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Comic-Besprechung - Somna: Eine Gutenachtgeschichte
Geschichten:Somna: Eine Gutenachtgeschichte (Somna - A Bedtime Story)
Autor / Zeichner: Becky Cloonan, Tula Lotay, Colorist: Lee Loughridge, Dee Cunniffe, Tula Lotay
Story:
Ingrid ist unglücklich. Ihr Mann Roland ist Stadtvogt und als solcher mit einem Hexenprozess beauftragt. Ingrid fühlt sich vernachlässgt und hat Träume die sie erregen und verängstigen. Auch als der Prozess vorbei ist, kommt die Stadt nicht zur Ruhe, denn was spricht dagegen das es mehrere Hexen gibt? Während Ingrid durch die intensiver werdenden Träume und der wachsenden Paranoia zunehmend den Sinn für die Realität zu verlieren droht, geschieht ein Mord und alles droht zu eskalieren.
Meinung: Wenn sich zwei Starzeichnerinnen für ein Projekt zusammentun, so ist die Neugierde schon sehr groß. Nicht nur ob sich eine zeichnerisch zurückhält, um sich mal als Autorin auszuprobieren, sondern wie die Arbeitsteilung dann genau abläuft. Zugleich ist man hier recht irritiert da sich die Zeichenstile von Becky Cloonan und Tula Lotay doch ziemlich unterscheiden. Was hier aber die Neugierde nur noch mehr schürt.
Wenn man nun also Somna betrachtet, so fällt erstmal auf das die Arbeitsteilung genau aus 50/50 zu bestehen scheint. Beide haben die Story entwickelt und geschrieben und die Zeichnungen halten sich beide die Waage. Erstaunlicherweise harmonieren die beiden so unterschiedlichen Zeichenstile auch da sich der kantige eckige also hart wirkende Stil von Becky Cloonan der Realität der weiblichen Hauptfigur annimmt und der sanfte fließende kaum Begrenzungen und wenig Linien kennende Stil von Tula Lotay für die Traumsequenzen in seiner surrealen Art hervorragend passt. Je mehr sich die Heldin nicht mehr zurechtfindet und nicht mehr zwischen Traum und Realität entscheiden kann, umso fließender sind die Übergänge der Stile und man hat sich insofern angepasst das im Laufe der Story die Brüche nicht mehr so hart auftreten. Auch wenn Becky Cloonans Stil recht kantig ist, so ist doch immer eine gewisse Zartheit zu spüren. Tula Lotay zeichnet wunderschöne Menschen in einer Umgebung welche sich hier schon in ein Nichts auflöst in reine Farben und zunehmend an Konturen verlieren. In den Träumen verwirklicht sich die Frau. Sie selbst zählt, alles um sie herum nicht. Sie kann nicht durch die harte Realität zerbrochen werden, da im Traum so gut wie jede Umgebung fehlt. Insofern sind die Zeichnungen herausragend und gehen eine so enge Symbiose mit der Story ein woran man allein schon merkt, dass die Zeichnerinnen auch die Story geschrieben haben und kein fremdes Skript verbildlichen.
Wie schon angeklungen liegt hier ein feministischer Comic vor der sich der Verwirklichung einer Frau annimmt. Mit Einschränkungen. Denn hier liegt ein Historienstück vor welches während der Hexenverfolgungen spielt. Die Ehefrau eines unfreiwilligen Hexenjägers wird zunehmend durch Träume verunsichert. In diesen wird die Unterdrückung der weiblichen Lust gelöst und sie kann sich ganz hingeben, auch wenn sie sich dagegen wehrt da es der gesellschaftlichen Normen widerspricht. Sie will sich die Sehnsüchte nicht eingestehen. So ist es bis zum Ende etwas unklar ob das Traumbild von einem Dämon nun ein Symbol für die dämonisierte Lust der Frau ist oder ein wirklicher Dämon, also die Story in den Horror mündet. Eine Antwort bleiben die Autorinnen schuldig, was gut ist. Denn die Geschichte schildert die Ausbruchsversuche aus der Norm und den Zwängen was nur noch mit Mord, Denunziation, Verrat und noch mehr folgender Gewalt zu gelingen scheint. Die Hexenjagd, das Misstrauen, die Angst, schaffen ein permanentes Gefühl der Bedrohung nicht nur über dem Haupt der Heldin, die zumindest ansatzweise versucht was zu ändern, sondern auch die Leserschaft sieht sich gefangen, verunsichert und fiebert immer mehr mit den Personen mit. Das im Verbund mit den herausragenden Zeichnungen macht den Band zu einem Muss.
Fazit:
Auch wenn die Grundidee nicht neu ist, so ist die Story doch packend und die Zeichnugnen herausragend. Ein kleines Meisterstück.
Somna: Eine Gutenachtgeschichte
Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann
Verlag:
Cross Cult
Preis:
€ 35,00
ISBN 10:
3986667148
ISBN 13:
978-3986667146
168 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Symbiose Stpry und Zeichnungen
- harmonische Ergänzung zweier unterschiedlicher Zeichenstile
- packende Story
- feministische Ansätze

- Grundidee nicht allzu neu

| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
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| Rezension vom: | 25.07.2025 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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