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Comic-Besprechung - Golden City — Band 15: Tag des Grauens
Geschichten:Golden City — Band 15: Tag des Grauens
Autor: Daniel Pecqueur
Zeichner: Nicolas Malfin
Übersetzerin: Andrea Weber
Story:
Während das Mordkomplott gegen Apple, den neuen Programmierer von Golden Citys Sicherheitssystemen und Freund von Harrison Banks, langsam anläuft, wie am Ende des letzten Bandes durch die Anteilseigner der Golden City Bank beschlossen, wird Golden City selbst durch einen Meteoriten bedroht. Doch dieser entpuppt sich als eine noch größere Gefahr, als irgendjemand sich hätte vorstellen können.
Meinung:
Golden City gehört zu den Serien, die Mitte der Neunziger-Jahre in Frankreich auf den Markt gekommen sind, und damals (zumindest in Deutschland) unter der Bezeichnung „Euromanga” beworben wurden. Es handelt sich dabei um rasant erzählte Science-Fiction Storys, die meist in einer Art postapokalyptischen Setting spielen, in dem große klimatische Umwälzungen das Leben auf der Erde stark verändert haben, während die Kluft zwischen arm und reich immer weiter aufklafft, und nur durch extrem futuristische Technologien und Waffensysteme aufrecht erhalten werden kann. Hierbei ist der Held dann in der Regel ein Kämpfer gegen die bösen Mächte, die aus Profitgier das Leben für den Rest der Menschheit noch unerträglicher zu machen bereit sind. Ein bisschen sehr schwarz und weiß, aber eben temporeich erzählt, mit vielen Kampfszenen, Robotern, Raumschiffen und sonstigen exotischen Maschinen. Das muss man mögen, doch dann kommt man auch voll auf seine Kosten. Die erste dieser Serien, an die ich mich erinnern kann, war der Fünfteiler „Nomad” (bei Kult Editionen ab 1999, vom Team Morvan/Buchet/Savoia), danach folgten Serien wie „Zentak” (Splitter alt, Pecau und Def), „Carmen McCallum” und „Travis” (Bunte Dimensionen, Duval und Gess bzw. Quet) oder „Arctica” (auch Bunte Dimensionen, von Pecqueur und Kovacevic), sowie eine Nebenserie zu „Golden City” namens „Golden Cup”, um nur einige zu nennen.
Auch im vorliegenden Band wird das Strickmuster dieser Art von Serien beibehalten, die Story ist gewohnt rasant, und exotische Hochtechnologie beherrscht die Szenerie — was aber teilweise bereits für meinen Geschmack ein wenig zu weit geht. Denn zumindest, wenn die Grenzen der Physik überschritten werden, macht sich die Geschichte ein wenig unglaubwürdig und driftet doch stark in Richtung Groschenroman. Zur Erinnerung: die Serie begann mit einer gigantischen, schwimmenden Stadt voller Milliardäre, beherrscht von einem Konsortium, dass von der Familie Banks geleitet wurde. An der Spitze stand Harrison Banks, der schnell der Held der Serie wurde — diesmal also kein „Armer” gegen die „Reichen”, sondern ein Reicher selbst, was einigermaßen originell ist und durch den Verlauf der Handlung gut gestützt wurde. In einer ersten Staffel von sechs Bänden musste sich Harrison Banks gegen ein Komplott aus den eigenen Reihen wehren, gegen Auftragskiller und einen heimlich geklonten Doppelgänger. In der zweiten Staffel, die nur noch drei Alben umfasste, wurde Golden City von Terroristen angegriffen, und sank im Laufe der Ereignisse. Harrison konnte als einer von Wenigen entkommen und tauchte unter, während seine ehemaligen Partner ein neues Golden City bauten — doch diesmal im Weltall! Und ab diesem Band 10 wechseln die Themen so rasant, dass man nicht mehr von Staffeln reden kann (und es auch in Frankreich nicht mehr tut). Es gibt weiterhin Mordkomplotte gegen Harrison, aber auch gegen einen seiner neuen Freunde, Apple. Die Sicherheit der Weltwirtschaft wird durch Aufständische bedroht, Harrisons engste Freunde werden bedroht oder entführt, er erfährt, dass seine totgeglaubte Mutter noch lebt, die auch weiterhin im Hintergrund die Fäden in der Hand hält, und eine weibliche Bodyguard in sein Leben schleust: ausgerechnet die Frau, Amber, die einst auf ihn angesetzt war. Wieder wird Golden City massiv bedroht, durch Anschläge, einen Hackerangriff und jetzt durch einen Meteoriten, hinter dem sich eine noch größere Gefahr verbirgt, als man bereits ganz am Anfang befürchtete. Hier ist schon seit inzwischen sechs Alben kein echter roter Faden mehr zu erkennen, doch die Handlung bleibt spannend wie eh und je, und man muss dann halt mal abwarten, wo die Reise noch hingehen soll und mit welchen Überraschungen Daniel Pecqueur noch aufwarten wird.
Anders ist es beim Zeichner Nicolas Malfin, der unverändert im gleichen Stil arbeitet wie seit der ersten Stunde dieser Serie, in der gewohnten Ästhetik der Euromanga, mit feinen Linien, vielen Details und einer sehr räumlichen Kolorierung, die die Figuren und Gegenstände dreidimensional wirken lässt. Zudem ist jedes Panel sehr „aufgeräumt” und wirkt „sauber” und fast schon steril — das macht eben die Euromangas generell aus. Also auch von dieser Seite wird man in diesem Band nicht enttäuscht.
Golden City hat in Deutschland eine bewegte Veröffentlichungsgeschichte hinter sich. Während Band 1 im Jahr 2001 bereits einigermaßen zeitnah zur Originalveröffentlichung bei uns von Tilsner/Speed auf den Markt gebracht wurde, war danach direkt wieder Schluss. Epsilon hat die Veröffentlichung der Serie ab 2004 neu gestartet, allerdings nur bis Band 9 durchgehalten. Danach stieg ab 2016 Bunte Dimensionen mit Band 10 in die Fortsetzung der Reihe ein, und hat zusätzlich die ersten neun Bände seit 2020 in drei Sammelbänden noch einmal nachgeschoben. Inzwischen liegt mit der vorliegenden Ausgabe also Band 15 vor, während im Original in diesem Jahr bereits der Folgeband erschienen ist. Wenn der bisherige Veröffentlichungsabstand von jeweils ca. zwei Jahren zur französischen Ausgabe beibehalten werden sollte, müssen wir in Deutschland also noch ein wenig auf eine Fortsetzung warten. Doch es wird sich lohnen, denke ich.
Fazit:
Die Fortsetzung dieser rasanten Zukunftsvision wartet auch diesmal wieder mit dramatischen Handlungswechseln und Überraschungen auf, deren Konsequenzen der Held Harrison Banks wieder mal (fast) im Alleingang lösen muss. Die Zeichnungen sind im gewohnt glatten Stil, detailreich und doch irgendwie aufgeräumt, und mit einer sehr plastischen Kolorierung. Fans dürfen sich über diese Fortsetzung freuen, doch für Neueinsteiger wäre eine weit umfangreichere Einführung notwendig als die paar Sätze auf der Rückseite des Buches. Den Leser erwartet insgesamt eine spannende Unterhaltung, doch die Handlung driftet langsam ein bisschen in Richtung Pulp ab.
Golden City — Band 15: Tag des Grauens
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Bunte Dimensionen
Preis:
€ 17,00
ISBN 10:
3949144528
ISBN 13:
978-3949144523
48 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Rasante Unterhaltung wie gewohnt.
- Zeichnungen im Stile der Euromanga.

- Der Plot geht langsam in Richtung Groschenroman.

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| Rezension vom: | 28.08.2025 | ||||||
| Kategorie: | Golden City | ||||||
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