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Comic-Besprechung - Die Abenteuer von Theodor Pussel — Band 14: Aro Satoe

Geschichten:

Die Abenteuer von Theodor Pussel — Band 14: Aro Satoe

Autor und Zeichnungen: Frank Le Gall

Kolorierung: Robin Le Gall

Übersetzung: Eckart Schott



Story:

Nachdem er im letzten Band in einem großen Coup seine Insel von Kapitän Crabb zurückerobert hatte, hat sich Theodor Pussel von seinen Freunden getrennt und ist zur aparten Waffenhändlerin Aro Satoe auf deren Insel geflüchtet. Doch sein Glück dort soll nur kurz währen, denn die Englischen Behörden sind über diese Vorgänge gar nicht glücklich, haben die Männer der Amok festgesetzt, und wollen sie wegen Piraterie verurteilen. Gleichzeitig sind sie fest entschlossen, auch Theodor zu fangen, schon allein, um ein Exempel zu statuieren. Schließlich greift das englische Militär die Insel an…



Meinung:

In sehr großen Schritten und mit sehr viel zeitlichem Abstand zwischen den einzelnen Bänden setzt Frank Le Gall das Abenteuer um Theodor Pussel und die wilde Menagerie von exotischen Charakteren, die dieser um sich versammelt hat, fort. Seit beinahe vierzig Jahren erscheint diese Serie bereits im Original, und noch ist kein Ende ein Sicht — auch mit diesem Band nicht. Doch den Worten auf der letzten Seite kann man entnehmen, dass der Autor zumindest plant, diesen Zyklus mit dem nächsten Band aufzulösen. Denn genau das haben wir jetzt wieder: einen Erzählzyklus, ganz wie zu Beginn der Serie, und das gefällt mir ehrlich gesagt besser, als das Durcheinander zwischendurch — auch wenn einzelne Bände durchaus sehr gut und spannend waren. Doch gerade die aufeinander aufbauenden Geschichten, die aufeinander folgenden Abenteuer, machten am Anfang den Charme dieser Serie aus und haben es damals geschafft, mich direkt in den Bann dieses kleinen Buchhalters zu ziehen, der sich aufmacht in das große Abenteuer und dabei immer reifer und erfahrener wird. Das machte den Inhalt der ersten fünf Bände aus, diese Suche nach dem verlorenen Onkel, der eigentlich der leibliche Vater war, wie sich am Ende herausstellte. Eine einzige große Reise, erst hin zu fernen Orten in Fernost, dann der beinahe schon verzweifelte Versuch, Mittel und Wege zu finden, um wieder nach Hause zu kommen. In Band sechs dann die Rückkehr, und die Ernüchterung, dass das Leben nach so einem Abenteuer nicht mehr dasselbe sein kann. Band sieben war dann eher skurril, diesmal ging es um die Kindheit Theodors, in einem anderen Stil gezeichnet und koloriert als zuvor, und der eigentlich eine Hommage an die Kindheit eines Kapitän Coq war, der Le Gall inspiriert und beraten hatte. Danach der Traumband, Nummer acht, in dem Theodor eine mystische und magische Insel erlebt, die nur in einem Fiebertraum existiert („Die Nebelinsel”), und die in Angouleme ausgezeichnet wurde. Das hat mich damals für drei Alben lang ein wenig aus dem Tritt gebracht, ich hatte die Serie beinahe vergessen, als mit dem Doppelband um den Palast des Nabob wieder ein Ansatz zu einem längeren Zyklus gelegt zu sein schien — nur um direkt durch den wirklich spannenden Krimi à la Agatha Christie in Band 11 „Das ganze Jahr November” wieder unterbrochen zu werden. Doch mit dem Folgeband 12 „Eifersucht” hat der Autor wieder den Faden aufgenommen, der im Grunde mit dem Doppelband um den vereitelten Aufstand gegen einen naiven Raja begonnen worden war. Dort fand Theodor seine große Liebe, die ohne weitere Erklärung in Band 11 wieder fort war, um jetzt wiederzukehren, und um Theodor in ein ziemliches Durcheinander zu stoßen. Und auch weitere alte Bekannte fanden sich ein. Theodor, November und Martin besitzen eine Insel, die ihnen der totgeglaubte Kapitän Crabb aus dem Raja-Abenteuer wieder abnimmt. Doch Theodor rächt sich, muss wieder fliehen, verliebt sich erneut, und endlich sind wir wieder in einem Erzählzyklus, der an Abenteuer und Spannung an die ursprünglichen ersten fünf Bände anknüpft und nun immerhin bereits seit drei Bänden andauert. Ein Problem dabei ist sicherlich der unglaublich große Abstand zwischen den neuesten Bänden. Elf Jahre zwischen Band 12 und 13 (2007 bis 2018 im Original), dann nochmal fünf Jahre bis zum aktuellen Band 14 (2003), der bei uns nun mit einer gewissen Verspätung von weiteren drei Jahren erscheint. Da ist es schwer, sich noch an alles zu erinnern, deshalb habe ich oben einmal diese kleine Zusammenfassung eingeführt.

Die lange „Reifungsphase” dieser Serie hat zumindest noch einen weiteren Aspekt: die Zeichnungen. Sie haben sich verändert, und nicht unbedingt zum Guten hin. Le Gall arbeitet seit Band 13 mit einem spürbar dünneren Strich, der mir nicht ganz so gut gefällt, wie früher. Stellenweise wirken Frank Le Galls Zeichnungen fahrig und ungenau, er hat auch Schwierigkeiten mit der Darstellung von Aro Satoe — wohl weil er versucht, sie als Schönheit in einem realistischen Stil darzustellen, während seine anderen Figuren ja alle eher ins Semi-Funny tendieren? Seine Darstellungen von Schatten und Mimik in den Gesichtern erinnern mich sogar ein wenig an Hugo Pratt — und das passt irgendwie gar nicht. Immerhin wird die Kolorierung nun von seinem Sohn Robin durchgeführt, der bereits bei der Neukolorierung der ersten beiden Bände dabei war, und ist ein bisschen farbenfroher als zuvor. Die oft ins gräulich-dunkle tendierenden Farben der ersten Bände gehörten zwar irgendwie zur Serie dazu, waren aber doch sehr trist. Jetzt ist es besser, teilweise.

Die Erzählung selber ist weiterhin originell und ereignisreich, doch manchmal auch ein wenig langatmig. Dafür bekommt man seit den letzten beiden Bänden aber auch 62 bzw. 76 Comicseiten statt der früher eher klassischen Albumlängen. Das entschädigt dann auch irgendwie zumindest ein bisschen für die lange Wartezeit, finde ich. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie das Abenteuer weitergehen (und enden ?) wird, hoffe aber, dass es nicht wieder so lange dauern wird.

 

Von diesem Band erscheint auch wieder eine limitierte Vorzugsausgabe mit Zusatzseiten und einem Druck.



Fazit:

Ein Klassiker wird fortgesetzt, und der Kampf des kleinen Abenteurers und ehemaligen Reedereibuchhalters Theodor Pussel gegen Piraten und sonstige Widersacher im indonesischen Meer zwischen den Weltkriegen bleibt spannend und unterhaltsam. Die Zeichenstärke des Autors hat inzwischen ein wenig nachgelassen, vor allem die Titelfigur gelingt ihm nicht immer. Doch dies bleibt eine mitreissende Abenteuersaga, die sehr gut zu unterhalten weiß und mit einer wahren Menagerie an skurrilen Nebenfiguren gespickt ist. Sollte man nicht verpassen!



Die Abenteuer von Theodor Pussel — Band 14: Aro Satoe - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die Abenteuer von Theodor Pussel — Band 14: Aro Satoe

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Salleck Publications

Preis:
€ 25,00

ISBN 10:
3899088514

ISBN 13:
978-3899088519

80 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Endlich die Fortsetzung dieses Klassikers!
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 24.05.2026
Kategorie: Alben
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