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Comic-Besprechung - Eva Medusa Gesamtausgabe

Geschichten:

Eva Medusa Gesamtausgabe
Autor: Antonio Segura, Zeichnerin / Coloristin: Ana Miralles



Story:

Im brasilianischen Manaus wartet ein Plantagenbesitzer am Hafen ängstlich auf die Rückkehr seiner Tochter die er seit vielen Jahren nicht gesehen hat. Nachdem ihre Mutter dem Voodoo und dem Wahnsinn anheimgefallen war und unter tragischen Umständen ums Leben kam, hatte der Vater Maria Isabel weit entfernt in eine Klosteschule geschickt. Doch nicht nur der mächtige Plantagenbesitzer fürchtet das Maria Isabel ihrer Mutter ähnlich ist, sondern auch eine Voodoo-Priesterin die hofft das die Jugendliche eine Verkörperung Eva Medusas ist, einer Inkarnation einer Göttin, um die Fremdherrschaft zu zerstören. Schon bald nach der Ankunft der jungen Frau beginnen die Emotionen zu kochen und die Grenze zwischen den Welten verschwimmt.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Die Gesamtausgabe beinhaltet alle drei Einzelbände von Eva Medusa, aber  leider keinerlei redaktionelle Extras. Nicht mal die Coverabbildungen der Einzelausgaben oder sonstige Illustrationen. Gerade angesichts des dritten Teils hätte man doch gerne etwas mehr erfahren da sich hier die Tonalität ändert und es noch mehr in das Phantastische geht. Auch über den Autor Antonio Segura und die Zeichnerin Ana Miralles hätte man gerne mehr erfahren.

Eva Medusa entstand bereits zwischen den Jahren  1991 und 1994 und stellte für Miralles den Durchbruch dar. Natürlich kann man da noch nicht die spätere Meisterschaft wie etwa bei Djinn erwarten. Aber ihr Stil hatte sich schon herausgebildet und man erkennt ihn wieder. Die teils übertrieben gestalteten Augen in emotionalen Ausnahmesituationen und die teils blasse und einfallslose Farbgebung stehen aber in Kontrast zu den späteren Werken. Dennoch liegt hier schon ein hohes Niveau vor.

Die Zeichnungen unterstützen hervorragend diese dramatische, spannende, surreale, sozialkritische, schwül-erotische Abenteuergeschichte. Im Grunde passt hier nichts wirklich zusammen, aber es gelingt doch alles harmonisch wirken zu lassen. Zumindest in den ersten zwei Teilen. Der Dritte fällt da etwas aus dem Rahmen. Vor allem wenn weitere übernatürliche Wesen auftauchen die im Grunde mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben. Aber es gibt viele Traumsequenzen und damit surreale Szenen welche deutlich machen das hier vieles symbolisch zu verstehen ist. Wenn man nun zwei scheinbar unsterbliche Europäer vor sich hat und sich wundert was das soll, so kann man es auch so sehen das sich das was die beiden repräsentieren überlebt hat und in Erkenntnis dessen der Verfall schnell ist. Was auch wieder für die Mentalität des Imperialismus steht.

Deutlich herausgestellt wird die Rolle des Voodoo in der Neuen Welt. Diese Mischung aus afrikanischem Glauben der mit Elementen des Katholizismus vermischt wurde, wird hier nicht als Horror-Motiv verwendet. Stichwort Zombies. Vielmehr ist er eine Widerstandsform der Rechtlosen und der Sklaven. Sie erhalten eine Tradition aufrecht, ein Erbe,  bauen aber Einflüsse der Herrschaft ein und machen es sich zu Eigen und haben damit ein Alleinstellungsmerkmal. Das Voodoo auch als Waffe dienen kann, ist hier auch der Fall. Zwar wird dann leicht am Horror gekratzt, aber nicht in dem Sinne moderner Zombie-Geschichten, sondern mehr die Tradition, das Ursprüngliche hervorgehoben. Indem reiche und mächtige Weiße zu willenlosen Sklaven gemacht werden, werden die Rollen umgedreht.

Wenn nun die Titelheldin Eva Medusa als eine nimmersatte Frau dargestellt wird, so kann auch dieses für den Kolonialismus an sich stehen. Sie nimmt und nimmt, verführt, zerstört und lässt alle die mit ihr zu tun hatten in ihren Bann und versperrt ihnen die Zukunft. Eine andere Frau tritt als Sklavenretterin auf, aber hinter der Fassade ist sie komplett gebrochen und uneindeutig. Ihre Einstellung: Sklaven kaufen, sich ihrer Bedienen und dann freilassen wird körperlich widergespiegelt. So ist hier das Janus-köpfige des Imperialismus noch deutlicher herausgestellt.
In dieses Schema passt auch der Zwerg der anhand seines Vermögens Macht erlangt und Menschen ausbeutet.

Man kann alles symbolisch lesen und sich somit einen speziellen Zugang zu den Ereignissen verschaffen, aber die ausnahmslos interessanten Charaktere faszinieren einen eh schon. Es gibt hier keine wirklich Guten und Bösen. Alle sind in einer Grauzone. Man kann sich also auch abseits von Interpretationen amüsieren wozu natürlich auch die Erotik beiträgt die hier eine große  Rolle spielt. Aber nicht nur die reine Liebe, sondern auch die Erotik als Mittel der Machtausübung wird hier deutlich. Im Großen und Ganzen also eine faszinierende Serie die einen mitreißt, emotional bewegt, manchmal ratlos zurücklässt aber zu den Charakteren durchaus eine Bindung aufbaut. Absolut empfehlenswert.



Fazit:

Absolut empfehlenswert. Zwar ist die Zeichnerin Miralles in diesem Frühwerk noch  nicht  auf dem hohen zeichnerischen Niveau, aber sie unterstützt hervorragend die symbolisch stark aufgeladene Geschichte welche Kritik am Imperialismus darstellt.



Eva Medusa Gesamtausgabe - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Eva Medusa Gesamtausgabe

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Alles Gute!

Preis:
€ 29,80

ISBN 10:
3965822195

ISBN 13:
978-3965822191

144 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Zeichnungen
  • interessante Charaktere mit vielen Grauzonen
  • Erotik
  • stark symbolisch aufgeladen
  • Kritik am Imperialismus
Negativ aufgefallen
  • teils übertrieben dargestellte Augenpartien
  • etwas blasse Farbgebung
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1.4
(5 Stimmen)
Bewertung
Du kannst diesen Comic hier benoten.

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Rezension vom: 22.01.2026
Kategorie: Alben
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