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Comic-Besprechung - Pluto: Urasawa X Tezuka 1

Geschichten:

Akt 1 – 7

Autor: Osamu und Makoto Tezuka, Naoki Urasawa, Takashi Nagasaki, Zeichner: Naoki Urasawa,  Tuscher: Naoki Urasawa



Story:

In der nahen Zukunft leben Menschen und sehr menschliche Roboter in friedlicher Koexistenz. Das scheinbare Idyll wird unverhofft von einer Mord-Serie überschattet: Ausgerechnet jene Roboter, deren Technologie besonders weit entwickelt ist – die intelligentesten, vielseitigsten und stärksten Maschinenmenschen -, werden auf spektakuläre Weise getötet. Den beiden bisherigen Opfern ist gemein, dass der Täter eine Art Geweih an ihrem Kopf hinterließ.

Dies ist zudem die einzige Gemeinsamkeit mit einem anderen Fall, in dem der deutsche Europol-Inspektor Gesicht ermittelt. Bernhard Lanke, der sich für die Rechte der Roboter einsetzte, wurde ermordet und die Leiche auf dieselbe symbolträchtige Weise hergerichtet. Seltsamerweise sind am Tatort weder die Spuren eines Menschen noch eines Roboters zu finden.

Gesicht wendet sich an den einzigen Roboter, der trotz seiner Programmierung, die das Töten von Menschen untersagt, gemordet hat und sich seither in Haft befindet. Tatsächlich kann dieser einige kryptisch anmutende Hinweise geben, demnach das Geweih auf den römischen Gott der Unterwelt, "Pluto", verweist und sechs weitere Morde folgen sollen. Trifft die Prophezeiung zu, wäre auch Gestalt in Gefahr ...



Meinung:

Die achtteilige Manga-Serie Pluto basiert auf Osamu Tezukas populärem Klassiker Astro Boy (Shonen Kobuncha, 1952 – 1968, 23 Tankobons; in Deutschland publiziert von Carlsen). Sie bedient sich der gleichnamigen Nebenfigur – Pluto - und einiger weiterer Charaktere aus jener Reihe. Pluto erschien von 2003 – 2009 in Big Comic Original und wird nun von Carlsen den deutschen Lesern zugänglich gemacht. Umgesetzt wurde die Geschichte von Naoki Urasawa, bestens bekannt durch Monster und 20th Century Boys, seinem Co-Autor Takashi Nagasaki und Makoto Tezuka, Osamu Tazukas Sohn, als Supervisor. Zu der preisgekrönten Serie ist ein Real-Film in Planung. Wer mehr über Osamu Tezuka und Naoki Urasawa erfahren möchte, kann sich auf den Websites der Künstler umsehen: tezukaosamu.net und flying-dc.com.

Liest man den Manga, fallen die augenscheinlichen Parallelen zu den Roboter-Storys von Isaac Asimov ins Auge. Schon früh, aber vor allem ab den 1940er Jahren verfasste der russisch-amerikanische (Science Fiction-) Autor zahlreiche Kurzgeschichten, die ab den 1950er Jahren in Sammelbänden zusammengefasst wurden. Nicht nur formulierte er die drei Roboter-Gesetze (Ich, der Robot: 1. "Ein Roboter darf kein menschliches Wesen [wissentlich] verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen [wissentlich] Schaden zugefügt wird." 2. "Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren." 3. "Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert."), er befasste sich außerdem mit der Frage, wie menschlich ein Roboter sein kann (zum Beispiel in Der Zweihundertjährige). Leider ist nicht bekannt, ob Astro Boy von Asimov inspiriert wurde, zumal der Manga nur wenige Jahre nach den Roboter-Storys gestartet wurde.

Sowohl in Astro Boy als auch in dem Spin-Off Pluto leben Menschen und sehr menschliche Roboter in Harmonie. Freilich haben die Maschinenwesen Gegner, doch die Mehrheit akzeptiert sie als einen Bestandteil der Gesellschaft mit Pflichten, Rechten und sogar Träumen (Träumen Roboter von elektrischen Schafen?, Philip K. Dick, 1968, verfilmt von Ridley Scott unter dem Titel Blade Runner mit Harrison Ford). Beispielsweise wird der Kampfroboter North Nr. 2 von seinen Erinnerungen an den Krieg gepeinigt, in dem er viele seiner Art töten musste,  und sucht Vergessen in der Musik, auch Gesicht kennt Albträume, und Brando, ein Wrestling-Roboter, hat eine Familie mit Robot-Frau und menschlichen (!) Kindern gegründet, in denen er im übertragenen Sinn seine Zukunft sieht.

Die Frage nach der Menschlichkeit der immer perfekter werdenden Maschinen ist eingebettet in eine spannende, dramatische Krimi-Handlung, die den Leser sofort in ihren Bann zieht. Durch Einzelschicksale erfährt man Näheres über das Gesellschaftssystem, das Denken und Handeln von Mensch und Roboter. Gleichzeitig darf man rätseln, welcher Platz den ersten Puzzlestücken zukommt, und Spekulationen anstellen, wer hinter den Morden steckt, was die Anspielungen auf den römischen Todesgott bedeuten und welche Motivation den Täter antreibt, dessen Terror-Aktionen Menschen und Roboter gleichermaßen erschrecken.

Pluto ist keine leichte Kost für junge Leser, sondern wendet sich an ein reifes Publikum, das die Antworten nicht auf einem Silbertablett serviert bekommen möchte, sondern gern mit- und über das Gelesen nachdenkt. Auch die Illustrationen entsprechen nicht dem, was man allgemein in Mangas vorfindet. Naoki Urasawas Stil ist realistisch und beschönigt nichts. Seine Werke fallen unter die Rubriken Gekiga und Seinen, worunter man sich komplexe, atmosphärisch dichte und detailliert gezeichnete Mangas für erwachsene Leser - Titel die sich bewusst von Kinder-Serien abgrenzen wollen - vorstellen muss. Weitere Vertreter dieser Gattung sind beispielsweise Jiro Taniguchi (Vertraute Fremde),  Kazuo Kamimura und Kazuo Koike (Lady Snowblood) und Hisashi Sagaguchi (Ikkyu).



Fazit:

Pluto ist ein spannender Science Fiction-Thriller mit Tiefgang, der sich mit zahlreichen ethischen Grundsätzen befasst. Die Lektüre spricht das erwachsene Publikum an und weiß durch eine komplexe, vielschichtige Handlung und gelungene Charakterstudien zu überzeugen. Auch Genre-Fans, die sich nicht sonderlich für Mangas interessieren und eher nach Romanen oder francobelgischen und amerikanischen Comics greifen, sollten der Graphic Novel eine Chance geben – sie werden äußerst positiv überrascht!



Pluto: Urasawa X Tezuka 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Pluto: Urasawa X Tezuka 1

Autor der Besprechung:
Irene Salzmann

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 12.90

ISBN 13:
978-3-551-71301-8

200 Seiten

Positiv aufgefallen
  • komplexe, spannende Handlung mit Tiefgang
  • ungewöhnliche, interessante Charaktere
  • realistische Illustrationen
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 15.12.2010
Kategorie: Pluto
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