig zeitgleich mit ihnen im selben Atelier gearbeitet hat. Die Bildaufteilungen sind ganz anders, es gibt viele breite Perspektiven, und die Figuren bekommen ein moderneres Aussehen, das sie aber auch irgendwie älter und „erwachsener” wirken lässt. Dabei sind die Panelhintergründe, also die Seitenränder, durchweg schwarz! Und die Geschichte selbst ist von einer ungewohnten Härte, wenn nicht gar Brutalität geprägt, die man so noch nicht bei Spirou kannte. Damit haben sie meiner Meinung nach tatsächlich die Wende eingeleitet, und den Grundstein gelegt für die derzeitige Entwicklung, wo in der Reihe „Spirou Spezial” immer wieder wechselnde Autoren und Autorenpaare meist Einteiler schaffen dürfen, die sich ebenfalls gar nicht mehr am klassischen Aussehen der Serie orientieren, sondern am Stil der neuen Zeichner (anders als z.B. bei Blake und Mortimer, wo die neuen Autoren ja meist versuchen, die ursprüngliche Ligne Claire wieder aufzugreifen). Tome sagt zwar im Interview (im Dossier), dass diese Richtung von ihnen nicht dezidiert geplant war, zumal sie davon ausgehen mussten, dass dies noch nicht ihr letztes Album sein würde — doch nachdem der Chefredakteur gestorben war und sie selbst für solche Experimente keine weitere Rückendeckung erwarten durften, wage ich mal, das anzuzweifeln. Ich sehe dieses Album eher als einen Versuch, die Serienbearbeitung zu beenden — was dann ja auch eintrat. Aber das Album wurde veröffentlicht, die Verkaufszahlen brachen zwar kurzfristig leicht ein, doch die Serie hat damit ganz sicher ihre bishin größte Verwandlung erfahren. Das abschließende Fragment zu Zorglub à Cuba zeigt, wie es hätte weitergehen können — doch eigentlich wäre dies wieder ein Schritt zurück gewesen in einen „normaleren” Spirou, den dann lieber andere gehen sollten!

Dieser Sammelband ist wieder großartig verarbeitet, gedruckt auf mattem und dickem Papier und ausgezeichnet gebunden. Das Dossier ist rundum gelungen, es gibt zahlreiche Skizzen, Exlibris und alternative Titelbilder, sowie alle Cover, die Tome für die Sammelbände des Journal Spirou gezeichnet hat.

Achtung: Wer „Jagd auf Spirou” nicht kennt, sollte das Dosssier unbedingt erst HINTERHER lesen, da dort leider schwer gespoilert wird!



Fazit:

Eine gelungene Fortführung der Gesamtausgabe, für Fans ein muss, für neue Leser aber auch unbedingt zu empfehlen: unterhaltsam, spannend, abwechslungreich und immer noch zeitgemäß, trotz der über zwanzig Jahre seit der Entstehung der Geschichten!



Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 16: 1992-1999 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 16: 1992-1999

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 34,00

ISBN 10:
3551716366

ISBN 13:
978-3551716361

224 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Eine gelungene Fortsetzung der Gesamtausgabe.
  • Unterhaltsam, spannend und abwechslungsreich.
  • Immer noch zeitgemäß, trotz des Alters der Geschichten.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
Bewertung
Du kannst diesen Comic hier benoten.

Persönlichen Bookmark setzen für diese Seite
Diese Seite als Bookmark bei Blinklist hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei del.icio.us hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Digg hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Fark hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Furl hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Google Bookmarks hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Mister Wong hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei myYahoo hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Netscape hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Newsvine hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Reddit hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei StumbleUpon hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Technorati hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Yigg hinzufügen  
Oder diesen Dienst benutzen: Social Bookmark Button

Rezension vom: 03.03.2023
Kategorie: Spirou + Fantasio
«« Die vorhergehende Rezension
Wie die Götter es wollen
Die nächste Rezension »»
Ant-Man: Damals, heute und in Zukunft
Leseprobe
Zu diesem Titel liegt derzeit keine Leseprobe vor. Sie sind Mitarbeiter des Verlags und daran interessiert uns für diesen Titel eine Leseprobe zu schicken? Dann klicken Sie hier...
Das sagen unsere Leser
Zu diesem Titel existieren noch keine Rezensionen unserer Leser.


?>