| In der Datenbank befinden sich derzeit 19.353 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen... |
Comic-Besprechung - Die Ballade der Carol Welsh — Band 1
Geschichten:Die Ballade der Carol Welsh — Band 1
Autor und Zeichnungen: Martin Frei
Story:
Die junge Dorfschullehrerin Carol Welsh gerät in der kleinen Siedlung Snowflake in die Wirren eines mysteriösen Mordes an der Gattin des Bürgermeisters. Hin- und hergerissen zwischen einem reaktionären Prediger, einem Bürgermeister, der einiges zu verschweigen hat, einem verliebten Ex-Schüler und dem allgegenwärtigen Rassenhass der Bevölkerung, versucht sie, die Situation aufzuklären und die Stadt gegen den drohenden Überfall durch eine Gruppe von aufständigen Indianern zu verteidigen.
Meinung: Ursprünglich als „Die Frau mit dem Silberstern” und als kleine Hommage an die allseits bekannte und international berühmte Western-Saga „Leutnant Blueberry” gedacht, und bereits im ZACK-Magazin vorabgedruckt, musste der erste Versuch einer Albumveröffentlichung dieses Doppelbandes nach einem reichlich spät geäußerten Einwand der Erben Jean-Michel Charliers, des Autors eben jener Serie, leider wieder eingestampft werden, und kam im Prinzip nicht in Umlauf. Wer vielleicht doch noch damals ein Exemplar ergattern konnte (und ich gehöre dazu), kann nun sehen, dass Verlag und Autor es hier in einem zweiten Anlauf geschafft haben, das Projekt doch noch in trockene Tücher zu bringen, ohne dass man sich groß verrenken musste. Martin Frei hat die ersten drei Eingangsseiten mit der Vorgeschichte, die die Anknüpfung zum Album „Der Mann mit dem Silberstern” (in späteren Ausgaben „Der Sheriff” genannt) aus der Blueberry-Serie darstellte, schlichtweg umgezeichnet und auf fünf Seiten erweitert. Dabei wurden gleichzeitig die Namen der Protagonisten und des Ortes geändert — und fertig ist die Laube. Auch auf den weiteren Seiten der Geschichte musste noch einmal das eine oder andere Panel angepasst, sowie die Texte in einigen Sprechblasen geändert werden, doch insgesamt ist die Geschichte wie zuvor — lediglich der eigentlich ganz charmante Bezug auf den berühmten Leutnant ist nun gelöscht. Das tut der Geschichte nicht weh, hätte aber andererseits auch der Originalserie, die im übrigen seit etlichen Jahren beendet ist, nicht geschadet. Aber was solls.
Die Geschichte selbst ist für meinen Geschmack ein bisschen schlicht und durchschaubar, obwohl das Ende dann zugegebenermaßen doch wieder originell ist. Doch das Setting, die Charaktere und Stereotypen sowie die etwas platten Dialoge passen tatsächlich eher in das Umfeld des Silberstern-Bandes als dass sie an ein modernes Werk denken lassen, und sie lassen eher den Geist einer Hommage erkennen, die sehr gut in die 60er-Jahre Erzählweise gepasst hätte und eine quasi perfekte Fortsetzung des einzigen Einzelbandes der Originalserie hätte sein können. Doch genau das macht wiederum ihren Charme aus, weswegen ich jedem Leser empfehlen würde, das enthaltene Dossier zuerst zu lesen um diese Zusammenhänge bei der Lektüre im Blick zu haben — wenn man das als Blueberry-Fan nicht sowieso bereits hat.
Das erwähnte Dossier ist für diese (Neu-)Ausgabe angepasst worden, das Making-Off-Interview mit Blueberry-Bezug entfällt, während statt dessen über den Hintergrund der Neuausgabe aufgeklärt wird, und die restlichen Teile über das Werk Martin Freis bleiben wie zuvor. Insgesamt ist der Buchumfang sogar noch etwas erweitert worden, und zwar in Form einer ganzen Reihe weiterer Drucke, Ex-Libris und Zeichnungen, die den bisherigen Bonusteil noch vergrößern und den Fans sicherlich sehr gefallen werden.
Der Zeichenstil Martin Freis orientiert sich nicht an dem von Jean Giraud, er findet eher seinen eigenen Stil, der sich für mich vor allem dadurch auszeichnet, dass Frei seinen Figuren durch zahlreiche Schraffurlinien Tiefe und Dreidimensionalität verleiht, während die Umrisse oft mit ungewöhnlich dicken Linien ausgeführt sind. Es erinnert mich vage an die Zeichnungen von Hugues Labiano („Dixie Road”). Für diese Neuausgabe wurde der Rotanteil bei der Farbgebung ein bisschen zurückgefahren, was den Panels gut tut, vor allem die Gesichter wirken jetzt etwas lebensnaher. Allerdings nicht immer, die Farbgebung ist auf diesen gut einhundert Seiten nicht gänzlich kohärent, leider. Zum Ausgleich hat der Verleger es nicht lassen können, den berühmten Silberstern doch noch nachträglich einzubauen: die Seitenzahlen stehen nämlich bei dieser Neuausgabe nun in einem Sheriffstern! Voilà!
Da dieser Band jetzt als Band 1 gekennzeichnet ist, darf man also gespannt sein, wie es mit Carol Welsh weitergehen wird. Ich tippe mal darauf, dass die Fortsetzung auch wieder im Magazin vorabgedruckt werden wird? Mal sehen.
Fazit:
Eine charmante Fortführung des einzigen Einzelbandes aus der „Blueberry-Saga” — auch wenn man das ja offiziell gar nicht sagen darf. Doch echte Westernfans haben das sowieso im Hinterkopf, und die Anderen werden im ausführlichen Dossier über die Hintergründe aufgeklärt. Die Geschichte ist ein bisschen stereotyp, doch das gehört irgendwie zu den meisten Westerngeschichten ebenfalls dazu, sodass man diesen Band durchaus als gelungen bezeichnen kann. Sollte man sich ansehen, schon allein, um den widerspenstigen Charlier-Erben ein Schnippchen zu schlagen!
Die Ballade der Carol Welsh — Band 1
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Blattgold GmbH
Preis:
€ 32,00
ISBN 10:
3949987991
ISBN 13:
978-3949987991
128 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Charmante Neuausgabe mit gelöschten Blueberry-Anspielungen.


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
![]() (1 Stimme) | ||
|
|
|||||||
| Rezension vom: | 21.02.2026 | ||||||
| Kategorie: | Rezensionen | ||||||
|
|||||||
| Leseprobe | |||||||
| Zu diesem Titel liegt derzeit keine Leseprobe vor. Sie sind Mitarbeiter des Verlags und daran interessiert uns für diesen Titel eine Leseprobe zu schicken? Dann klicken Sie hier... | |||||||
| Das sagen unsere Leser | |||||||
| Zu diesem Titel existieren noch keine Rezensionen unserer Leser. | |||||||

