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Comic-Besprechung - SZ Bibliothek Graphic Novels 3: Gift

Geschichten:

Autor: Peer Meter
Zeichner: Barbara Yelin



Story:

Bremen im Jahr 1831: Eine junge Schriftstellerin versucht eine Reisebeschreibung über Bremen zu verfassen, dabei wird sie aber in den Fall der Gesche Gottfried hineingezogen, welche 15 Menschen aus ihrem nahen Umfeld vergiftet hat. Eher unfreiwillig forscht sie in dieser Angelegenheit nach und stößt schnell auf eine Mauer des Schweigens, bei der niemand die Wahrheit erfahren will. Stattdessen wird sie ausgegrenzt und mit Tatsachen konfrontiert, die eine erdrückende und zwanghafte Gesellschaft zeigen.



Meinung:

Die Süddeutsche Zeitung hat sich für ihre Bibliothek zehn oftmals hoch gelobte Graphic Novels herausgegriffen und diese in einem einheitlichen Hardcoverformat wiederveröffentlicht. Band Nummer Drei enthält den 2010 von Reprodukt veröffentlichten Titel Gift, der von der Bremer Giftmörderin Gesche Gottfried handelt.

Peer Meter hat hier als Autor ein spannendes Stück deutscher Kriminalgeschichte herausgegriffen und dieses auf lesenswerte Art und Weise wiedergegeben. Dabei nutzt er die Form eines außenstehenden Erzählers (in diesem Fall eine junge Schriftstellerin), um den historischen Fall in seinen ganzen Facetten beleuchten zu können. Der Leser wird dadurch zusammen mit der jungen Frau in ein Bremen des 19. Jahrhunderts geworfen, welches in alte patriarchalischen Denkweisen gefangen ist und der Frau an sich, sei es nun Gesche Gottfried oder der jungen Schriftstellerin, keine Möglichkeit zur Einflussnahme bzw. Selbstbestimmung bietet. Dieses mündet in viele kleine überraschende „Höhepunkte“, welche dem Leser die Engstirnigkeit der damaligen Gesellschaft vor Augen führen. Peer Meter setzt sich darüber hinaus, mit dem Umständen, die zu den Morden geführt haben können, auseinander. So beschäftigt er sich mit der Frage, ob Gesche Gottfried „krank ist an Seele und Geist“. Hierbei setzt er jedoch nicht auf Spurensuche und der Lösung von kriminalistischen Problemen, sondern nutzt diesen Umstand, um auf die Vorverurteilung der damaligen Gesellschaft hinzuweisen.

Im Gegensatz zu seiner Graphic Novel Haarmann, lässt Peer Meter die Täterin in diesem Band nicht persönlich zu Wort kommen. Alles was der Leser über den Fall erfährt, bekommt er von Augenzeugen, aus Kriminalakten oder durch Gerüchte übermittelt. Dies stellt Gesche Gottfried als gepeinigtes Opfer der Gesellschaft, quasi ein Auswuchs des Patriarchats dar, und nimmt ihr die Grausamkeit mit der sie zweifelsohne die Morde begangen hat.

Ebenfalls verantwortlich für den Erfolg dieses Werkes, welches 2010 als bester deutscher Comic für den Max-und-Moritz-Preis nominiert wurde, ist die Zeichnerin Barbara Yelin. In Deutschland vorher noch nicht in Erscheinung getreten, hat sie bereits in Frankreich zwei Alben publiziert und 2008 auf der Frankfurter Buchmesse den „Sondermann-Preis für den Newcomer des Jahres“ gewonnen. Bei Gift arbeitet Barbara Yelin mit reinen Schwarzweißzeichnungen, die oftmals nicht weit entfernt vom Entwurf sind. Dadurch entsteht zwar keine Detailfülle, was aber angesichts der beeindruckenden Arbeit mit Licht und Schatten verschmerzbar ist. Am auffälligsten sind aber die vielen Perspektivenwechsel, welche die Zeichenreihenfolge wie bei einem Diafilm ablaufen lassen und den Leser mit jedem Panel näher ans Geschehen heranbringen, um dann im letzten Moment die Szene abzubrechen und woanders wieder zu beginnen. Dies vermittelt den Grafiken eine Lebendigkeit, die man von reinen Schwarzweißzeichnungen so sicher nicht erwartet hätte.

Die SZ-Redaktion spendiert der Ausgabe noch einen kleinen Anhang, wo ausführlich auf die beteiligten real-historischen Personen und auf weitere Dinge (Prozessakten, Spuckstein) eingegangen wird. Dadurch wird die Veröffentlichung wunderbar abgerundet und präsentiert sich als kompetentes Gesamtwerk zum Fall der Giftmörderin von Bremen.



Fazit:

Die Feuilletonredaktion der Süddeutschen Zeitung hat mit ihrer Wahl genau ins Schwarze Getroffen. Die Graphic Novel Gift von Peer Meter und Barbara Yelin ist inhaltlich wie optisch ein Klassiker, der aufgrund seiner Beschäftigung mit einem schockierenden Thema und der ungeschorenen Darstellung der damaligen Gesellschaft uneingeschränkt empfehlenswert ist.



SZ Bibliothek Graphic Novels 3: Gift - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

SZ Bibliothek Graphic Novels 3: Gift

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Süddeutsche Zeitung GmbH

Preis:
€ 14,90

ISBN 13:
978-3-86615-870-2

200 Seiten

Positiv aufgefallen
  • edler Hardcovereinband mit Leseband
  • düster, spannend und erschreckend zugleich
  • sehenswerte s/w Grafiken von Barbara Yelin
  • günstige Ausgabe
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
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Rezension vom: 01.04.2011
Kategorie: SZ Bibliothek Graphic Novels
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