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Comic-Besprechung - Harry und Platte Gesamtausgabe 1972 - 1974

Geschichten:

Harry und Platte Gesamtausgabe 1972 - 1974
(Gräber, Geister und Ganoven, Taucher, Tote, Tricksereien, Ein teuflischer Plan, Trouble in New York)
Autor: Maurice Tillieux, Zeichner / Colorist: Will



Story:

Auch wenn Harry und Platte Detektive sind, so geraten sie manchmal unfreiwillig in Abenteuer. So geraten sie in der Bretagne in ein Dorf wo anscheinend des Nachts kürzlich verstorbene Einwohner umgehen. Eine Bitte um eine finanzielle Investition führen die beiden zusamen mit Kiki in die Pazifik wo Kikis Angestellter allerdings kurz nach deren Ankunft  ermordet wird. Wofür brauchte er aber das Geld? Als Platte sich Hals über Kopf in eine junge Frau verliebt, ist das nur der Auftakt für eine internationale Intrige in deren Verlauf sie es auch mit Robotern zu tun bekommen. Letztlich führt ein verwechselter Koffer in New York dazu, das die beiden in einen Gangsterkrieg geraten.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Die aktuelle Gesamtausgabe des frankobelgischen Klassikers Harry und Platte ist nicht nummeriert, sondern trägt im Titel rein die abgedeckten Veröffentlichungsjahre. Zwar sind alle Gesamtausgaben chronologisch, aber ein bisschen verwirrt es doch. Aber das ist wahrscheinlich reine Gewohnheit. Da hier nur drei Jahre abgedeckt werden, ist man versucht anzunehmen, dass dieser Band etwas schmaler ausfallen möge. Doch das täuscht, denn auch hier sind vier albenlange Abenteuer enthalten. Was für den Fleiß der Schöpfer spricht aber diese Quantität kann auch oft zu Lasten der Qualität gehen.

In dem erhellenden Vorwort wird darauf eingegangen wie sehr Maurice Tillieux als Szenarist eingespannt war. So ist es auch legitim das er Elemente einer seiner eigenen Serien, nämlich Felix, wieder neu verarbeitete. Es wurde neu arrangiert, verdichtet, erweitert. Wer jetzt dem genialen Szenaristen daraus einen Vorwurf machen will, der denke nur an andere langlebige Serien die sich immer wiederholten und im Genre festsaßen und langsam in Klischees erstarrten. Seien es nun die Fliegerserien, Der rote Korsar oder Michel Vaillant, alle wiederholten sich zu einem gewissen Zeitpunkt. Allerdings muss man hier auch festhalten das erst Tillieux die Serie zu einem wahren Klassiker machte, was auch daran liegt, dass die Protagonisten Harry und Platte vielseitig einsetzbar sind. Sie haben keinen fest umrissenen Beruf der sie einschränkt. Gut, sie sind Detektive, aber in diesem Band erhalten sie keinen Auftrag, sondern stolpern mehr oder weniger in die Abenteuer hinein. 

Sie sind von den Fesseln eines Genres befreit, im Gegensatz etwa  zu Rennfahrern, und auch von den Einschränkungen eines Berufs, wie etwa einer Stewardess, und so ist es möglich das wie hier jedes der vier Abenteuer einen eigenen Tonfall erhält, eine andere Stimmung aufweist und sogar unterschiedliche Genres streift. Manches mutet allerdings bekannt an und durfte es schon in den 1970ern sein. Gräber, Geister und Ganoven ist deutlich von Tim und Struppi Die schwarze Insel beeinflusst und weist ein beliebtes Motiv auf mit einem vermeintlichen Spuk der von Gangstern inszeniert wird. Das ist durchaus spannend und sehr atmosphärisch und unheimlich in der verregneten Bretagne. Der Kriminalfall ist da durchaus weniger interessant, sondern hier zählt die Atmosphäre und der Running Gag mit einem Gangster der einfach nicht zu schlagen ist.

Taucher, Tote, Tricksereien führt die beiden Helden von der verregneten Bretagne in die Karibik und es gibt durchaus Anleihen an Franquins Tiefenrausch aus Spirou und Fantasio, aber es ist durchaus spannend. Hier geht es weniger um das Identifizieren von Gegnern, also dem Whodunit, sondern um das was ein Mordopfer herausgefunden hat. Auch dieses Abenteuer ist atmosphärisch und es gelingt einem gut in das Setting zu versetzen und weist Exotik und Twists auf. Ein teuflischer Plan ist schon eher Science-Fiction und so hat man nach Mystery und Krimi schon das dritte Genre. Dieses ist auch das schwächste Abenteuer auch wenn es sehr witzige Momente hat wenn Platte sich Hals über Kopf verliebt. Aber hier ist es psychologisch nicht sonderlich nachvollziehbar und nicht sonderlich rund. Trouble in New York ist dann ein purer Slapstick-Krimi voller aberwitziger Wendungen und ist sehr rasant und lustig. 

Es ist schön was man mit diesen Helden alles anstellen kann. Der Humor kommt nie zu kurz, aber die Genres werden durchaus ernst genommen was man auch daran sehen kann das es immer wieder zu Todesopfern kommt. Manchmal wirkt die Serie heutzutage doch etwas behäbig was vor allem dem Zeichenstil zu Grunde liegt, aber dennoch haben sie immer noch ihren Charme und dürften nicht nur Nostalgikern mehr als einen Blick wert sein. Wer als Comic-Aficionado diesen Klassiker noch nicht kennt, sollte spätestens jetzt zugreifen.



Fazit:

Ab und an merkt man der Serie das Alter an, was aber den Charme durchaus erhöht. Die vielfältige Einsetzbarkeit der Helden sorgt dafür das jedes Abenteuer ein anderes Genre streift und so eine andere Tonalität besitzt. Wer den Klassiker noch nicht kennt, sollte hier unbedingt zugreifen.



Harry und Platte Gesamtausgabe 1972 - 1974 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Harry und Platte Gesamtausgabe 1972 - 1974

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Salleck Publications

Preis:
€ 39,90

ISBN 10:
3899088506

ISBN 13:
‎ 978-3899088502

216 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • unterschiedliche Tonalität
  • trotz Humor Genres ernst genommen
  • verschiedene Genres
Negativ aufgefallen
  • Zeichnungen teils behäbig
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 05.09.2026
Kategorie: Harry und Platte
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