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Comic-Besprechung - Fever

Geschichten:

Fever
Autor: Octavie Delvaux; Zeichner / Colorist: Luigi Critone, Inès Allahverdian, Urbino, Chéri, Michelle Reviglio, Chloé Cavalier, Janevsky, Raven, Apollonia Saintclair



Story:

In zehn Kurzgeschichten wird ein Blick auf weibliche Lust geworfen in all ihren Spielarten. Sei es Sex in der Öffentlichkeit, die Verführung der Unschuld, der Reiz am Verbotenen, das Dominieren oder Unterwerfen: Frauen sind hier keine Objekte.



Meinung:

Ähnlich wie bei dem vorher unter dem Label Splitternackt erschienen Band Erste Male besteht der Band Fever aus Kurzgeschichten. In beiden Fällen handelt es sich um Adaptionen von erotischen Erzählungen. Kurz verwirrt es, dass auf dem Backcover 9 +1 steht, aber hier handelt es sich um 9  Adaptionen und eine exklusiv für diese Ausgabe geschriebene und gezeichnete Geschichte, also ist nur eine genuin als Comic geschrieben worden.

Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Kurzgeschichten aus der Feder einer Frau stammen. Erste Male von Sybelline und Fever von Octavie Delvaux. Dabei steht dann die weibliche Lust im Fokus. Es ist eigentlich logisch das bei einer weiblichen Perspektive das Empfinden und Lust, also das Fieber, von Frauen thematisiert wird. Sie sind hier keine Sexobjekte, sondern immer die treibende Kraft. Männer werden da schon fast marginalisiert bzw. dienen teils als Objekte. Sie gewinnen keine Tiefe, dienen eigentlich nur als Lust- und Phantasieobjekte was aber auch für männliche Leser interessant sein dürfte. Auch die erste, und beste, Geschichte behandelt weibliche Lust. Vordergründig steht ein Mann im Mittelpunkt. Der Erzähler ist männlich und der junge Soldat will seine Unschuld verlieren, scheitert aber bei einer Prostituierten. Im Grunde ist es eine Männerphantasie in einem Auto als Anhalter von einer wildfremden Frau verführt zu werden. Aber hier wird schlicht das Topos der willigen Anhalterin umgedreht und bei dieser Männerphantasie schlicht das Geschlechterverhältnis umgekehrt.

In den Geschichten werden  auch die unterschiedlichsten Formen der Lust behandelt. Mal ist es eine Sado-Maso-Phantasie, mal Sex in der Öffentlichkeit, die Lust am Experimentieren, animalische Lust, also auf das essentiellste reduziert, und anderes. Dabei steht nicht immer der Sex an sich im Vordergrund, was die Geschichten schlicht pornographisch und damit durchaus hätten langweilig werden lassen, sondern auch die Liebe. Es geht nicht nur um Trieberfüllung, sondern auch um Sex innerhalb von Beziehungen, es spielt immer eine Sehnsucht mit hinein und neben dem rein körperlichen Akt, also der Pornographie, spielt hier eine starke emotionale Komponente eine Rolle. Auch wenn die Sexszenen hier explizit sind, und damit der Band nur für Erwachsene empfohlen wird, rutscht er aufgrund der Emotionalität nie in das rein pornographische ab. Frauen könnten sich teils wieder erkennen, manche Männer dürften erstaunt sein ob der weiblichen Variante von Pornographie und das Frauen in punkto Lust nicht unbedingt anders sind als Männer.

Jede Geschichte ist in einem unterschiedlichen Stil gezeichnet. Auffällig oft übrigens auch von Zeichnerinnen was die weibliche Perspektive verstärkt. Manches wirkt luftig leicht wie einem Cartoon entnommen, was dem Thema BDSM die Härte nimmt, anderes wirkt wie Gemälde wie die animalische Lust am Ende des Bandes, mal in einer interessanten detaillierten Schraffurtechnik gehalten, mal sehr realistisch, mal angelehnt an Druillet, mal detailliert, mal sehr reduziert mit sehr flächigen Hintergründen. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Aber der Stil deckt sich nur manchmal mit dem Inhalt, verschafft aber insgesamt dem Band eine variierende Tonalität der Lust und entspricht somit den vielen verschiedenen geschilderten Facetten. Sehr interessant. 



Fazit:

Die weibliche Perspektive ist auch für den männlich voyeuristischen Blick interessant. Jede Geschichte ist stilistisch sehr unterschiedlich gehalten, passt aber nicht immer zu dem Inhalt. Dennoch sehr interessant und nur für Erwachsene.



Fever - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Fever

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 29,80

ISBN 10:
3689501652

ISBN 13:
978-3689501655

128 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • weibliche Perspektive
  • Frauen keine Sexobjekte, sondern treibende Kräfte
  • unterschiedliche Spielarten der Lust
  • manche Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • manche Zeichnungen
  • zeichnerischer Stil passt nicht immer zu der inhaltlichen Thematik
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(536 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 03.05.2026
Kategorie: Alben
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