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Comic-Besprechung - Hoka Hey!

Geschichten:

Hoka Hey!
Autor / Zeichner / Colorist: Neyef



Story:

Der junge George wächst in einem Reservat auf und wird von einem Reverend erzogen, so dass George die Traditionen seines Volkes nicht mehr kennt. Sein Traum ist es dereinst Arzt zu werden. Eines Tages bgeleitet er den Reverend und eine junge Frau zu einem Picknick. Dort stoßen sie auf Little Knife, No Moon und Sully, drei Gesetzlose welche Little Knifes Vater suchen. Das Schicksal will es das George mit ihnen reitet was Little Knife als Anlaß nimmt, ihm die Traditionen des Volkes beizubringen. Doch die Reise ist gefährlich und ein Kopfgeldjäger ist der Gruppe dicht auf den Fersen.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Der Ausruf Hoka Hey! welcher nicht nur ein Kriegsruf der Indianer darstellte, sondern auch der Titel der vorliegenden Graphic Novel ist, bedeutet im Grunde einfach nur „Vorwärts!“.  Angesichts des Inhalts dieses Spät-Westerns ist das als Titel allerdings sowohl ironisch, als auch vielmehr sehr traurig und tragisch.

Alle Charaktere in diesem faszinierenden Abgesang auf den Western wissen nicht wohin. Das „Hoka Hey!“ ist somit eher trotzig, denn alle sind verloren. Die Lebenseinstellungen, die Lebensart des Westens, die Werte und die Kultur liegen im Sterben und man versucht wenigstens manche Traditionen am Leben zu erhalten. Es gibt kein großes Ziel mehr und am Ende wird nach Erreichen des einzig noch vorhandenen Zieles eine große Leere sein. Es geht in dem ganzen Band vor allem auch um Identitäten und wie man seinen Platz in einer Welt des Umbruchs zu finden vermag.

Die Hauptfigur des Bandes, George, ist ein Junge von etwa 8 Jahren der gebürtig zwar ein Lakota Sioux ist, aber bei Weißen aufwuchs. Im Reservat groß geworden kennt er die Traditionen, Werte, Glaubensvorstellungen und Gebräuche seines Stammes nicht mehr. Historisch verbürgt, ist er einer derjenigen welcher durch Erziehung assimiliert werden soll, aber allein schon durch seine Hautfarbe diskriminiert wird. Die Weißen sehen in ihm nur den Indianer, während ein Indianer ihn als Apfel bezeichnet: außen rot, innen weiß. Günstigenfalls wird George für einen Mexikaner gehalten, dann aber wieder als „Bohnenfresser“ tituliert. Von allen Seiten widerfährt ihm Diskriminierung und ist ein Wanderer zwischen den Welten der in diesem Comic, der in der Hinsicht eine Coming of Age Geschichte ist, die schmerzhafte Erkenntnis durchmachen muss das er nirgends zugehörig ist und seinen Weg wählen muss.

Little Knife als Anführer einer kleinen Bande von Outlaws, ist ein Krieger der weiß das seine Schlacht verloren ist, sich aber weigert die Waffen niederzulegen und nur noch von Rache angetrieben wird. Er versucht den letzten Rest der Traditionen und Kultur seines Volkes zu bewahren und gibt diese an seinen Gefährten wider Willen, George, weiter. Aber Little Knife ist schon verloren und weiß es auch. Ebenso No Moon. Die Frau ist von ihrem Stamm verbannt worden und wird von ihrem Kind verachtet. Aufgrund der Verbannung kann sie zu keinem Stamm mehr gehen und als Indianerin kann sie auch nicht unter Weißen leben. Sie ist von allen Charakteren noch die beständigste, solideste und menschlichste, hat aber auch eine fatalistische Seite und lässt sich eher treiben in einer rationalen Art, wissend das sie selber kein Ziel hat. Das Outlaw-Trio wird durch den Iren Sully vervollständigt. Um der Unterdrückung in Irland zu entgehen, emigrierte er in die USA und wurde auch hier unterdrückt und diskriminiert, weswegen er mehr mit seinen indianischen Gefährten gemeinsam hat  als mit anderen.

Alle drei wissen, dass ihr Leben als Outlaws gezählt ist. Der Telegraf macht den Banden das Leben schwer, weil die Wege schnell nachvollziehbar sind und schnell kommuniziert werden können.  Der Wilde Westen stirbt. Aber es gibt dennoch keine Romantik, denn die Welt ist gewalttätig und ein Leben zählt nicht viel. Es ist schwer zu ertragen wenn manche so nebenbei getötet werden. Aber wenn eine ganze Welt stirbt, werden auch alte Rollen und Topoi mit sich gerissen. Alles zusammen ergibt einen wunderschönen, melancholischen, witzigen, gewalttätigen, spannenden und sehr traurigen Band der Momente voller Zärtlichkeit besitzt, voller Witz, aber auch erschreckender Brutalität.

Kontrastiert wird das durch die Zeichnungen der Gesichter die so reduziert sind das sie schon wie Semi-Funny wirken. Aber kleine Feinheiten wie der Strich des Mundens lassen auch differenzierte Emotionen zu und bestechen manchmal rein durch kleine Gesten. Dabei ist alles sehr filmisch gestaltet und es wechseln die Totalen mit extremen Close-Ups, Halbtotalen und Nahaufnahmen was sehr dynamisch ist da es auch in schnellen Wechseln vonstattengeht. Vor allem vermag auch die wundervolle Farbgebung vollends zu überzeugen. Wie schon die durch Blattwerk gebrochenen Sonnenstrahlen punktuell die Charaktere beleuchten ist meisterhaft. Das Licht und die Farben werden auch für die Stimmung und die Emotionen eingesetzt welche zugleich die Natur und die Welt preist, aber in Kombination mit dem Inhalt auch einen Abschied von dieser Welt bedeutet und schon etwas Traumartiges verleiht.

Ein in jeder Hinsicht gelungener Spät-Western und ein Meisterwerk.



Fazit:

Ein Meisterwerk. Der Spätwestern regt zum Nachdenken an, ist spannend, witzig und schockiert mit den brutalen Gewaltausbrüchen. Ein trauriger Abgesang auf eine Zeit ohne romantische Verklärung.



Hoka Hey! - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Hoka Hey!

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 45,00

ISBN 10:
3987212454

ISBN 13:
978-3987212451

224 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Farbgebung
  • Abgesang ohne romantische Verklärung
  • interessante Charaktere
  • Wechselbad der Gefühle
  • Suche nach Identitäten und Zielen
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(12 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 28.05.2024
Kategorie: Alben
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