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Comic-Besprechung - Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan 2
Geschichten:Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan 2
Autor / Zeichner: Juoku Kawakami
Story:
Bei dem Ausräumen der Wohnung des verstorbenen Großvaters wird etwas unheimliches entdeckt. Ein Onlinemeeting bei der sich eine neue Mitarbeiterin vorstellt gerät außer Kontrolle. Ein Staubsaugerroboter verhält sich nicht so wie er sollte. Aber auch Apps entwickeln ein Eigenleben: sei es nun eine Dating-App, eine App mit Beruhigungsgeräuschen oder eine KI zur Bilderstellung. Die Nutzer erleben das pure Grauen.
Meinung:
Juoku Kawakami beherrscht die Gattung der Kurzgeschichte meisterhaft. Per Definition hat eine Kurzgeschichte einen offenen Anfang, ein offenes Ende und schildert einen Wendepunkt, also einen Kulminationspunkt in einer Entwicklung, meistens eines Charakters. Dabei ist diese Definition schon länger aufgeweicht und gerade in der Genreliteratur wie dem Horror, dem Krimi oder Science-Fiction sind es abgeschlossene komplette Erzählungen mit einem Anfang und Ende und im Grunde extrem verknappte Romane.
Aber Kawakami hält sich eng an die literaturwissenschaftliche Definition, erzählt aber dennoch Genrestücke. Man bekommt Horrorgeschichten wie es der Titel schon vorgibt und Kawakami benötigt pro Geschichte nicht mehr als zwanzig Seiten. Oft sind es sogar noch weniger, was einem bei der Lektüre gar nicht mal sonderlich auffällt. Es wird hier nichts erklärt was die Geschehnisse im Grunde noch unheimlicher werden lässt. Aber gerade da er sich an die klassische Definition hält sind die Geschichten auch sehr dicht. Kurz wird ein Charakter eingeführt, es brechen merkwürdige Geschehnisse in den Alltag ein und das Ende ist meist komplett offen und lässt die Leserschaft auf dem Höhepunkt der Spannung zurück. So wird die eigene Phantasie noch mal befördert.
Und die hat hier ihr leichtes Spiel, denn es sind mit Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan ja Episoden mit Auslösern wie man sie in unserer Lebenswirklichkeit erleben könnte. So ist es hier der Retro-Trend, dort ein Videomeeting wie es in der modernen Arbeitswelt nach der Pandemie üblich ist, ein Staubsaugerroboter, ein Avatar in Computerspielen, eine Dating-App, KI, unbestellte aber gelieferte Ware von einem großen Onlinehändler und Apps die hier unter anderem den Horror bringen. Die Leserschaft wird also direkt abgeholt mit Dingen die sie kennen. Es gibt keine Distanz wie eine historische Verordnung etwa in das viktorianische Zeitalter, keine geographische Versetzung durch eine Reise und auch kein Monster welches man noch in die Legende schubsen kann. Es gibt keine Distanz weswegen die Geschichten umso wirkungsvoller sind. Es gibt kurz das Setting und eine Grundfassung der Charaktere und dann ein Alltagsobjekt was nicht ganz so läuft wie geplant und das letzte Panel, meist eine Splashpage vereint dann den Twist und den Schock. Als Beispiel sei hier die Geschichte mit dem Staubsaugerroboter genannt. Ein junger alleinstehender Mann hat sich den zugelegt, aber das Gerät dreht sich an einer bestimmten Stelle in der Wohnung immer im Kreis. Er schickt es zurück, aber das Nachfolgegerät verhält sich ebenso. Es beginnt eine Steigerung und das letzte Panel ist der Twist und der Schock. Und in der Tat bekam ich auch als hartgesottener Horror-Freund bei einigen Geschichten Gänsehaut.
Aber es sind nicht nur die Alltagsobjekte die einen direkt abholen, sondern auch Ängste der modernen Großstadtmenschen wie Einsamkeit, Einbruch in die Privatsphäre, Technikabhängigkeit und so können sich viele sehr viel mehr wiederfinden und identifizieren was den Grusel erhöht. Zudem enthält sich Kawakami jeglicher zeichnerischen Albernheit, sondern bleibt stilistisch sehr realistisch. Es gibt keine Übertreibungen und nichts lenkt von den Zeichnungen ab. Alles zusammen liegt hier ein überaus effektiver Horror-Manga vor der aus dem Genre deutlich hervorsticht.
Fazit:
In kurzen, sehr dichten Horrorgeschichten wird die Leserschaft ohne Distanz in ihrer Wirklichkeit abgeholt. Gänsehaut garantiert.
Furcht: Horrorgeschichten aus dem modernen Japan 2
Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann
Verlag:
Panini
Preis:
€ 8,99
ISBN 10:
3741641928
ISBN 13:
‎ 978-3741641923
192 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Abholung in der Lebenswirklichkeit
- meisterhafte Beherrschung der Struktur von Kurzgeschichten
- effektiver Einsatz von Splashpages
- keine zeichnerische Unterbrechung des Realismus


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
| Keine Bewertung vorhanden | ||
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| Rezension vom: | 23.07.2025 | ||||||
| Kategorie: | Mangas | ||||||
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