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Comic-Besprechung - Das Herz der Amazonen

Geschichten:
Das Herz der Amazonen
Autor: Géraldine Bindi, Zeichner, Colorist: Christian Rossi


Story:
Nach einer blutigen Rebellion haben sich die nun freien Frauen geschworen sich nie wieder zu unterwerfen. Berühmt wurden sie als Amazonen. Die einzigen Männer in ihrer verborgenen Stadt im Wald sind Sklaven und einmal im Jahr werden Männer gejagt und gefangen, um für Nachwuchs zu sorgen. Auch wenn sie die Geburt ihrer Kinder nicht mehr erleben werden. Der Hass auf die Männer wird auf eine Probe gestellt, als die Königin der Amazonen, Penthesilea während des trojanischen Krieges den Halbgott Achill herausfordert. Das Selbstbild der Kriegerin droht ins Wanken zu geraten.


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Die Autorin Géraldine Bindi nimmt die klassischen Sagen und Mythen über die Amazonen aus der antiken Schatztruhe und ordnet sie neu an. In Das Herz der Amazonen erzählt Bindi dabei die Sagen nicht neu, sondern verschiebt einfach etwas die Erzählperspektive womit der Fokus neu gelegt wird. Dabei wird eine Modernisierung vermieden. Die Ereignisse spielen nicht im Hier und Heute, sondern der Ort und die Zeit sind und bleiben derjenige des trojanischen Krieges und die Handlung beruft sich insofern auf Homer und seiner epochalen Ilias.

Dabei hält Bindi sich an die Überlieferungen, schildert aber die Geschehnisse aus einer weiblichen Sicht. Damit steht sie im Gegensatz zu Homer der die Amazonen eher als Randerscheinungen des Krieges erwähnte und die männliche Perspektive betonte, indem er die Ereignisse aus Sicht von Achilles schilderte. Hier ist es eher die Königin der Amazonen, Penthesilea, welche die dominante Figur ist, zusätzlich zu einigen anderen Figuren. Durch diese im Grunde simple Verschiebung werden ganz andere Schwerpunkte gesetzt. Zudem gerät es so auch zum Vorteil das es sich hier um eine Autorin handelt, denn auch wenn die Frauen von Rossi permanent nackt gezeichnet und schön anzusehen sind, so gewinnen sie doch durch die Erzählperspektive an Stärke und Würde und sind keine Objekte und erotische Projektionsflächen. Das hätte bei einem Erzähler allzu schnell passieren können. Erotische Szenen geraten so auch nicht zu einer Phantasie, sondern stehen im Bann der Ideologie und darum geht es hier schließlich: um den Krieg der Geschlechter und die Frage wie es austariert wird zwischen Mann und Frau.

Hier gibt es Konflikte durch die stark gegensätzlichen Pole was hier nur zu Opfern führt und zu der Frage wie der Geschlechterkonflikt ausgetragen werden kann. Das archaische Verhalten des Patriarchats gegenüber Frauen ist keine Lösung, aber in der völligen Verneinung der Männer und der eigenen Gefühle wie sie von den Seiten der Amazonen gehalten wird, offensichtlich auch nicht, da die starke Kontrastierung keine Zwischenstufen zulässt und auch Männer die es nicht verdienen zu Schaden kommen. Die Frage wie sich das harmonische Miteinander von Männer und Frauen gestalten soll, bleibt hier offen und es ist auch heute in der modernen Zeit immer noch ein hoch aktuelles Thema. Vor allem in Zeiten der #MeToo-Debatte welche den Umgang zwischen den Geschlechtern wohl noch weiter erschweren dürfte, da so die Unsicherheiten untereinander noch verschärft werden.  So wichtig die Debatte auch ist. Insofern kommt dieser Band zur rechten Zeit. Schließlich wird so deutlich, dass dieses Thema schon in der Antike nicht einfach war. Und die Autoren geben auch gar nicht vor eine Antwort zu kennen.

Christian Rossi liefert hier wundervolle Zeichnungen ab die manchmal sowohl etwas erstaunen als auch irritieren. Vor allem wenn einzelne Panels geradezu weiß bleiben. Da fehlt etwa bei einer einzelnen Figur in einem Panel die Kolorierung während der Hintergrund dennoch ausgestaltet worden ist. Ab und an kommt das vor und auch einige andere Panels welche durchaus mal Panoramalandschaften zeigen, wirken manchmal ausgespart. Natürlich ist das beabsichtigt und setzt  Akzente welche einen zunächst befremden aber vor allem die Zerbrechlichkeit der Situation und vor allem der gezeigten Person mehr als deutlich macht. Und so sind die Zeichnungen ein Paradox: zerbrechlich und kraftvoll zugleich. Ähnlich wie die Amazonen denen hier die ganze Sympathie gilt wohingegen man sich bei den hier auftretenden Männern als männlicher Leser teilweise fremdschämen muss. Und bei der aufdringlichen Virilität des klassischen Helden Achilles verspürt man ein gewisses Unbehagen. Faszinierend.


Fazit:
Faszinierend. Auch wenn keine Modernisierung des antiken Stoffes vorgenommen wird, so sorgt doch einzig eine Verschiebung der Erzählperspektive dazu, dass der hier geführte Konflikt immer noch hoch aktuell wirkt. Dazu tragen die wundervollen Zeichnungen bei.


Das Herz der Amazonen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Das Herz der Amazonen

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 29,80

ISBN 10:
3962192158

ISBN 13:
978-3962192150

160 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Zeichnungen
  • geschickte Perspektivverschiebung
  • trotz antikem Setting Aktualität
  • Stimmung und Atmosphäre
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
3
(1 Stimme)
Bewertung
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Rezension vom: 07.01.2019
Kategorie: Alben
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