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Comic-Besprechung - Lotusfüsse

Geschichten:
Lotusfüsse
Autor / Zeichner: Li Kunwu


Story:
Das Mädchen Chunxiu entstammt einer armen bäuerlichen Familie und ihre einzige Chance auf ein besseres Leben besteht aus einer Heirat in eine höher gestellte Familie. Doch dafür  muss sie dem Schönheitsideal entsprechen und die Mutter lässt ihrer Tochter die Füße binden damit sie die Lotusfüße bekommt. Dass sie dadurch ein Leben lang Schmerzen haben wird, wird in Kauf genommen. Doch die erste Revolution in China sorgt für einen anderen Lebensweg.


Meinung:
Den Zeichner und Autoren Li Kunwu kennt man mittlerweile schon für seine preisgekrönte Trilogie Ein Leben in China. Die wurde auch dadurch bekannt, dass eine Autobiographie dazu benutzt wird, um generelle Entwicklungen und Zustände in China anhand der Familiengeschichte aufzuzeigen und aufzubereiten.

Seine aktuelle Graphic  Novel Lotusfüße geht dem Leben seiner Kinderfrau nach, das sehr schmerzhaft gewesen ist und auch dem Leser bei der Lektüre nahezu körperliches Unwohlsein und Empörung auslöst. Vor allem die Szene in der man das berüchtigte Füßebinden sieht, verursacht ein Ziehen in den eigenen Extremitäten und man ist gezwungen aufzustehen und ein Stück zu laufen, um zu sehen ob es noch funktioniert. Es galt als schön, wenn Frauen kleine Füße hatten, Schuhgröße 10, und dafür wurden die Zehen gebrochen und unter die Fußsohle gebunden. Dadurch bekamen sie einen Tippelschritt, der angeblich auch die Beckenknochen und die Vaginalmuskeln trainierte und somit die Frau auch besser beim Sex wäre. Und begehrenswerter für die Männer.

Dieses als Ausgangspunkt nehmend, verarbeitet Li Kunwu aber auch andere Bereiche. Zunächst wäre da das Thema der Schönheitsideale und was gerade Frauen dafür in Kauf nehmen müssen, um einem sich wechselnden Ideal nachzueifern. Diese Thematik ist immer noch aktuell und heutzutage eher in den Salons und bei Schönheitschirurgen zu finden. Natürlich ist das heutzutage nicht mehr so grausam wie im feudalen China mit den gebundenen Füßen und den eingeschnürten Brüsten (damit sie klein bleiben). Damals war es für den möglichen sozialen Aufstieg notwendig, da man als Frau meist nur mit der Heirat eines reicheren Mannes den ärmlichen Umständen entkommen konnte. Dafür musste man die Prozeduren ertragen und den Rest des Lebens dann darunter leiden. Doch nun kam die erste Revolution unter der China zu einer Republik geworden war und die Ideale änderten sich. Nun war es verpönt und die einstige Vorzeigefrau Chunxiu galt nun als abschreckendes Beispiel. Jeder mögliche Aufstieg war nun durch die Schönheitskorrekturen versperrt. Neben der Vernichtung altüberlieferter Vorstellungen und der Annäherung an den Westen, brachen nun auch Existenzgrundlagen weg und die Unsicherheit des Landes wurde stärker. Fortan war für die Heldin alles verloren und das Ideal zum Makel geworden. Nun war aber der Lebensweg nicht zu Ende, sondern sie musste noch einiges an Demütigungen hinnehmen.

Li Kunwu geht hier anhand des individuellen Schicksals auch dem sozialen nach. Die Ebenen sind nie zu trennen, da man immer als Individuum Teil einer Gesellschaft und ihrer politischen und historischen Strömungen ist und dadurch geprägt wird und sich die Lebensumstände dementsprechend auch ändern. Gerade hier ist die Trennung nicht möglich. Während der Kulturrevolution, eines der schlimmsten Verbrechen von Mao, galten dann nämlich die gebundenen Füße als konterrevolutionär. Als ob die Frauen dafür etwas konnten. Jedenfalls gelingt es dem Autor / Zeichner den Leser mit seiner Erzählung zu fesseln und Empörung auszulösen.

Der Strich ist aber ein bisschen herb ausgefallen und hat einen expressionistischen Einschlag der zwar dynamisch ist aber manchmal die Gesichter nur schwer unterscheidbar werden lässt. Aber das Setting ist wunderbar gelungen. Manchmal hätte man sich zu manchen Themen mehr Raum gewünscht, um die Wirkung mancher Szenen noch zu erhöhen. So wird das Thema der Brusteinschnürung in nur wenigen Panels abgetan, so dass man schon fast drüber hinweg gelesen hätte. Aber dann hätte man sich emotional wohl noch mehr beteiligt. Und ob einem das dann gut getan hätte?

Fazit:
Eine eindringliche Graphic Novel der es gelingt, dass man sich zeitweise körperlich unwohl fühlt. Das reale Schicksal einer Frau während der sozialen Umwälzungen in China geht einem nahe, obwohl manche Themen durchaus mehr Raum hätten bekommen können. Zudem ist der herbe Strich gewöhnungsbedürftig.

Lotusfüsse - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Lotusfüsse

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Edition Moderne

Preis:
€ 19,80

ISBN 10:
3037311371

ISBN 13:
978-3037311370

128 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Story
  • Einbettung eines individuellen Schicksals in Sozialgeschichte
  • emotional ergreifend
Negativ aufgefallen
  • für manche Themen wäre mehr Raum schön gewesen
  • Stil ist gewöhnungsbedürftig
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Rezension vom: 30.03.2015
Kategorie: Rezensionen
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