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Comic-Besprechung - Leave them Alone

Geschichten:

Leave them Alone
Autor: Roger Seiter, Zeichner / Colorist: Chris Regnault



Story:

Arizona 1874. Es häufen sich die Überfälle auf Postkutschen und die Betreiberfirma Wells Fargo überlegt fieberhaft wie sie dem entgegen treten können. Auf halber Strecke zwischen Flagstaff und Sedona liegt eine Postkutschenstation welche von der resoluten Marian Potter und ihrer Enkelin Elfie sowie einem Indianer geführt werden. Als eine Prostituierte und ein Revolverheld auftauchen wird die Situation sehr spannungsgeladen. Als dann noch die Bande ausgerechnet die Station  auswählt, um ihren nächsten Raub durchzuführen, eskaliert die Situation.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Schon die ersten Seiten von Leave them Alone machen deutlich das dieser Western nichts für Zartbesaitete ist. Stattdessen ist er grausam und zynisch und damit ironischerweise sehr viel mehr der historischen Realität verhaftet als es der klassische US-Western ist. Aber die Zeichnungen sind dermaßen geschickt aufgebaut das man sofort in den Bann gezogen worden ist.  Das erste Panel zeigt in einer Totalen eine Postkutsche, umringt von einigen Männern. Anhand der deutlichen Blutspur die zentral eingefügt den Fluchtpunkt der Blickrichtung angibt, wird schnell klar, dass hier ungeheuerliches geschehen ist. Nach dieser Totalen folgen Close-Ups welche die Gesamtsituation andeuten, nämlich jedes zweite Panel zeigt hier einen Schrecken, welches noch dadurch gesteigert wird mit welcher Beiläufigkeit ein Mord geschieht.
 Der Tonfall ist gesetzt und in der anschließenden Szene wird das Thema deutlich: es geht um eine Bande welche Postkutschen überfällt und was die Wells Fargo Company, also die Betreiber der Postkutschen, dagegen unternehmen will. Erst danach wird in einem weiteren Szenenwechsel das Stammpersonal eingeführt welches eine Postkutschenstation betreibt.

Auch  wenn die Zeichnungen der Gesichter nicht jedermanns Fall sein dürften, ist der Aufbau hervorragend. Für mich waren die Gesichter etwas zu karikaturhaft ausgefallen und gerade die jugendliche Heldin etwas zu niedlich, kindlich Ein sehr viel realistischerer Stil hätte hier mehr zu der düsteren Story gepasst. Ein Semi-Funny Stil weckt doch schon andere Erwartungen und wer hier anhand der Zeichnungen ein  humoristisch angereichertes Western-Abenteuer erwartet wird geschockt sein. Aber die Struktur und der Panelaufbau, sowie das Timing sind hervorragend.
Zwar beinhaltet die Story einige Archetypen, aber die werden gegen den Strich gebürstet.  Die Hure hat kein goldenes Herz, sondern ist egoistisch und verursacht beinahe eine Katastrophe.  Der Revolverheld ist keine große Hilfe und der Sherriff ist korrupt. Die Rettung in letzter Minute, eigentlich ein Privileg der US-Kavallerie, scheitert und der Indianer, meist als weiser Helfer eingeführt, verschwindet die meiste Zeit über und steht am Ende ratlos dem Geschehen gegenüber.

Gerade dieses Verweigern der Klischees macht die Lektüre extrem spannend und es wird recht schnell deutlich, dass hier niemand sicher ist. Zudem ist das alles sehr tragisch. Alle wollen sich von ihrer Vergangenheit lossagen, vor allem der Revolverheld und die Prostituierte, scheitern aber damit und werden immer wieder von der Vergangenheit eingeholt. Andere Konfliktpotentiale verlaufen in die Leere so dass ein stetes Bedauern und Hadern mit dem Schicksal der Charaktere vorhanden ist. Auch wenn die Hauptpersonen Frauen sind, so ist es doch weniger ein feministischer Western. Denn fast alle sind von vornherein selbstständig und als solche auch akzeptiert.

Die hervorragende Struktur, das Vermeiden von Klischees und das Spiel mit den Archetypen machen den in sich abgeschlossenen Band zusammen mit den Zeichnungen zu einem Muss für Western-Fans und das letzte Panel ist eine ironische Anspielung auf die Filme Rattennest und Pulp Fiction.



Fazit:

Ein starker Western der nichts für Zartbesaitete ist. Aber die Struktur und das Spiel mit Klischees und Archetypen des Genres ist hervorragend. Für Western-Fans ein Muss.



Leave them Alone - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Leave them Alone

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 27,00

ISBN 10:
3967921395

ISBN 13:
978-3967921397

160 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Aufbau der Zeichnungen
  • Spiel mit Klischees und Archetypen
  • Spannung und Dramatik
Negativ aufgefallen
  • Gesichter etwas zu niedlich ausgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 09.08.2026
Kategorie: Alben
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Fred
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